Verein hilft Katzen, die auf Müllkippen der Region hausen

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 Viele Streunerkatzen leben auf Mülldeponien oder in Gewerbegebieten, wo sie um Fressen streiten und oft Revierkämpfe austragen.
Viele Streunerkatzen leben auf Mülldeponien oder in Gewerbegebieten, wo sie um Fressen streiten und oft Revierkämpfe austragen. (Foto: Barth)
Sebastian Mayr

Die Katzenhilfe ist unter katzenhilfe-ulm.de zu finden. Am Freitag, 29. November, findet das nächste Treffen im Ristorante Il Mio in Neu-Ulm statt, an den Samstagen, 30. November und 7. Dezember, stellt sich der Verein an einem Stand im Tierbedarfsladen Fressnapf in Neu-Ulm vor.

Manchmal ist Michaela Barth spätabends im Ulmer Industriegebiet Donautal unterwegs. Dann sieht sie Katzen, die sich auf den Mülldeponien um ein bisschen Fressen streiten. Katzen, die sich bei Sturm, Schnee und Regen unter die Container kauern. Katzen, die von Revierkämpfen und Inzucht gezeichnet sind.

Eindrücke wie diese haben manche ehrenamtlichen Katzenretter zum Aufgeben gebracht. „Weil sie es nicht mehr ertragen haben“, berichtet Michaela Barth. Die 42-Jährige ist seit dem Sommer Vorsitzende des Vereins Katzenhilfe Ulm/Neu-Ulm und Umgebung. Es gibt aber auch andere Eindrücke.

Eindrücke, die Barth und den anderen zeigen, dass sich ihr Einsatz lohnt. Da sind verwilderte Streuner, die nach einer Kastration ein viel einfacheres Leben führen können als zuvor, und junge Katzen, die bei Familien ein neues Zuhause finden.

Zum Beispiel Mr. Mücke. Im Juni wog der getigerte Kater, der ein Auge verloren hat, nicht einmal 500 Gramm. Inzwischen sind seine Operationsnarben verheilt und er lebt gesund und glücklich im neuen Zuhause.

Wir kümmern uns auch um die, die nicht vermittelbar sind.

Michaela Barth

Etwa 250 Mitglieder hat die Katzenhilfe, ein knappes Zehntel davon ist aktiv unterwegs: In Gewerbegebieten, auf Müllkippen und auf Bauernhöfen. Die Ehrenamtlichen füttern verwilderte und verwahrloste Katzen, fangen sie mit Lebendfallen und lassen sie beim Tierarzt kastrieren. „Wir kümmern uns auch um die, die nicht vermittelbar sind“, sagt Barth. Ein Tierheim unterhält der Verein nicht. Die Streuner sind ortstreu und würden dort nicht leben wollen.

Zwischen zwei und drei Millionen Streunerkatzen leben in Deutschland. Die hiesigen Katzenretter wollen einen Beitrag dazu leisten, dass es nicht noch mehr werden und dass die Streuner, die es gibt, ein gesundes und besseres Leben führen können. Füttern alleine genügt nicht, davon sind die Tierfreunde überzeugt. Die Zahl der Streuner würde immer weiter wachsen.

„Für die Tiere, die wir kastrieren, wird die Welt ganz anders“, sagt Birgit Widmann. Nach der Kastration fallen die Revierkämpfe weg und bei den Operationen behandeln die Tierärzte stets auch, was noch nötig ist – seien es die Zähne oder alte Wunden. Die Aktionen bewirken noch mehr: Die ortstreuen Tiere werden nach den Operationen an die angestammten Plätze zurückgebracht. Dadurch bleibt ihr Revier besetzt – und andere Streuner bleiben fern. Und weil die operierten Tiere gesünder sind, fangen sie mehr Schädlinge.

Ein unlösbares Problem?

Birgit Widmann ist wie Michaela Barth Katzenretterin. Die 54-Jährige aus Witzighausen kümmert sich unter anderem um eine Futterstelle, zu der im Sommer nur drei oder vier Streuner kommen. Im Winter aber mindestens ein Dutzend. Scheue Tiere, die mit der Zeit Vertrauen gefasst haben und jetzt Widmanns Beine umstreichen, wenn sie vorbeikommt.

Barth und Widmann wissen, dass sie das Problem der Streunerkatzen nicht lösen können. Doch zumindest in einzelnen Orten lasse es sich eindämmen. So wie in Illerberg, wo die Aktiven zwischen August 2018 und Oktober 2019 73 Tiere fingen und zum Tierarzt brachten. Sieben unkastrierte Katzen gibt es dort wohl noch, die Dunkelziffer könnte höher sein.

Insgesamt 345 Katzen hat der Verein 2018 kastrieren lassen, in diesem Jahr waren es bereits Anfang Oktober 367. Im Jahr bedeuten die Operationen für die Katzenhilfe Kosten in Höhe von um die 90 000 Euro, dazu kommen etwa 10 000 Euro für Futter. Die jährlichen Einnahmen betragen aber nicht viel mehr als die Hälfte. Das übrige Geld stammt aus einem Erbe, das an die Katzenhilfe ging, und nun Stück für Stück aufgebraucht wird.

Die finanziellen Sorgen sind nur ein Grund, aus dem die Katzenhilfe vor dem schleichenden Aus steht. Ein anderer ist die Mitgliederstruktur. Michaela Barth ist mit ihren 42 Jahren die Jüngste im Verein. Die Zahl der Aktiven ist zuletzt immer weiter gesunken. Doch die Ehrenamtlichen hoffen nicht nur auf Zuschüsse und Nachwuchs. Sie hoffen auch auf neue rechtliche Rahmenbedingungen, die ihre Arbeit deutlich vereinfachen könnten.

In vielen Städten in Deutschland ist es möglich, eine Kastrationspflicht für Katzen zu erlassen – in Bayern geht das nicht. Stattdessen entscheiden die Veterinärämter darüber. Michaela Barth war deshalb vor Kurzem bei Neu-Ulms Landrat Thorsten Freudenberger, der den Verein an Josef Walz verwies. Der Pfaffenhofer Rathauschef ist Sprecher der Bürgermeister im Landkreis. Barth will nun auf ihn zugehen und für die Regelung werben.

„Dann müssten wir nicht mehr um Erlaubnis bitten“, erklärt sie. Der Verein hätte zwar wohl auf einen Schlag viel mehr Arbeit als zuvor. Gleichzeitig bekäme er die Perspektive, das Leid und die Flut der Streunerkatzen in den Griff zu bekommen. „Man kann innerhalb weniger Jahre den Erfolg sehen“, betont die Vereinsvorsitzende.

Die Katzenhilfe ist unter katzenhilfe-ulm.de zu finden. Am Freitag, 29. November, findet das nächste Treffen im Ristorante Il Mio in Neu-Ulm statt, an den Samstagen, 30. November und 7. Dezember, stellt sich der Verein an einem Stand im Tierbedarfsladen Fressnapf in Neu-Ulm vor.

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