Weiter Diskussion um Fernbusbahnhof

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Der Fernbus Bahnhof bleibt ein schwieriges Thema in Ulm. (Foto: Alexander Kaya)
Sebastian Mayr

Für die nächsten fünf Jahre wird der Fernbusbahnhof nicht in die Ulmer Innenstadt umziehen. Baubürgermeister Tim von Winning ist sich da ganz sicher. Denn ein logischer Standort müsste in der Nähe des Hauptbahnhofs liegen. Und da wird bis auf Weiteres gebaut. Und lohnt sich ein Umzug aus Sicht der Busbetreiber überhaupt? Sie würden die Nähe zum Zug gegen die Nähe zur Autobahn eintauschen.

Aus Sicht der Stadt ist klar: Der Fernbusbahnhof kostet viel Geld, egal ob am jetzigen Platz in Böfingen oder im Ulmer Zentrum. Weil er auch Mühe macht, will die Stadt zumindest die Arbeit abgeben. An einen Betreiber, der sich um WC-Anlagen, Kiosk und die Sauberkeit kümmert – und im Gegenzug Gebühren von den Busunternehmen verlangt.

Die Firma Deutsche Touring, Betreiber der Fernbuslinie Eurolines, hat schon Interesse angemeldet. Doch mit dem Frankfurter Unternehmen hat die Stadt zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht: Die Deutsche Touring betreibt einen Ticketschalter in Böfingen und hat sich schon vor einem Jahr vertraglich verpflichtet, einen WC-Container aufzustellen.

Dixiklos sorgen für Ärger

Einige Reisende am Fernbusbahnhof in Ulm-Böfingen beschweren sich über die Toilettensituation. Die beiden Dixitoiletten seien unhygienisch und stark verdreckt. Laut einer Sprecherin der Stadt werden die Dixitoiletten mittlerweile zwei Mal pro Woche gereinigt. Dass das aber noch nicht ausreicht, das wisse man bei der Stadt. Mehr sei allerdings im Moment nicht zu leisten.

Nachgekommen ist sie dem erst in der vergangenen Woche. Zwischenzeitlich ging die Firma insolvent, nun hat sie einen neuen Geschäftsführer, wie Tim von Winning in der Sitzung des Bauausschusses berichtete.

Rund 350 000 Euro hat sich die Stadt des zuvor schmuddeligen Böfinger Fernbusbahnhofs kosten lassen. Noch sind die Arbeiten nicht vollständig abgeschlossen. Fahrgastunterstände, Fahrradständer und Sitzbänke werden im November montiert.

Es ist eine freiwillige Einrichtung der Stadt – die sich Räte gerne bezahlen lassen würden. „Hauptsache wir kriegen was zurück“, sagte Lena Schwelling (Grüne). Gerhard Bühler (FWG) schlug in die gleiche Kerbe. Eine Hoffnung, die der Baubürgermeister für unerfüllbar hält: „Es gibt keinen einzigen Fernbusbahnhof in Deutschland, der wirtschaftlich betrieben wird“, sagte Tim von Winning. Auch deshalb sei die Deutsche Touring in die Pleite gerutscht.

Betreiber verdienen kein Geld

Ein Betreiber könne zwar mit dem Verkauf von Essen und Getränken und mit der WC-Anlage Geld verdienen. Nicht aber mit dem Betrieb der Bussteige an sich. Man werde den Betreiber wohl bezuschussen müssen. Denn die Gebühren für die Busunternehmen müssen niedrig bleiben. Es gibt keine Pflicht, einen Fernbusbahnhof anzusteuern. „Der Unternehmer kann auch einen Halt im Donautal beantragen. Und es wird schwer, ihn abzuweisen“, erklärte von Winning.

Und schon bei kostenpflichtigen WCs gibt es neue Sorgen: Mancher werde einfach in die Büsche gehen, weil er keinen Euro ausgeben wolle, prognostizierte von Winning. Und was passiert nachts? Bleibt die Anlage geöffnet und wird womöglich zum Schlafplatz für Obdachlose – oder wird sie geschlossen? Busse fahren Ulm rund um die Uhr an.

Fernbus als Reise-Alternative etabliert

Die Deutschen verreisen immer häufiger mit dem Fernbus. Das gilt auch für die Bewohner und Besucher der Stadt Ulm.

Für die nächsten Jahre soll der Böfinger Busbahnhof so ordentlich, sicher und sauber wie möglich sein. Das sei man den Bürgern schuldig, waren sich die Räte einig – Pflicht hin oder her. Am besten mit einem Betreiber, der Anfang 2019 ausgewählt werden und eine Konzession für drei bis fünf Jahre erhalten soll.

Und dann? Die Diskussion über den besten Standort werde mit Sicherheit weitergehen, sagte Tim von Winning. Der Grüne Michael Joukov brachte eine neue Idee ins Spiel, die die Verwaltung nun prüfen will: Nachts, wenn wenig Verkehr ist, könnten die Linien einen Stopp am Hauptbahnhof anfahren – wo sich auch die Fahrgäste wohler fühlen dürften als im Industriegebiet am Stadtrand. Für Fahrten tagsüber, wenn die Verkehrsdichte höher ist, könne man den Busbahnhof beibehalten.

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