Wie Neu-Ulm zur Hochschulstadt wurde

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 Hochschulstadt Neu-Ulm – darüber freuten sich Gerhard Hack (links) und die damalige Oberbürgermeisterin Beate Merk 1998.
Hochschulstadt Neu-Ulm – darüber freuten sich Gerhard Hack (links) und die damalige Oberbürgermeisterin Beate Merk 1998. (Foto: Archiv / Horst Hörger)
Michael Ruddigkeit

Am Anfang stand eine Vision – und daraus wurde eine Neu-Ulmer Erfolgsgeschichte. Heute ist die Hochschule Neu-Ulm (HNU) eine International Business School mit etwa 3900 Studierenden, 18 Bachelor- und Masterstudiengängen und mehr als 100 internationalen Partnerinstituten weltweit.

Doch bis dahin war es ein weiter und bisweilen steiniger Weg. Denn auch die Hochschule Neu-Ulm hat mal klein angefangen.

Genau genommen als eine Außenstelle, und das in Räumen, die schon bald aus allen Nähten platzen sollten. Die Grundlagen für den Start legte der bayerische Landtag vor 25 Jahren mit einem Gesetz zur Errichtung mehrerer neuer Fachhochschulen, das am 1. Mai 1994 in Kraft trat. Dazu gehörte die Abteilung Neu-Ulm der Fachhochschule Kempten – Neu-Ulm.

Pläne lagen schon fertig in der Schublade

Schon wenige Wochen später begannen die Arbeiten für den Umbau der ehemaligen US-Schule in der Steubenstraße im Vorfeld. Die Pläne lagen damals bereits fertig in der Schublade. Doch die Neu-Ulmer Hochschul-Pioniere mussten so manche Widerstände überwinden: „Dem Gründungsjahr waren jahrelange Verhandlungen vorausgegangen, bei denen es vor allem galt, den Wissenschaftsrat von der Zukunftsfähigkeit des Standorts zu überzeugen“, erinnert sich Gründungsdekan Gerhard Hack.

Schließlich einigte man sich auf das vom Gründungsbeauftragten Professor Hanns Ott und dem Strukturbeirat vorgelegte Konzept. Das sah einen späteren Ausbau auf 1000 Studienplätze vor – was später noch weit übertroffen wurde.

Hack und seine Kollegen legten mit überaus bescheidenen Mitteln los und organisierten in Windeseile einen Semesterplan. In der Maximilianstraße hatte die FH-Außenstelle ein kleines Büro, in der die Bewerbungen für das erste Semester bearbeitet wurden. Ende Juli war Richtfest auf der Baustelle in der Steubenstraße, am 15. September wurden die Tische und Stühle geliefert – und am 4. Oktober begann der Studienbetrieb in der Abteilung Neu-Ulm mit insgesamt 105 Studierenden der Betriebswirtschaft. Es gab vier hauptamtliche Dozenten, der Rest waren Lehrbeauftragte aus der Region, unter ihnen der damalige Neu-Ulmer Oberbürgermeister Peter Biebl. Er unterrichtete Wirtschafts- und Privatrecht.

 Vor 25 Jahren begann mit einem Beschluss des Landtags die Geschichte der Fachhochschule Neu-Ulm, der heutigen HNU. Gründungsdek
Vor 25 Jahren begann mit einem Beschluss des Landtags die Geschichte der Fachhochschule Neu-Ulm, der heutigen HNU. Gründungsdekan Gerhard Hack ist stolz auf die erfolgreiche Entwicklung der Hochschule. (Foto: Alexander Kaya)

Die Zahl der Studierenden wuchs, bereits 1995 startete der erste gemeinsame Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachhochschule Ulm. Doch Gerhard Hack wollte mehr: Die FH Neu-Ulm sollte selbstständig werden. An diesem Ziel ließ der Marketingexperte keine Zweifel.

So entwarf er ein Logo, auf dem „Fachhochschule Kempten Neu-Ulm“ stand – aber „Kempten“ an der Seite, also auf dem Kopf stehend, und unten, gut lesbar, „Neu-Ulm“. Das ließ Hack auf T-Shirts drucken und verteilte sie an Studenten. Die Kemptener fanden das nicht so toll, Hack war’s egal.

Doch das Ringen um die Selbstständigkeit war zäh, denn im Wissenschaftsrat gab es erneut Skepsis. So wurde diskutiert, ob Neu-Ulm Teil der FH Ulm werden soll. „Es war ein Unabhängigkeitskampf“, sagt Gerhard Hack heute.

Früherer Bundesfinanzminister war für das Projekt

Doch der spätere Präsident und seine Mitstreiter hatten auch starke Fürsprecher, etwa den damaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel, Oberbürgermeisterin Beate Merk und Landrat Erich Josef Geßner (alle CSU). Und die heimischen Unternehmen: „Sowohl von der Politik als auch von der Wirtschaft gab es einen enormen Rückhalt, ohne den das nicht möglich gewesen wäre“, sagt Hack. Im Oktober 1998 war es schließlich soweit: Die FH Neu-Ulm wurde selbstständig – und auf den Ortsschildern der Zusatz „Hochschulstadt“ angebracht.

Auf die Entwicklung kann man wirklich stolz sein.

Gerhard Hack, Gründungsdekan 

Für Gerhard Hack, der von 1999 bis 2006 Präsident der Fachhochschule war, stieg die Stadt damit „in eine andere Liga“ auf: „Ich halte das für einen ganz entscheidenden Vorteil, wenn eine Stadt eine Hochschuleinrichtung hat, als Dienstleister für die Wirtschaft, und auch als Imagegewinn“, sagt der heute 78-Jährige. „Das andere ist die Belebung der Stadt mit einer solchen Anzahl an Studenten, die sich nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft auswirkt. Das erweitert die Möglichkeiten der ganzen Stadt.“

Weil der Standort im Vorfeld bald zu klein wurde, zog die FH – nun schon unter dem neuen Namen Hochschule Neu-Ulm – im August 2008 ins Wiley. Dort weihte Hacks Nachfolgerin, HNU-Präsidentin Uta M. Feser, voriges Jahr einen 26 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau ein. „Auf die Entwicklung kann man wirklich stolz sein“, findet Gerhard Hack, wenn er auf die vergangenen 25 Jahre blickt. Zum Jubiläum hat er einen Wunsch: „Ich würde gerne die Erstsemester von damals am 4. Oktober dieses Jahres begrüßen.“

Semesterstart an der HNU
Mehr als 500 Studierende beginnen im Sommersemester ihr Studium an der Hochschule Neu-Ulm.
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