Wasserverbrauch steigt rapide an

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Rasenflächen sollten nur noch abends oder in den frühen Morgenstunden gewässert werden: Darum bitten die Wasserwerke Weißenhorn
Rasenflächen sollten nur noch abends oder in den frühen Morgenstunden gewässert werden: Darum bitten die Wasserwerke Weißenhorn. Andernorts ist die Lage noch entspannt. (Foto: Alexander Kaya)
Michael Ruddigkeit

Eine Region hat Durst: Der Trinkwasserverbrauch in den Haushalten ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen. Das melden sowohl die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) als auch Versorger im Landkreis Neu-Ulm. Zwar sind die Grundwasserreserven an Donau und Iller immens. Dennoch macht sich die anhaltende Hitzewelle bemerkbar – in den Hochbehältern geht das kühle Nass schneller zur Neige. Erste Kommunen sehen Handlungsbedarf: Die Stadt Weißenhorn hat am Mittwoch die Bürger zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser aufgefordert.

Waldbrandgefahr: Luftbeobachter starten vom Flugplatz Illertissen
30 Grad und mehr – Die Hitzewelle in Europa hat teilweise zu schweren Waldbränden geführt. Auch bei uns in der Region besteht wegen der Hitze aktuell akute Waldbrandgefahr. Deshalb hat die Regierung von Schwaben sogenannte Beobachtungsflüge über die gefährdeten Gebiete angeordnet. Und einer dieser Flüge, ist gestern vom Flugplatz in Illertissen gestartet. Wir waren mit der Kamera an Bord.

Die SWU verzeichnen derzeit einen enormen Wasserverbrauch. Im Neu-Ulmer Schutzgebiet „Illeraue“ werden durchschnittlich 9700 Kubikmeter Grundwasser pro Tag gefördert. Momentan sind es 13 000. Ähnlich sieht es auf Ulmer Seite aus: Im Fördergebiet „Rote Wand“ beträgt der Tagesschnitt 22 200 Kubikmeter, momentan werden 30 000 Kubikmeter hochgepumpt. SWU-Pressesprecher Bernd Jünke lässt die Hitzewelle dennoch weitgehend kalt: „Die Trinkwasserversorgung in Ulm und Neu-Ulm ruht auf einem mächtigen Bett“, sagte er. Durch die zwei großen Wasserschutzgebiete würde die Doppelstadt selbst bei extremen Hitzeperioden nicht auf dem Trockenen sitzen. Jünke erinnert an das Jahr 2003: „Da war es drei Monate lang so heiß wie jetzt, und auch damals war das Wasser nie knapp.“ Zur Absicherung gebe es noch den Anschluss an die Landeswasserversorgung in Langenau über das Pumpwerk Buchbrunnen in Jungingen. Darauf greifen die Stadtwerke in Notfällen zurück, etwa bei Hochwasser. Auch nach Senden gibt es eine Verbindung zur gegenseitigen Unterstützung.

Weißenhorn appelliert, Wasser zu sparen

Anders in Weißenhorn: Der dortige Hochbehälter fasst etwa 3000 Kubikmeter Wasser, das sind drei Millionen Liter. An normalen Tagen würden 1600 bis 1800 Kubikmeter benötigt, derzeit seien es 2600 bis 2700, erläuterte Karl Walter Simmendinger, der Leiter des Wasserwerks. Deshalb appelliert die Stadt an die Bürger, mit der Bewässerung des Gartens oder von Sportplätzen zurückhaltend zu sein. „Wir möchten, dass gespart wird, damit wir auf der sicheren Seite sind“, sagte Simmendinger. Dass das Wasser ausgeht, brauchen die Bürger aber nicht befürchten. Für alle Fälle gibt es einen Notverbund mit Pfaffenhofen, der allerdings noch nie in Anspruch genommen werden musste. Weißenhorn hat vier Trinkwasserbrunnen, die Ortsteile Biberachzell und Oberreichenbach haben ein eigenes Wasserwerk.

„Schon die letzten Tage hat sich gezeigt, dass die benötigte Wassermenge stark angestiegen ist“, heißt es in einer Mitteilung des städtischen Wasserwerks. „Wir bitten daher, die Rasenflächen nur noch abends oder in den frühen Morgenstunden zu bewässern.“

Vom Wasserreichtum des Illertals profitiert die Stadt Illertissen, die über zwei Brunnen im Illergries Trinkwasser gewinnt. „Der Verbrauch geht natürlich hoch“, sagte Bernd Hillemeyer, Leiter des Tiefbauamts und Betriebsleiter des städtischen Wasserwerks. „Wir fördern momentan etwa 3000 Kubikmeter am Tag“, erläuterte er. Mehr als 4000 seien jedoch möglich. Wasserknappheit sieht er deshalb nicht auf die Stadt zukommen: „Wir sind da ganz locker. Von der Förderung her ist das überhaupt kein Problem.“

Entwarnung gibt auch Martin Küfer, der Leiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes am Landratsamt Neu-Ulm. Die Wasserqualität in den Badeseen im Landkreis werde durch die Hitze nicht getrübt. „Die sind alle grundwassergespeist, was sehr gut ist“, sagte Küfer. Die neun EU-Badegewässer, zu denen beispielsweise der Ludwigsfelder Baggersee, der Sendener Waldsee und der Auer Badesee gehören, wiesen seit Jahren eine ausgezeichnete Qualität auf. Auch mit Blaualgen gebe es dort keine Probleme.

Der Belag, den einige Bürger kürzlich nach einem Bad im Vöhringer See auf ihrer Haut bemerkt haben, ist aus Sicht des Gesundheitsamts harmlos. Martin Küfer glaubt, dass es sich dabei um Kieselalgen handelt, die keine Gefahr für die Gesundheit bedeuteten. Proben des Belags untersucht derzeit das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth im Labor. Weitere Maßnahmen sind nach Angaben der Behörde jedoch nicht notwendig. Küfers Fazit zu den neun Landkreis-Seen: „Bei uns kann man wirklich sagen: ungetrübter Badespaß.“

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