Vierter Täter von Eselsberg-Mord ist identifiziert

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Bei einem Überfall am Ulmer Eselberg wurde ein Bewohner niedergeschlagen. Er verstarb später im Krankenhaus.
Bei einem Überfall am Ulmer Eselberg wurde ein Bewohner niedergeschlagen. Er verstarb später im Krankenhaus. (Foto: Alexander Kaya)
Schwäbische Zeitung
Sebastian Mayr

Ein Raser, der Beamte bei einer Kontrolle anpöbelt. Ein Internet-Nutzer, der in sozialen Netzwerken über die Ermittler flucht. Die Polizei bekommt gelegentlich einiges zu hören. Nach dem Aufsehen erregenden Raubmord am Ulmer Eselsberg war das anders. Reihenweise ging Lob ein.

„Wir haben wahnsinnig viele positive Rückmeldungen gekriegt. Das tut richtig gut“, sagte Polizeipräsident Christian Nill am Dienstagabend beim FDP-Forum im Hotel Ulmer Stuben. Dabei behielten die Ermittler den jüngsten Erfolg im Fall bislang für sich: „Beim vierten Täter wissen wir, wo er ist: in Georgien. Er ist identifiziert und wird irgendwann vielleicht die Grenze überqueren“, sagte Nill. Dann könne der Mann festgenommen werden.

Niedergeschlagen und gefesselt

Bei dem Einbruch in einer Wohnanlage im Veltlinerweg auf dem Ulmer Eselsberg war im Januar ein 59-jähriger Mann niedergeschlagen und gefesselt worden. Er hatte mit seiner 91 Jahre alten Mutter in der Wohnung gelebt. Der 59-Jährige starb noch am gleichen Tag in einem Krankenhaus an den schweren Kopfverletzungen. Drei mutmaßliche Täter sind bereits in Haft. Einen 39-jährigen Georgier nahm die Polizei schon kurz nach dem Raubmord in den frühen Morgenstunden des Dreikönigstags fest, wenig später auch seine 46 Jahre alte russischstämmige Ehefrau. Bereits damals hatten die Ermittler angekündigt, nach möglichen Hinterleuten der Tat zu suchen.

Israelische Polizei nimmt weiteren Verdächtigen fest

Mitte Februar fasste die israelische Polizei einen dritten Verdächtigen in der Küstenstadt Aschkelon in Israel. Der 32 Jahre alte israelische Staatsbürger war mit einem internationalen Haftbefehl gesucht worden. Nach seiner Festnahme beantragte die Ulmer Staatsanwaltschaft, dass der Mann nach Deutschland ausgeliefert wird.

Eselsberg-Mord: Vierter Täter identifiziert
Nach dem Tod eines Mannes in seiner Wohnung Anfang des Jahres wurde jetzt ein weiterer Tatverdächtiger ermittelt. Der vierte Täter stammt laut Polizei aus Georgien und soll sich dort momentan aufhalten

Die Aussichten, dass der vierte mutmaßliche Täter durch die Zusammenarbeit von Behörden aus Georgien nach Deutschland kommt, schätzte Nill beim FDP-Forum als gering ein. „So weit reicht unser Arm nicht, dass wir seiner habhaft werden“, sagte der Polizeipräsident. Der Sprecher der Ulmer Staatsanwaltschaft, die einen Auslieferungsantrag stellen müsste, war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Unklar ist daher auch, was genau dem vierten und wohl letzten Verdächtigen vorgeworfen wird.

Rolle der IT-Forensiker immer wichtiger

Details, wie die Polizei auf die Spuren des Mannes kam, verriet Nill nicht. Doch der Polizeipräsident hob die Rolle der IT-Forensiker bei Kriminalfällen hervor. Durch deren Arbeit würden Verbindungen der Täter sichtbar. Als Beispiel nannte der 61-Jährige den jüngsten Brandanschlag auf die Moschee in der Nähe des Ehinger Tors. Die Beamten haben inzwischen sieben Verdächtige festgenommen. „Fall geklärt“, sagte Nill. „Außer einer teilweise angekokelten Fassade war nichts da an Anhaltspunkten“, schilderte er die Ausgangslage der Ermittlungen.

Mann stirbt nach Einbruch am Eselsberg

Nach dem Einbruch am Ulmer Eselsberg sind die Nachbarn fassungslos. Ein Hausbewohner hat die Täter in seiner Wohnung bemerkt. Die sollen den 59-Jährigen daraufhin niedergeschlagen und gefesselt haben. Der Mann verstarb an den Folgen seiner Verletzungen. Jetzt hat die Polizei die Fahndung nach den unbekannten Einbrechern ausgeweitet.

Die IT-Forensiker sind nicht nur bei Kapitalverbrechen im Einsatz. „Der kleinste Ladendieb hat ein Handy dabei. Über die Auswertung komme ich zu weiteren Verbindungen“, beschrieb Nill die Arbeit. Vor Kurzem hat die Polizei einem Serieneinbrecher das Handwerk gelegt (wir berichteten). Ihm können inzwischen rund 200 Taten nachgewiesen werden. Dazu haben die Cyber-Ermittler beigetragen. Bei Einbrüchen liegt die Aufklärungsquote lediglich bei einem Viertel, im Gesamtdurchschnitt betrug diese Quote 2017 im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm mehr als 60 Prozent.

Doch bei Einbrüchen helfen Nill zufolge auch einzelne Erfolge: Wenn es gelinge, eine Bande auszuheben, herrsche in der betroffenen Region erst einmal Ruhe. Zudem sprächen sich die Festnahmen in der Szene herum und würden weitere potenzielle Täter abschrecken.

Überfall in Ulm: 59-Jähriger stirbt nach Angriff von Einbrechern
Nach dem Einbruch am Ulmer Eselsberg sind die Nachbarn fassungslos. Ein Hausbewohner hat die Täter in seiner Wohnung bemerkt. Die sollen den 59-Jährigen daraufhin niedergeschlagen und gefesselt haben. Der Mann verstarb an den Folgen seiner Verletzungen. Jetzt hat die Polizei die Fahndung nach den unbekannten Einbrechern ausgeweitet.
Festnahmen bzgl. Einbruch am Eselsberg
Ein 59-Jähriger Mann wird von Einbrechern niedergeschlagen und dabei tödlich verletzt – jetzt vermeldet die Polizei eine Festnahme.
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