Was passiert mit dem Barfüßer? Gastronom setzt Stadt ein Ultimatum

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Der Barfüßer von außen. MIt Biergarten.
Gastronom Eberhard Riedmüller will das Areal in Neu-Ulm neu bebauen. (Foto: Stefan Kümmritz)
Stefan Kümmritz

Was die Zukunft des Neu-Ulmer Barfüßers betrifft, ist es fünf vor zwölf – für den betreibenden Gastronomen Ebbo Riedmüller auf jeden Fall.

Das Gebäude an der Ecke Augsburger-/Paulstraße, früher von der hier stationierten US-Garnison als Offizierskasino genutzt und seit vielen Jahren ein beliebtes Restaurant mit Kleinbrauerei und Biergarten an der Donau sowie kleinerem Hotelbetrieb, ist so marode, dass es entweder einer höchst aufwendigen Sanierung oder des Abrisses bedarf.

Riedmüller würde als Pächter über 2019 hinaus bleiben, wenn die Stadt ihm genehmigt, das alte Barfüßer-Gebäude durch einen Neubau mit Hotel, Gaststättenbetrieb und Biergarten zu ersetzen. Auf die Genehmigung wartet er seit zwei Jahren. Erste 2017 vorgelegte Pläne von ihm sind damals mit dem Hinweis auf Verbesserung zurückgegeben worden. Neue liegen vor.

Wenn ich die Genehmigung jetzt nicht erhalte, ist Ende des Jahres für mich Schluss. Dann kann die Stadt mit dem Barfüßer machen, was sie will. Das ist mir dann egal.

Ebbo Riedmüller, Gastronom

Nun sagte Riedmüller bei einem Informationsgespräch mit Bürgern, das er selbst angestoßen und das die Freien Wähler am Dienstagabend im Barfüßer-Saal ausgerichtet hat, unmissverständlich: „Wenn ich die Genehmigung jetzt nicht erhalte, ist Ende des Jahres für mich Schluss. Dann kann die Stadt mit dem Barfüßer machen, was sie will. Das ist mir dann egal.“

Barfüßer in Neu-Ulm soll umgebaut werden
Sommer ist in Bayern ganz klar Biergartenzeit.

Von allen anderen Stadtratsfraktionen wurde kein Vertreter gesichtet, obwohl das Thema so brisant ist und Ebbo Riedmüller alle Pläne für einen Neubau ziemlich konkret vorlegte. Auch die eingeladenen Markus Krämer (Stadtbaudirektor) und Berthold Stier (Stadtkämmerer) waren nicht zur Stelle, um Fragen aus ihrer Sicht zu beantworten. Dabei war das Interesse der Bürger sehr groß, wie der fast voll besetzte Saal des Restaurants und die vielen, teilweise sehr lebhaften Diskussionsbeiträge zeigten.

Riedmüller hat gute Gründe, die Entscheidung jetzt einzufordern. Ein wesentlicher davon ist, dass er im Fall des Falles seinem Personal im Neu-Ulmer Barfüßer fristgerecht kündigen müsste, wenn er aussteigt. „Spätestens im August brauche ich die Entscheidung“, merkte er an und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er es absolut ernst meint.

Wie auch Diskussionsleiterin Christina Richtmann (FWG) und der einen möglichen Neubau planende Architekt Olaf Neusch den Gästen mitteilten, liegt der von Gutachtern erstellte Kostenvoranschlag für die Sanierung des Barfüßers bei vier bis fünf Millionen Euro.

Die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sind katastrophal

Ebbo Riedmüller, Gastronom

Riedmüller: „Erfahrungsgemäß kostet es dann am Ende acht Millionen. Die kommen dann von den Steuerzahlern.“ Und wenn das Haus saniert sei, sei es trotzdem nicht gut zu bewirtschaften. „Kellerdecken können zum Beispiel nicht einfach höher gesetzt werden. Die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sind katastrophal.“ Wovon sich die Besucher der Veranstaltung bei einem Rundgang durchs Haus überzeugen konnten.

 So soll der neue Barfüßer in Neu-Ulm aussehen.
So soll der neue Barfüßer in Neu-Ulm aussehen. (Foto: Neusch Architekten)

Riedmüller und Neusch erklärten gründlich, wie sich ein Neubau präsentieren würde. Das Hotel soll an der Augsburger Straße, Ecke Paulstraße, entstehen, fünf Stockwerke mit insgesamt 100 Gästezimmern sowie Frühstücksraum, Gastronomie- und Konferenzräume sowie Terrassen enthalten. Der Biergarten bliebe etwas verkleinert erhalten, allerdings müsste ein Großteil des momentanen Baumbestands weg. „Die meisten Bäume sind krank und müssten in den nächsten Jahren gefällt werden“, sagte der Wirt, „dafür würden neue gepflanzt und Richtung Bad Wolf käme eine Grünanlage.“

Auch ein Ausbau des Bad-Wolf-Grundstücks, das im Besitz von Riedmüller ist, sei geplant, habe aber mit dem Barfüßer-Areal, das der Stadt gehört, nichts zu tun. Der Barfüßer-Parkplatz würde entfernt werden, stattdessen soll unter dem Hotel eine Tiefgarage mit 180 Plätzen gebaut werden, das Restaurantbesucher auch benutzen dürften.

Touristik-Spezialisten sehen Sättigungstendenzen 

Eine Frage nach der Hotelgesamtkapazität in Neu-Ulm beantwortete Riedmüller so: „Aus unserem RKU-Hotel in der Innenstadt würden wir Wohnungen machen, so wird die Kapazität kaum größer.“ Die Spezialisten von der Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH (UNT) sehen allerdings in der Branche erste Sättigungstendenzen in der Doppelstadt – denn die Bettenbelegungsquote sinkt.

So könnte das Barfüßer-Projekt in Neu-Ulm aus der Vogelperspektive aussehen. (Foto: Visualisierung: Neusch Architekten)

Eine Antwort hatte Riedmüller auch auf den Vorwurf, er sei nur auf Gewinnmaximierung aus: „Dann hätte ich das Bad Wolf nicht zehn Jahre leer stehen lassen, sondern hätte dort Flüchtlinge reingesetzt und guten Gewinn gemacht. Wenn ich neu bauen darf, gehe ich die Verantwortung ein. Ich will hier etwas Schönes, Nachhaltiges bauen und es gibt noch einige Gestaltungsmöglichkeiten.“

Christina Richtmann erklärte der Öffentlichkeit, es habe im Stadtrat noch keinen Beschluss gegeben, der Trend gehe aber zum Neubau. Verständnis dafür zeichnete sich nach dem Rundgang durchs Gebäude bei den anwesenden Bürgern ab, die zuerst gegen den Abriss waren – auch wenn vielen von ihnen das derzeitige Gebäude schon am Herzen liegt.

 Gastronom Eberhard Riedmüller will das Areal in Neu-Ulm neu bebauen.
Gastronom Eberhard Riedmüller will das Areal in Neu-Ulm neu bebauen. (Foto: Stefan Kümmritz)
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