Ulmer Zelt stößt an seine Grenzen

Lesedauer: 4 Min
Der Bass-Virtuose Marcus Miller beendete furios die Saison in der Friedrichsau.
Der Bass-Virtuose Marcus Miller beendete furios die Saison in der Friedrichsau. (Foto: Alexander Kaya)
Dagmar Hub

Das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat dem Ulmer Zelt gewiss nicht geschadet: Zelt-Vorstand Günther Heiser und Jan Ilg, der künstlerische Leiter, sind mit der 32. Saison sehr zufrieden: Das Zelt und sein Programm sind von Jahr zu Jahr gewachsen, berichten beide, und nun haben sowohl das Veranstaltungsprogramm als auch die Gastronomie ihre Kapazitätsgrenze erreicht. „Mehr gibt der Platz nicht her“, sagt Ilg.

Mit 35 Abendveranstaltungen, von denen zehn ausverkauft waren, hatte die diesjährige Saison zwei weniger als im Vorjahr; insofern lag deren Besucherzahl mit 20 500 auch etwas darunter. Insgesamt kamen 82 500 Besucher in die Au: 50 000 Besucher wurden dank des guten Wetters im Außenbereich gezählt; 5000 weitere kamen zu 18 kostenlosen Rahmenveranstaltungen, weitere 7000 Fans zählte das Kinderprogramm mit ebenfalls 18 Veranstaltungen. Auch wenn das finanzielle Gesamtergebnis noch nicht vorliegt: „Ich kann sagen, dass wir eine schwarze Null erwarten“, ist sich Heiser sicher. Nur ein einziger Abend litt darunter, dass parallel die deutsche Nationalmannschaft spielte: Beim Auftritt von Meret Becker waren nur etwa 200 Menschen im Zelt, und der Außenbereich war fast leer.

Mehr als 100 Ehrenamtliche haben das Team unterstützt. Sie lobt Heiser besonders: Die tolle Betreuung der Künstler bewirke eine positive Grundstimmung, die sich aufs Publikum überträgt. Und für diese Atmosphäre wird das Zelt geschätzt – viele Künstler genießen ihren Aufenthalt sehr und kommen gerne wieder. So habe sich US-Sänger Walter Trout von jedem Mitarbeiter am Lagerfeuer mit Handschlag verabschiedet und seine Rückkehr versprochen.

Eine weitere positive Nachricht fürs Publikum gab es: Die Eintrittspreise lagen durchschnittlich zehn Prozent niedriger als im Vorjahr, wobei der letzte Abend mit Marcus Miller mit 56 Euro für eine reguläre Eintrittskarte am teuersten war. Besonders gut kamen beim Publikum die beiden Varieté-Abende „High Voltage“ und der Ballettabend „Shortcuts“ an, aber auch die Konzerte des israelischen Popsängers Asaf Avidan und der schwedischen Rockband Backyard Babies. Heiser und Ilg freuen sich darüber, dass es in der Saison 2018 keinen großen Ausreißer gab – der Besucherstrom verteilte sich relativ gleichmäßig auf die Veranstaltungen. „So konnte jeder zufrieden sein“, sagt Heiser.

Am Gesamtbudget des Zelts in Höhe von 1,3 Millionen Euro beteiligt sich die Stadt Ulm mit einem Zuschuss in Höhe von fünf Prozent. „Aber wir bekommen auch wohlwollende Unterstützung, wenn überraschend Kosten entstehen durch ein Unwetter oder Ähnliches“, lobt der Vorstand.

Im kommenden Jahr wird die Saison im Zelt vom 22. Mai bis 6. Juli laufen. Und einen hätte Kulturmanager Jan Ilg allzu gern einmal im Zelt dabei: den inzwischen 74-jährigen Briten Jeff Beck, der als einer der besten Gitarristen aller Zeiten gilt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen