Wahlkampf in Bayern: Von jedem Mast lächelt ein Politiker

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Vorboten des Wahlkampf-Endspurts: In Weißenhorn hängen schon ein paar Plakate.
Vorboten des Wahlkampf-Endspurts: In Weißenhorn hängen schon ein paar Plakate. (Foto: Alexander Kaya)
Marcus Golling

An Politprominenz mangelt es derzeit nicht: Thüringens Ministerpräsident war für die Linke da, Landtagsfraktionsvorsitzende Katharina Schulze für die Grünen, SPD-Landeschefin Natascha Kohnen kommt nächste Woche. Der bayerische Landtagswahlkampf ist in vollem Gange – doch an den Straßen im Kreis sieht man davon wenig. Anders als etwa in Augsburg, wo von fast jedem Baum ein Kandidat lächelt, sind noch kaum Wahlplakate aufgehängt, nur ein bisschen Werbung für Wahlkampfveranstaltungen. Hinkt der Wahlkampf in der Region hinterher?

Tatsächlich, so Guido Berning von der Geschäftsstelle der Kreis-SPD, ist es umgekehrt: Nach seinen Informationen sind Augsburg und Passau die einzigen (kreisfreien) Städte im Freistaat, in denen schon früher plakatiert werden durfte. Die anderen Kommunen – und die sind für die Genehmigung der Wahlplakatierung zuständig – hielten sich an die seit Jahren übliche Sechs-Wochen-Frist. Was bedeutet, dass erst in dieser Woche die Plakattruppen der Parteien ausschwärmen fürfen. Und dann jeder Bürger ins Gesicht der Leute schauen darf, die mithilfe seiner Stimmen in Landtag (und auch Bezirkstag) einziehen wollen.

Es sind einige: SPD und CSU rechnen mit jeweils rund 1000 Plakaten für den Stimmkreis Neu-Ulm, der den gesamten Altlandkreis Neu-Ulm sowie die Vöhringen, Bellenberg und Illertissen umfasst. Bei der CSU werden sämtliche Werbemittel an einer Sammelstelle angeliefert und von dort an die Ortsverbände verteilt, die dann selbstständig die Plakatierung übernehmen, wie Thomas Leicht, Kreisgeschäftsführer der Partei erklärt. Am morgigen Donnerstag soll die Übergabe erfolgen. Wäre früher nicht besser? Leicht findet nein. „Jetzt beginnt die heiße Phase. Die Sommerferien gehen zu Ende, die Leute kommen aus dem Urlaub zurück.“ Er weiß von Ortsverbänden, die in der Urlaubszeit personell nicht allzu gut aufgestellt sind.

„Sechs Wochen sind zu lang“

Sechs Wochen Plakatwahlkampf: ein Modell, das über die Parteigrenzen hinweg etabliert ist. Wolfgang Schrapp, Kreisvorsitzender der Freien Wähler (FW), hält diese Frist jedoch für zu lang. „Da gehen einem doch die Themen aus und man nervt die Leute.“ Vier Wochen, so der Bellenberger, würden vollauf reichen. Er selbst habe in der Vergangenheit beim Plakatieren schon ein schlechtes Gewissen bekommen, als ihn Nachbarn auf den ihrer Meinung nach unnötigen Plakatwald ansprachen.

Wie sehr dieser wuchern darf und vor allem wo, darüber bestimmen die Kommunen selbst. In Neu-Ulm etwa gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung keine Vorschriften zur Anzahl der Plakate und keine festgelegten Standorte. Es existiert lediglich eine Negativliste mit Plätzen, an denen keine aufgestellt werden dürfen. In anderen Gemeinden gibt es aber andere Regeln: In Illertissen etwa ist die Politwerbung auf festgelegte Plakatwände beschränkt. Was zwar ein wirksames Mittel gegen den Plakatüberdruss der Bürger ist, aber andere Nachteile mit sich bringt: Denn die einzelnen Parteien haben unterschiedliche Kontingente. Was Freie-Wähler-Kreischef Schrapp ärgert: So dürften dort CSU und SPD vier Plakate pro Tafel anbringen, FW und andere kleinere Gruppierungen aber nur zwei. „Wir haben auch vier Kandidaten für Landtag und Bezirkstag, genau wie die.“ Das sei ungerecht.

Für Listenkandidaten werben

Aber wie bedeutend ist der Plakatwahlkampf in Zeiten von sozialen Medien, Internet und TV-Talkshow-Dauerbeschuss? CSU-Mann Leicht findet sie wichtig, „gerade um die Listenkandidaten bekannt zu machen“. Um die Bekanntheit ihrer Direktkandidatin Beate Merk müssen sich die Christsozialen wohl weniger Sorgen machen. Wolfgang Schrapp glaubt, dass die, die sich wirklich mit Politik beschäftigen, von Plakaten nicht mehr beeinflusst werden. Aber für die Freien-Wähler-Kandidaten als Underdogs sei es, genau wie für die anderen kleineren CSU-Herausforderer wichtig, wahrgenommen zu werden.

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