Ulmer Forscher entwickeln denkendes T-Shirt

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Constantin Diesch (links) trägt das blaue Prototyp-T-Shirt. Der gelbe Kasten an seiner Schulter ist eine Messeinheit. Neben ihm
Constantin Diesch (links) trägt das blaue Prototyp-T-Shirt. Der gelbe Kasten an seiner Schulter ist eine Messeinheit. Neben ihm am Computer sitzt Lukas Kühnbach. (Foto: Florian Rückl)
Oliver Helmstädter

Es klingt ein wenig wie aus einem Science-Fiction-Roman: Zwei Ulmer haben ein T-Shirt entwickelt, in der Elektronik verbaut ist, die die Muskelspannung misst und an ein Smartphone sendet. Mit Hilfe eines Algorithmus’ erkennen Sensoren, ob die Nackenmuskeln überlastet sind. Per Vibrationsmodul im Shirt oder einem Alarm auf dem Smartphone wird der T-Shirt-Träger auf drohende Verspannungen aufmerksam gemacht.

„Protect your neck!“ – das ist der Slogan von Equil, einem jungen Startup, dass von Constantin Diesch (29 Jahre), Absolvent, und Lukas Kühnbach (25), Student der Hochschule Ulm, gegründet wurde. Die Jungunternehmer stellten ihr „Schütze-Deinen-Nacken-T-Shirt“, das sich unter der Alltagskleidung tragen lässt und die Schulterposition überwacht, bereits beim „Elevator Pitch“, einem Wettbewerb für junge Unternehmer in Stuttgart, vor.

Leid, die Symptome zu behandeln

„Über 50 Prozent aller jungen Erwerbstätigen leiden unter Nackenschmerzen. Mir geht es genauso“, sagt der Informatiker Lukas Kühnbach. Er war es jedoch leid, die Symptome zu behandeln. Er wolle das Problem an der Wurzel packen. Die Ursache der Schmerzen sei meist die „isotonische Kontraktion“ der Schulter-Nacken-Muskulatur über einen längeren Zeitraum bei sitzender Bürotätigkeit.

Junge Forscher präsentieren sich in Ulmer Messehallen
Eine App für verloren gegangene Dinge. Die Erforschung von Laktase-Tabletten. Und, eine revolutionäre Idee für die Raumfahrt. Diese und andere Projekte stellen mehr als 100 Jugendliche und Kinder aus der Region morgen in den Messehallen in Ulm vor. Zum 15. Mal findet dort der Regionalwettbewerb von Jugend forscht statt. Der Jury mussten sich die jungen Erfinder schon heute stellen.

Der Algorithmus erkenne nach einer ersten Einstellung von ganz alleine, ob die Nackenhaltung des Trägers ungesund ist oder nicht. Dabei vergleicht er die individuelle Nackenposition mit der von vielen anderen Menschen. Also mit Daten, die quasi auf dem Chip im Shirt gespeichert sind. Je länger das „mitdenkende Shirt“ benutzt werde, desto genauer seien die Ergebnisse. Durch das anpassen an die individuelle Physiologie, also den Körper, werde der Algorithmus immer präziser.

App zeigt, wie sich das Problem beheben lässt

In der App werde zudem parallel anzeigt, wie sich das Problem beheben lassen: Entweder nur mit einer kurzen Pause oder speziellen Videos mit Entspannungsübungen. Das Equil-Shirt kann dabei bequem unter dem Hemd oder Lieblingspulli getragen werden und sei inklusive der Elektronik voll waschbar. Die zwei Sensoren seien flach wie ein Fingernagel und kaum zusehen. Die „Auswertelektronik“ sei etwas dicker und könne in einer Art Marken-Label gut versteckt werden. Die eingenähten, winzigen Akkus sollen einen Arbeitstag halten und können kabellos („induktiv“) geladen werden.

Gründer Diesch erkannte als gelernter Physiotherapeut den Bedarf nach einem solchen Produkt. Dass es funktioniert habe er mit einem Prototyp am eigenen Leib getestet. Wenn alles nach Plan läuft, soll noch dieses Jahr die erste Kleinserie produziert werden.

Als Verkaufspreis schwebt Diesch, der ein Bachelorstudium der Medizintechnik absolvierte, etwa 150 Euro vor. Je größer die Serie, umso günstiger ließe sich produzieren. Der Antrag auf ein Exist-Gründerstipendium werde momentan geprüft. Das Stipendium würde das Vorhaben weiter beschleunigen. Unabhängig davon stehe Diesch derzeit in Kontakt mit mehreren potenziellen Investoren. „Das Interesse ist groß“, sagt Diesch. Schließlich sei seinen Informationen nach das Equil-Shirt weltweit einmalig.

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