Viel Konsens, kein Konflikt: OB-Kandidaten-Quartett diskutiert Umwelt-Themen

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Wahlkampf am Dienstagabend im Ulmer Stadthaus: Gunter Czisch (CDU), Anja Hirschel (Piratenpartei), Moderatorin Bettina Hunecke,
Wahlkampf am Dienstagabend im Ulmer Stadthaus: Gunter Czisch (CDU), Anja Hirschel (Piratenpartei), Moderatorin Bettina Hunecke,
Ludger Möllers

Inhaltlich sind die vier Kandidaten für das Amt des Ulmer Oberbürgermeisters weiter sehr nah beieinander: Bei einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend im Ulmer Stadthaus versicherten Gunter Czisch (CDU), Anja Hirschel (Piratenpartei), Martin Rivoir (SPD) und Birgit Schäfer-Oelmayer (Grüne) den etwa 200 Zuhörern, stets nachhaltig, bürgernah und im Dialog handeln zu wollen. Strittige Themen oder gar Konflikte wie auch unterschiedliche Standpunkte bleiben weiter Mangelware.

Wenn der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club und die Lokale Agenda 21 das Ulmer Kandidaten-Quartett einladen, dann sind ernsthafte Diskussionen zu erwarten. Und wenn Bettina Hunecke moderiert, dann ist eine straffe und für alle Beteiligten stressfreie, faire Moderation mit klaren Spielregeln zu erwarten. Denn einer der ersten Beiträge bei Google unter dem Suchbegriff „Hunecke“ zeigt auf, dass die Moderatorin als Trainerin Stressbewältigung lehrt.

Ihre Themenblöcke geht Hunecke mit den Kandidaten konsequent an: Es geht um das Klimaschutzkonzept, Verkehrsfragen, Stadtentwicklung und die Lokale Agenda. Alle Kandidaten haben gleich viel Zeit, um zu antworten. Das wird kontrolliert. Und im Anschluss an die Themen stellt das Publikum Fragen.

Inhaltlich gibt es fast keine Differenzen. Wo sollen diese auch liegen, wenn es um das Klimaschutzkonzept und die Bürgerbeteiligung geht? Die Zeiten, in denen hinter verschlossenen Ratstüren verhandelt und entschieden wurde, sind vorbei.

Entsprechend vorhersehbar sind die Antworten. Hirschel sagt: „Der Bürger muss besser beteiligt werden, nur dann ist es kein aufgepfropftes Thema von oben.“ Schäfer-Oelmayer rät zu einem Blick nach außen: „Man sollte die Konzepte umsetzen wie in Ludwigsburg. Dort gibt es alle drei Jahre einen Zukunftskongress. Und in Ulm sollte man die Strukturen in der Verwaltung anschauen und, wo nötig, verbessern.“ Auch Martin Rivoir weiß: „Wir müssen im Dialog die Dinge vorantreiben. Ob Fahrrad, Straßenbahn oder S-Bahn. Alle Kandidaten wollen dasselbe.“

Einzig Gunter Czisch schert aus und hebt sich ein wenig ab: „Wir müssen bei der Kommunikation ansetzen und uns fragen: Wie kann man besser mit digitalen Instrumenten kommunizieren. Wir müssen rausfinden: Wo sind konkrete Maßnahmen anzusetzen? Wir müssen aufklären, möglichst viele Beteiligte mit ins Boot nehmen.“

Der wahre Erkenntnisgewinn dieses Abend ergibt sich auch in den nächsten Fragerunden weniger aus den Antworten. Wer aber genau hinhört und zuschaut, macht Unterschiede aus. Gut vorbereitet sind alle Kandidaten. Vorzeigbar, souverän, locker. Heute sagt man: smart. Ulm hat Glück, dass vier Persönlichkeiten unterwegs sind und viel (auch ihr privates) Geld sowie Zeit investieren, um spätestens am 13. Dezember zu siegen.

Langsam aber sicher setzt sich Gunter Czisch von seinen Mitbewerbern ab. Wo die stets ins Detail einsteigende und kundige Piraten-Frau Anja Hirschel beispielsweise für Verkehrsfragen gleich fertige Konzepte wie eine Anbindung der Ratiopharm-Arena vorschlägt, bremst Czisch ab und will zunächst fragen: „Wie funktioniert Ulm im Jahr 2030 eigentlich? Wie wird das Mobilitätsverhalten sein?“ Bitte keine Antworten ohne Analyse!

Hirschel ist 32 Jahre jung und neu in der Politik, Czisch 52 Jahre alt mit jahrzehntelanger Rathaus-Erfahrung. Der Erste Bürgermeister macht an vielen Stellen deutlich, dass er als OB weniger operativ-taktisch, vielmehr präsidial-entscheidend wirken möchte. Er will sich sich nicht aufs „Klein-Klein“ einlassen, steht für die großen Linien, weniger die Details. Hirschel aber kommt frischer daher. Nicht nur wegen des Alters.

Allein die Persönlichkeit entscheidet

In den nächsten Wochen werden die Ulmer bei etlichen Veranstaltungen Gelegenheit haben, ihre Kandidaten zu erleben. Fest steht: Nie lagen die Positionen enger beieinander, nie waren persönliche Sympathie oder auch Ablehnung bei einer Wahl entscheidender.

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