Wie Ludwigsburg? Arena drohen Probleme

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Schwäbische Zeitung

Die Betreiber und Veranstalter der Ratiopharm-Arena wollen in Konkurrenz zu etablierten Hallen in der Region treten. Doch in Ludwigsburg stand ein ähnliches Projekt schon kurz vor dem Aus. Ein Vergleich.

Im September verrät Diplom-Kaufmann Dieter Bohlen bei einem Kongress seine Erfolgsgeheimnisse. Im Oktober exerziert die Band „Blind Guardian“ ihren Power-Metal, im November erfreut Semino Rossi mit Schlager-Schmelz. Und da sind natürlich die Heimspiele der Bundesliga-Basketballer. So wie das Herbstprogramm in der Arena Ludwigsburg könnte in Zukunft auch das Programm der Ratiopharm-Arena Neu-Ulm aussehen. Doch im Norden Stuttgarts haperte es zuletzt dermaßen am Erfolg der Multifunktionsarena, dass die Stadt die derzeit noch in Public Private Partnership (PPP) betriebene Halle ab September wieder selbst übernimmt, um ihren Untergang zu verhindern. Die Arena Ludwigsburg ging vor nicht einmal einem Jahr in Betrieb.

Das warnende Beispiel Ludwigsburg führen Kritiker der von den beiden Städten Ulm und Neu-Ulm gemeinsam beschlossenen und finanzierten Multifunktionshalle am Muthenhölzle gerne an. Und in der Tat passt der Vergleich in mehrfacher Hinsicht. Bis zu 7200 Menschen finden in der Arena Ludwigsburg Platz, in Neu-Ulm sind es nach Fertigstellung bis zu 9000. Und auch wenn Ulm/Neu-Ulm lange nicht so abhängig von der Großstadt Stuttgart ist wie Ludwigsburg, steht die Doppelstadt kulturell doch im Schatten der nahen Schwabenmetropole.

Ein schmaler Grat

Droht also der Ratiopharm Arena ein ähnliches Schicksal wie der Ludwigsburger Halle? In jedem Fall ist es ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Niedergang. Ulrich Kierdaisch, Kämmerer der 87 000-Einwohner-Kommune vor den Toren der Landeshauptstadt, will die beiden Hallen nicht miteinander vergleichen. „Wir haben hier ganz andere Wettbewerbsbedingungen als in Ulm.“

Sowohl in Stuttgart als auch im gesamten Ballungsraum gebe es zahlreiche andere Veranstaltungsstätten, gegen die sich Ludwigsburg schwer tue. Bei der Planung habe man die Situation aus heutiger Sicht zu optimistisch eingeschätzt. Das Ulmer Umland biete zwar weniger Menschen, dafür gebe es weniger Konkurrenz. „Ein Selbstläufer wird es auch in Ulm sicherlich nicht“, sagt Kierdaisch. Bereits jetzt werden Gespräche mit Veranstaltern geführt. Bis zur Eröffnung der Ratiopharm-Arena ist noch Zeit. Erst Ende 2011 sollen die Basketballer ihre ersten Heimspiele dort austragen, dann sollen auch die ersten Konzerte und Events die Halle füllen.

Doch im Hintergrund wird bereits jetzt gearbeitet. Ralf Peter von der Max-Bögl-Bauunternehmung, die in den ersten Jahren auch für den Betrieb der Arena verantwortlich zeichnet, ist für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit in Neu-Ulm verantwortlich – und hat bereits Gespräche mit mehreren, auch überregionalen Veranstaltern geführt. „Es sieht gut aus“, sagt Peter.

Den Vergleich mit Ludwigsburg weist er zurück. „Die sind zu nah an Stuttgart.“ Die Landeshauptstadt könnten die Veranstalter bei den Tourneen schon aus Imagegründen nicht außen vor lassen, darunter leide Ludwigsburg. Neu-Ulm sei weit genug sowohl von Stuttgart und auch München entfernt, dass man Künstler hierher bringen könnte. Überhaupt müsse man die Konkurrenz ganz woanders suchen.

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