Verdi-Streik lähmt Ulm am Mittwoch und Donnerstag

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Wer normalerweise wie hier am Ehinger Tor mit dem Bus unterwegs ist, muss sich am Mittwoch und Donnerstag womöglich nach Altern
Wer normalerweise wie hier am Ehinger Tor mit dem Bus unterwegs ist, muss sich am Mittwoch und Donnerstag womöglich nach Alternativen umsehen. Denn der Streik trifft auch die Stadtwerke-Tochter SWU Verkehr. (Foto: Alexander Kaya)
Schwäbische Zeitung
Theresa Moosmann und Sebastian Mayr

In ganz Deutschland legen Müllmänner, Kindergärtner, Busfahrer und andere Beschäftigte im Öffentlichen Dienst ihre Arbeit nieder – sie kämpfen für höhere Löhne. Einer der Streik-Schwerpunkte im Südwesten ist Ulm, wie die Gewerkschaft Verdi ankündigt. Auch Neu-Ulm ist betroffen, weil die SWU Verkehr für die Buslinien in beiden Städten zuständig ist. Die Beschäftigen seien bereit zu kämpfen, kündigte Maria Winkler, die Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Ostwürttemberg-Ulm an.

Einschränkungen am Mittwoch und Donnerstag

Busse und Straßenbahnen: Am Mittwoch müssen Pendler und Schüler womöglich auf Auto oder Fahrrad umsteigen, denn sämtliche Straßenbahnen sowie alle Busse der Linien 10 und 15 stehen heute alle still. Mitarbeiter der SWU Verkehr und von Schwaben Mobil streiken, Fahrzeuge der Subunternehmen wie Gairing und RBA sind nach Angaben der SWU jedoch zum Teil in Betrieb.

Bei den Buslinien 3, 4, 5, 7, 9, 13 und E kommt es voraussichtlich zu massiven Fahrausfällen – genauere Informationen zum Fahrplan liegen der SWU nicht vor. Unternehmenssprecher Bernd Jünke empfiehlt Fahrgästen, sich über das Echtzeit-Tool der Stadtwerke zu informieren. Damit können Passagiere überprüfen, welche Busse in Betrieb sind und wo sie sich im Moment befinden. Die Echtzeitauskunft ist über www.echtzeit.swu.de abzurufen.

Für die Linien 8, 11 und 14 gibt Jünke jedoch Entwarnung: Sie fahren auch am Mittwoch gemäß dem regulären Fahrplan.

Parkhäuser und Stellplätze: Mit einem Scherz kommentiert die Ulmer Stadtsprecherin Marlies Gildehaus das, was Autofahrer am Donnerstag erwartet: Dann treten Politessen in der Stadt in den Ausstand. „Das ist das einzige Segment, wo sich die Bevölkerung zumindest in Teilen über den Streik freut – wenn nicht gerade die eigene Einfahrt zugeparkt ist.“ Strafzettel für Falschparker und Temposünder werde es am Donnerstag nicht geben, kündigt die Gewerkschaft Verdi in einer Pressemitteilung an.

Dass Autofahrer ihren Wagen im Parkverbot abstellen dürfen, ohne eine Strafe zu fürchten, bedeutet dies aber nicht. Denn dass alle Mitarbeiter der Parkraumüberwachung ihre Arbeit niederlegen, steht keineswegs fest.

Es könnte noch weitere Probleme für Autofahrer geben: Auch die städtische Parkbetriebsgesellschaft PBG wird bestreikt. Darum bleibt die Rathaus-Tiefgarage voraussichtlich von 6 bis 14 Uhr geschlossen. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus sei aber gewährleistet, versichert Verdi. Die übrigen Parkhäuser sind nach Auskunft der PBG nicht betroffen.

Kundgebung in Ulm: Gewerkschaft weitet Warnstreiks im öffentlichen Dienst aus
Kindergärten in Ulm bleiben geschlossen, im Aalener Ostalbklinikum herrscht Notbetrieb und Politessen sind im Ausstand.

Sparkasse: Auch die Ulmer Sparkasse wird am Donnerstag betroffen sein – wie stark, ist noch unklar. „Es könnte sein, dass kleinere Filialen geschlossen bleiben“, bestätigt Sprecher Boris Fazzini. Dort sollen Plakate auf die nächste geöffnete Niederlassung und auf eine zentrale Info-Telefonnummer hinweisen. Die großen Filialen, insbesondere die Hauptstelle in der Neuen Mitte, sollen geöffnet bleiben.

Kindergärten: Die städtischen Kitas bleiben am Donnerstag höchstwahrscheinlich geschlossen. Die Eltern sind bereits am vergangenen Freitag darüber informiert worden. Für kommende Streiks hat die Stadt mit der Gewerkschaft eine Notdienstvereinbarung ausgehandelt: Dann sollen in Ulm fünf Notdienstgruppen für jeweils insgesamt 40 Kinder offen bleiben. Das sei vor allem für längere Streiks wichtig, sagt Stadtsprecherin Marlies Gildehaus. „Einen einzelnen Tag kann man oft mit Kreativität und Nachbarschaftshilfe überbrücken.“

Kultur und Freizeit: Verdi kündigt an, dass auch die Kultureinrichtungen in Ulm wegen des Streiks geschlossen bleiben. Eine Ausnahme wird es am Theater Ulm geben: Es hat sich selbst zur „Subkultureinrichtung“ erklärt. Die Vorstellung von „Die Krönung Richards III.“ am Donnerstagabend, die schon vom jüngsten Streik betroffen war, wird nach aktuellem Stand stattfinden. Voraussichtlich geschlossen bleibt am Donnerstag dagegen der Tierpark in der Friedrichsau. Das teilt Verdi mit.

Müllabfuhr: Zu den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst zählen auch die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe Ebu. Wenn sie am Donnerstag streiken, bleiben die Recyclinghöfe geschlossen und die Müll wird mit Verzögerungen abgeholt. Nur Gelbe Säcke werden nach Plan eingesammelt.

Streikaktion: Am Donnerstag ziehen die Arbeitskämpfer in fünf Demonstrationszügen zum Ulmer Münsterplatz, wo um 10 Uhr eine Kundgebung stattfindet, bei der die Gewerkschaft Verdi rund 2000 Teilnehmer erwartet.

Weitere Streiks im öffentlichen Dienst
Beschäftigte der Agentur für Arbeit Aalen und des Landratsamtes Ostalbkreis haben heute ihre Arbeit niedergelegt. Zusätzlich gab es am Aalener Marktplatz eine Kundgebung. Hintergrund ist der aktuelle Tarifkonflikt der Gewerkschaft verdi mit den Arbeitgebern des öffentlichen Dienstes.
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