Ulms Oberbürgermeister appelliert an Kunden und sichert Ladeninhabern Unterstützung zu

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 Gunter Czisch (li.) bei einer Corona-PK mit Alb-Donau-Landrat Heiner Scheffold.
Gunter Czisch (li.) bei einer Corona-PK mit Alb-Donau-Landrat Heiner Scheffold. (Foto: SZ)
Florian Buchmaier

Schulen, Bars und städtische Einrichtungen sind geschlossen, die Menschen räumen im Gegenzug die Regale der Supermärkte leer. Wie Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch die Lage bewertet und was er den Bürgern rät, hat er im Fernseh-Interview mit Florian Buchmaier von Regio TV verraten. Ein Auszug.

Herr Czisch, warum macht auch Ulm dicht?

Seit Freitag gibt es eine neue Strategie, nämlich: die Sozialkontakte um 50 Prozent zu reduzieren bis zum 19. April. Das machen alle und deshalb dürfen die städtischen Grenzen jetzt auch keine Rolle spielen. Wir haben aber in Ulm eine Häufung von Gastronomie und Bars, im Fischerviertel zum Beispiel. Hier haben wir deshalb eine Verschärfung gebraucht.

Bei den Betreibern von Lokalen und Kunden gibt es jetzt viele Fragen. An wen können die sich wenden?

Es gibt Anlaufstellen. Wir versuchen auch, die vielen Fragen über FAQs auf unserer Homepage zu beantworten. Wir hatten zuletzt 70 Leute am Telefon, die Fragen beantworten und das werden jetzt noch mehr sein. Ich rate allen: Bitte rufen Sie nur an, wenn es etwas ganz Wichtiges ist. Jeder Anruf bringt die Kapazitäten in Schwierigkeiten. Bitte informieren Sie sich zunächst im Internet, beim Land und beim Robert-Koch-Institut. Das würde uns sehr helfen. Die Telefone glühen.

Viele kommen durch Schließungen in enorme finanzielle Schwierigkeiten – was raten Sie denen?

Wir haben uns das nicht leicht gemacht. Ich rate allen – als Gastronom zum Beispiel – , einfach mal bei der Bank anzurufen und die Dinge zu klären. Auch in Berlin sind Maßnahmen hierfür getroffen worden. Grundsätzlich gilt: Es wird keiner fallen gelassen. Jetzt muss man aber nicht als aller erstes klären, wann eine Versicherung zahlt. Jetzt muss man klären, dass die Gehälter überwiesen werden.

Wie helfen Sie Eltern, deren Kinder jetzt nicht mehr betreut werden?

Ziel ist es, dass in jeder Einrichtung eine Notgruppe eingerichtet wird. Wir fragen dazu gerade die Eltern ab, ob sie in einem Beruf arbeiten, der systemkritisch sind. Als Pfleger oder Ärzte zum Beispiel.

Wie läuft das mit dem ÖPNV – werden die Busse und Straßenbahnen jetzt öfters desinfiziert?

Der Stab in den Stadtwerken macht sich dazu viele Gedanken. Der ÖPNV kann zunächst nur funktionieren, wenn es ausreichend Fahrer gibt. Das Zweite: Reduzieren Sie Ihre Fahrten auf das dringend Notwendige. Und wenn Sie sich im Bus an die Hygieneregeln halten, ist auch schon sehr viel erreicht.

Leere Regale im Supermarkt – was raten sie besorgten Kunden?

Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs werden sichergestellt. Das ist eine ganz wichtige staatliche Aufgabe. Deshalb gehört die Lebensmittelversorgung zu den kritischen Bereichen. Man sollte als Kunde aber einfach auch Mal die Kirche im Dorf lassen. Warum man kämpfen muss um das letzte vierlagige Blümchenduft-Klopapier, erschließt sich mir nicht. Einfach Mal runter fahren. Und in Ruhe schauen, was hab’ ich noch daheim. Und ganz wichtig: Schauen, ob andere was brauchen, an andere denken. Die Händler schauen danach, dass die Regale auch nächste Woche noch voll sind. Sorgen Sie sich bitte um die Nachbarschaft, das ist wichtiger. Und nicht fünf Klopapierpackungen kaufen, der andere braucht vielleicht auch noch Klopapier.

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