Ulmer Startup-Firma rollt Sanitärbranche auf

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Simon Singler (l). und Fabian Weiss zeigen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) die „Immersight“-Brille für den virtuell
Simon Singler (l). und Fabian Weiss zeigen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) die „Immersight“-Brille für den virtuell (Foto: Ludger Möllers)
Ludger Möllers

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist begeistert: Gerade hat der Ulmer Jung-Unternehmer Fabian Weiss mit ihr einen virtuellen Rundgang durch ein neues Badezimmer unternommen: „Wenn ich mal mein Bad renovieren sollte, dann brauche ich Ihre Software!“ Der Besuch von etlichen Ausstellungsräumen während der Planungsphase sei für Bauherren Vergangenheit, sagt Weiss, in Zukunft reiche es, mit einer speziellen Brille auf der Nase das eigene neue Bad zu durchstreifen.

Weiss und sein Geschäftspartner Simon Singler gehören zu der Gründergeneration, die frisch von der Uni Ulm kommen, dort ein Startup-Unternehmen mit dem Namen „Immersight“ gegründet haben und nun am Markt erfolgreich sind.

Und weil sie erfolgreich, jung und dynamisch sind, auch bereits zehn Jobs geschaffen haben, empfangen sie an diesem Montagabend Arbeitsministerin Nahles. Drei Termine im Rahmen ihrer Sommertour hat sie bei Firmen wie Bosch in Stuttgart hinter sich, den vierten in Ulm absolviert die Ministerin mit sichtlich viel Spaß. Denn die „Immersight“-Software passt in die Vision der Bundesregierung, die Digitalisierung der Gesellschaft in allen Bereichen voranzubringen.

So brauchen Handwerksbetriebe, die Bäder anbieten, bisher Präsentationsräume, die teuer sind, meist auf der grünen Wiese liegen und alle paar Jahre neu augestattet werden müssen. Denn der Kunde will ja sehen, wie sein Traumbad in Wirklichkeit aussehen wird. Mit der Software der jungen Ulmer Unternehmer können die Handwerker zehn, 20 oder mehr Bäder am Rechner designen und den Kunden im Ladenlokal präsentieren, sie auch digital verändern. Kein Dreck, keine Kosten, kein Platzverbrauch. Nur die Bereitschaft, digital zu denken, wird benötigt. Auf beiden Seiten, bei Kunden wie Anbietern.

Nahles ist optimistisch, dass dieser Sprung gelingt: „Handwerker müssen sich verändern und mit der Zukunft gehen“, sagt die Ministerin, „und diese wird digital sein.“

Dass „Immersight“ durch diverse Regierungsprogramme für Jungunternehmer gefördert wurde, freut die Ministerin besonders. Und sie dreht die Idee der Software-Profis weiter: Schreiner, Tischler, Inneneinrichter könnten eines Tages ebenso arbeiten. Doch Weiss bleibt bescheiden: „Wir haben erst 15 Betriebe der Heizungs- und Sanitärbranche erreicht, 50000 sind es deutschlandweit.“ Ein großer Markt sei zu beackern, viel Überzeugungsarbeit sei zu leisten.

Dabei wollen die Gründer behutsam vorgehen und bis zum Jahresende weitere 15 Betriebe als Kunden gewinnen. Arbeitsplätze entstehen ebenfalls: Zehn weitere Jobs kündigt Weiss an – zur Freude der Ministerin.

Einen Fernsehbeitrag gibt es heute ab 18 Uhr auf www.regio-tv.de.

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