Vor dem Bahnhof bleibt es einspurig

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 Die Friedrich-Ebert-Straße am Ulmer Hauptbahnhof ist seit Februar nur Richtung Norden befahrbar. So dürfte es bis zum Sommer 20
Die Friedrich-Ebert-Straße am Ulmer Hauptbahnhof ist seit Februar nur Richtung Norden befahrbar. So dürfte es bis zum Sommer 2022 weitergehen – eine endgültige Entscheidung soll der Ulmer Bauausschuss im Dezember fällen. (Foto: Alexander Kaya)
Sebastian Mayr

Die Friedrich-Ebert-Straße am Ulmer Hauptbahnhof wird bis zum Sommer 2022 nur in eine Richtung befahrbar bleiben. Das scheint schon festzustehen, noch bevor die Ulmer Stadträte überhaupt darüber abgestimmt haben.

In der Sitzung des Ulmer Bauausschusses am Dienstagabend signalisierten die Fraktionen von FWG, SPD und Grünen, dass sie diese Variante bevorzugen. Dabei hatte die Stadtverwaltung den Politikern bloß den aktuellen Stand der Bauarbeiten dort vorstellen wollen – und zwei Vorschläge, wie Stadt und Bauunternehmen mit den Problemen umgehen sollen, die entstanden sind. Thomas Kienle, Fraktionschef von CDU/UfA, kritisierte, dass scheinbar niemand ein Interesse habe, etwas am aktuellen Zustand zu ändern. Die Christdemokraten legten eine Liste mit 13 Detailfragen zu den Problemen und zu weiteren Risiken vor.

Am Hauptbahnhof entstehen eine Tiefgarage und eine unterirdische Passage, zudem wird der Bahnhofplatz selbst neu gestaltet. Nebenan errichtet der Hamburger Investor DC ein Einkaufsquartier (Sedelhöfe) und ein Bürogebäude samt Hotel. Durch die komplexe Situation haben sich schon früher Probleme ergeben.

Um verlorene Zeit wieder aufzuholen, sollte die Friedrich-Ebert-Straße von Februar bis November 2019 nur noch einspurig befahrbar sein. Doch weitere Probleme im Bauablauf, unter anderem wegen einer Trasse von Telekomleitungen, haben einen Teil der erhofften Zeitersparnis wieder zunichte gemacht. Die Industrie- und Handelskammer Ulm und die Ulmer Händler sehen in einer Verlängerung der Sperrung eine große Gefahr für die Geschäfte in der Innenstadt (wir berichteten).

„Saumäßig darüber geärgert“

Das wiederum kam bei den Stadträten schlecht an. „Ich habe mich saumäßig darüber geärgert“, bekannte SPD-Mann Martin Rivoir und Lena Schwelling (Grüne) sah eine „unsinnige Panikmache“, die mehr Schaden anrichte als die halbseitige Sperrung selbst. Die beiden kündigten genauso wie Gerhard Bühler (FWG) an, ihre Fraktionen würden eine längere halbseitige Sperrung der zentralen Verkehrsachse vor dem Hauptbahnhof mittragen.

Im gleichen Zug wollen die drei Fraktionen dafür stimmen, dass die Werbekampagne „Ulm ist erreichbar“ verlängert wird – und dass das Bus- und Straßenbahnfahren an Samstagen weiterhin kostenlos bleibt. Mit diesem Schritt hatten die Stadtpolitiker Anfang des Jahres einen Ausgleich für die Einschränkungen im Straßenverkehr schaffen wollen. FWG-Rat Bühler regte an, die Gratis-Samstage gleich bis Ende der Baumaßnahmen einzuführen.

Die sollen im Juli 2022 abgeschlossen sein – wenn nun alles nach Plan läuft. Und wenn die Räte im Dezember tatsächlich dafür stimmen, dass die Friedrich-Ebert-Straße durchgehend bis zu diesem Zeitpunkt in eine Fahrtrichtung gesperrt ist. Die andere Möglichkeit: Einspurigkeit und Zweispurigkeit wechseln sich ab. Doch das wäre wohl umständlicher, langwieriger und teurer. Die Stadtverwaltung geht von einem Jahr Verzögerung und 1,5 bis 2,5 Millionen Euro Mehrinvestitionen aus. Zudem wäre die Verkehrsführung komplizierter und würde die Staus nicht verringern, sondern könnte zusätzliche Probleme hervorrufen.

CDU-Stadtrat Winfried Walter schlug vor, die Entscheidung auf den Januar zu vertagen. Dann könne man das Weihnachtsgeschäft abwarten und beobachten, ob durch die Einspurigkeit größere Probleme entstehen. „Ulm hat einen guten Ruf als Einkaufsstadt“, sagte er und warnte: „Da steht viel auf dem Spiel.“ Er regte auch an, zusätzliche kostenlose Shuttle-Busse von Park-&-Ride-Plätzen anzubieten. Sein Fraktionskollege, UfA-Mann Günter Zloch, schlug vor, auch den am Wochenende ungenutzten SWU-Parkplatz samstags freizugeben.

Die Freien Wähler dagegen setzen auf einen kleineren Ansatz: Die Verwaltung solle prüfen, ob sich einzelne Baumaßnahmen schneller umsetzen lassen. Die Entscheidung, wie die Arbeiten am Ulmer Hauptbahnhof weiterlaufen, fällt der Bauausschuss im Dezember. Bis dahin will die Stadtverwaltung prüfen, ob beispielsweise eine Einspurigkeit in die andere Richtung Verbesserungen bringen könnte.

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