Ulms Bahnhofsareal wird zur Dauerbaustelle

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Zahlreiche Bauprojekte sollen aus dem Ulmer Bahnhogsareal bis 2021 eine zeitgemäße Mobilitäts-Drehscheibe samt einem neuen Stad
Zahlreiche Bauprojekte sollen aus dem Ulmer Bahnhogsareal bis 2021 eine zeitgemäße Mobilitäts-Drehscheibe samt einem neuen Stad (Foto: Kaya)
Schwäbische Zeitung

Mit dem Grundsatzbeschluss für eine Tiefgarage ist der Gemeinderat beim Großprojekt Citybahnhof Ulm wieder einen Schritt weiter gekommen. Wenn alles nach Plan läuft, geht es nächstes Jahr mit den Baustellen am Bahnhof richtig los – unter dem Vorplatz wird an der Tiefgarage gebaut, auf der anderen Seite der Friedrich-Ebert-Straße beginnt der Bau der Sedelhöfe. Nach derzeitigem Stand soll bis 2021 ein Großteil des neuen Bahnhofsareals fertig sein. Doch das Vorhaben ist so komplex, dass Rückschläge und weitere Verzögerungen wahrscheinlich sind. In jedem Fall müssen sich die Bürger darauf einstellen, dass Baustellen auf Jahre hinaus das Gelände rund um den Ulmer Hauptbahnhof prägen werden.

Tiefgarage: Vorhergesehen sind 520 Parkplätze auf vier Ebenen unterhalb des südlichen Bahnhofsplatzes. Außerdem sollen Stellplätze für Fahrräder entstehen. Unklar ist noch, wo Kurzzeitparker und Taxis künftig halten sollen. Die Detailplanung beginnt erst jetzt. Das Vorhaben muss europaweit ausgeschrieben werden. Anvisierter Baubeginn ist nächstes Jahr. Mit in das 55-Millionen-Euro-Projekt gehört der Bau einer unterirdischen Passage vom Bahnhof zur Innenstadt.

Bahnhofsplatz: Erst wenn die unterirdischen Arbeiten erledigt sind, können der Platz darüber und der Haltestellenbereich neu gestaltet werden – also wohl nicht vor 2017 oder 2018. Grundlage dafür ist der Entwurf der Wettbewerbssieger, der Arbeitsgemeinschaft Hummert Architekten aus Dortmund und Rannow Architekten aus Ulm. Dieser Entwurf wird geprägt von einem 120 Meter langen Gitterdach über den Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung gab es mehrere Foren und einen runden Tisch.

Straßenbahn: Die neue Linie 2 wird von der neuen Haltestelle aus in Richtung Kuhberg und hoch zur Wissenschaftsstadt führen. Das Regierungspräsidium Tübingen hat inzwischen für beide Abschnitte den Planfeststellungsbeschluss erlassen. Die Zeit drängt: Spätestens Ende 2019 soll die neue Straßenbahnlinie fertig sein. Die Friedrich-Ebert-Straße bleibt wohl vierspurig – entgegen dem Vorschlag der Verwaltung und den Wünschen aus dem Bürgerdialog. Geprüft wird aber, ob die Autos künftig langsamer fahren müssen.

Bahnhofsgebäude: Bevor das alte Empfangsgebäude abgerissen werden kann, müssen zunächst zahlreiche Anlagen und Einrichtungen verlagert werden, die für den Bahnbetrieb notwendig sind. Favorisiert wird derzeit ein Technikgebäude bei der heutigen Ladestation nördlich des Bahnhofsgebäudes. Allein die Kosten für die Verlagerung der Technik beziffert die Bahn auf 17 Millionen Euro. Ergebnisse einer Wirtschaftlichkeitsprüfung sollen bis Sommer vorliegen. Dann müssen sich Stadt und Bahn einigen, wer was bezahlt. Bauen will die Stadt das neue Empfangsgebäude und ein neues Dienstleistungszentrum in Eigenregie – nach derzeitigem Stand frühestens 2020. Ziel ist laut Verwaltung die gemeinsame Inbetriebnahme der ICE-Neubaustrecke nach Stuttgart und des neuen Gebäudes. Das ist ehrgeizig, denn die Strecke soll bis 2021 fertig sein.

Aufzüge: Die lang erhoffte Anbindung des Bahnhofstegs über Treppen und Aufzüge an die Bahnsteige ist in Sicht. Baubeginn soll 2017 sein. Die Kosten trägt die Bahn.

Parkhaus für Pendler

Parkhaus: Die Gleisflächen an der Schillerstraße südlich des Stegs braucht die Bahn nun doch nicht für die ICE-Baustelle. Deshalb stehen sie ab 2017 zur Verfügung, früher als gedacht. Hier soll ein Parkhaus mit mehreren Hundert Stellplätzen für Pendler entstehen. Ob die Bahn das Parkhaus baut, ist noch offen. Wenn nicht, übernimmt das die Stadt. Die Erweiterung des Fußgängertunnels Richtung Dichterviertel ist ab Ende 2017 vorgesehen, ein neuer Westzugang zu den Gleisen mit einem Vorplatz ab 2019.

Sedelhöfe: Das neue Wohn- und Einkaufsquartier ist zwar nicht direkt Teil des Projekts Citybahnhof, wird aber durch die Passage mit dem Bahnhof eng verknüpft. Die Bauarbeiten auf der heutigen Brache neben der Fußgängerzone sollen im zweiten Quartal 2016 beginnen – ursprünglich war da schon die Eröffnung geplant. Der neue Investor DC Commercial, der 170 Millionen Euro in das Projekt steckt, will nun bis 2018 fertig sein. Am Bahnhof geht’s dann noch weiter.

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