Umwelt-Demos der Schüler sind umstritten – so reagieren Ulmer Schulleiter

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 Wie hier im norwegischen Bergen werden am Freitag auch Schüler in Ulm für den Klimaschutz demonstrieren.
Wie hier im norwegischen Bergen werden am Freitag auch Schüler in Ulm für den Klimaschutz demonstrieren. (Foto: dpa / Marit Hommedal)
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

„Wir streiken bis Ihr handelt!“ – unter diesem Motto wollen am Freitag weltweit in 40 Ländern Schüler und Studenten für eine Umkehr in der Klimapolitik streiken. Auch in Ulm wird es eine sogenannte „Fridays for Future“-Demonstration geben. Zahlreiche Schüler werden bei der Zusammenkunft auf dem Marktplatz um 12 Uhr erwartet – obwohl eigentlich noch Unterricht wäre.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schüler für ihren Mut lobt, gibt es beispielsweise in Ravensburg auch Schulleiter, die den Protest während des Unterrichts wie Schulschwänzen aus anderen, profanen Gründen behandeln – und bestrafen wollen. Wie sehen das die Ulmer Schulen?

„Wir haben da eine einfache Regelung“, sagt Gregor Hoffmann vom Humboldt-Gymnasium. Schüler, die an der Veranstaltung teilnehmen wollen, dürfen sich von ihren Eltern eine Beurlaubung schreiben lassen, die sie dann unterschrieben abgeben. Anders als in Ravensburg sei das „kein großes Thema“ gewesen – es gab „keinen Konflikt“. „Wer Interesse daran hat, darf da gerne hin.“

Wir stehen dahinter und können das nachvollziehen.

Gregor Hoffmann vom Humboldt-Gymnasium

Wie viele seiner Schüler an der Demonstration teilnehmen, könne er nicht sagen. „Sicherlich schon einige“, so Hoffmann: „Es ist ein Interesse da.“ Denn grundsätzlich sei der Klimaschutz auch in der Schule ein wichtiges Thema. „Wir stehen dahinter und können das nachvollziehen.“ Problematisch sei lediglich die Frage nach der Aufsichtspflicht gewesen. „Denn das können wir nicht leisten.“ Mit der schriftlichen Beurlaubung durch die Eltern sei aber auch das hinfällig.

Ähnlich gelassen sieht das Bernhard Meyer, Leiter des Albert-Einstein-Gymnasiums in Wiblingen und zudem Sprecher aller Ulmer Schulen. Auch seine Schüler dürfen teilnehmen, vorausgesetzt sie haben sich ebenfalls eine solche Beurlaubung von den Eltern unterschreiben lassen, wonach auch der Schulstoff selbständig nachgeholt werden müsse.

Schüler bewegen etwas

Dass sich die Schüler während des Unterrichts für den Klimaschutz einsetzen, stört ihn nicht. Für ihn ist es „ein sehr wichtiges Anliegen“, sagt Meyer und findet, „dass die Schüler etwas bewegen“. Ausgemacht sei mit den Schülern aber, dass sie kommende Woche – außerhalb des Unterrichts – ihre Mitschüler über die Ziele und das Anliegen der Demonstration informieren.

Auch die Umweltgewerkschaft Ulm unterstützt die „Fridays for Future“-Bewegung. Während immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse die beschleunigte Entwicklung zur Klimakatastrophe belegen würden, bleibe die Bundesregierung bei ihrer „Verschleppungstaktik“ in der Umweltpolitik. Es gehe nur um Profit, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Umweltgewerkschaft Ulm begrüßt den Unterrichtboykott und die Demonstration der Schüler und Studierenden und findet es wichtig, dass dieser Jugendprotest „als Teil der weltweiten kämpferischen Umweltbewegung weiter wächst“.

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