Ulm entwickelt sich zum Nadelöhr

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Ulm - ICE Freiburg im Breisgau- Zug - Bahn - Bahnhof - Hauptbahnhof - Bescha§digung - bescha§digt - Vorfall - Unfall - Verpa§tun (Foto: sz)
Schwäbische Zeitung

Bei Bahnprojekten in der Region läuft es nicht rund. Nachdem die Bahn offenbar auf den Bau eines dritten Gleises auf 28 Kilometern von Neu-Ulm nach Neuoffingen (Kreis Günzburg) verzichtet, droht so nicht nur die Regio-S-Bahn geschwächt zu werden. Darunter leidet auch der Ausbau der transeuropäischen Magistrale von Paris über Ulm nach Budapest. Verkehrsexperten der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) befürchten sogar, dass Hochgeschwindigkeitszüge künftig einen Bogen um Ulm machen.

In einem Gutachten („Bedarfsplan-Überprüfung Schiene des Bundesverkehrsministeriums“) heißt es wörtlich: „Eine Verdichtung des Nahverkehrs im Bereich Ulm ist auf dieser Strecke nicht geplant.“ Konkret geht es hier um ein drittes Gleis im Abschnitt Neu-Ulm - Neuoffingen. Dies bedeutet, dass der Raum Günzburg als Teil des S-Bahn-Konzepts wohl außen vor bleibt.

Das Papier aus dem Jahr 2010 ist noch immer aktuell: Verkehrsexperten der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) befürchten vor dem Hintergrund laufender Gespräche über den Bundesverkehrswegeplan 2015 an dieser Stelle eine dauerhafte Schwächung der Regio-S-Bahn. Auch wenn das bayerische Kabinett vergangene Woche beschlossen hat, das dritte Gleis bis Neuoffingen wieder zum Bundesverkehrswegeplan anzumelden, ist laut IHK-Verkehrsexperten davon auszugehen, dass die Bahn darauf verzichten werde. Im maßgeblichen Gutachten steht, dass eine Kapazitätserweiterung auf dieser Strecke „nicht begründbar“ ist. Auch für die Finanzierung eines zweiten Gleises von Neu-Ulm Richtung Allgäu ist nach IHK-Einschätzung in diesem Jahrzehnt kein Geld in Sicht.

Dabei sei auf der Strecke Ulm–Memmingen–Kempten die fehlende Kapazität viel drängender als die Elektrifizierung: „Die Anschlüsse zum ICE in Ulm, die für den Geschäftsreise- und Tourismus-Verkehr im Allgäu wichtig sind, gleichen teilweise einem Lotteriespiel“, sagt der IHK-Verkehrsausschuss-Vorsitzende Alfred Kolb. Die Strecke sei erkennbar an der Leistungsgrenze, und mit der Eröffnung der Strecke Ulm–Senden–Weißenhorn („Bähnle“) ab Dezember sollen dort nochmal 40 Züge pro Tag zusätzlich rollen. Wie Peter Stöferle, bei der Verkehrsinfrastruktur und -politik, Logistik zuständig, auf Nachfrage sagt, machten sich die Kammern aus Ulm und Augsburg Sorgen, dass die schnellen Züge außerdem künftig an Ulm vorbei fahren könnten.

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