Ulla Willick gestorben: Theater Ulm trauert um langjährige Schauspielerin

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 Die Unverwüstliche, das Bühnentier, das fast schon ein Element des Theaters selbst war: So schien Ulla Willick.
Die Unverwüstliche, das Bühnentier, das fast schon ein Element des Theaters selbst war: So schien Ulla Willick. (Foto: Jochen Quast)
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Mit Trauer und Fassungslosigkeit standen am Donnerstagabend Theaterbesucher in der Empfangshalle des Hauses vor einem großen Porträt der Schauspielerin Ulla Willick, das gerade aufgestellt wurde. In schwarz gekleidet erschienen Mitarbeiter zum Ballettpremiere: Das Theater Ulm trauert um die Schauspielerin Ulla Willick, die am Mittwoch nach kurzer Krankheit überraschend starb.

Die Unverwüstliche, das Bühnentier, das fast schon ein Element des Theaters selbst war: So schien sie. Und auf der anderen Seite die rothaarige Rätselhafte mit dem Hauch Diva an sich, die aus ihrem Alter ein wohlgehütetes Geheimnis machte. Laut Wikipedia wurde die gebürtige Kölnerin 79 Jahre alt.

Über 200 Rollen hat Willick, die von 1970 an mit dem Kinostar Dieter Borsche bis zu dessen Tod verheiratet war, gespielt – und im vergangenen Juli in Ulm den Theaterpreis für ihr Lebenswerk bekommen.

Bilder aus ungezählten Aufführungen hat das Publikum in Kopf und Seele: als bitter-rachsüchtige Claire Zachanassian in Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ beispielsweise, als dominante Mutter in Federico García Lorcas Drama „Bernarda Albas Haus“ oder im großen Solo „Die Erzählung der Magd Zerline“ von Hermann Broch an der Seite des stumm agierenden Andreas von Studnitz – eindrucksvoll schmerzhaft und doch den Triumph der kleinen Magd zeigend, unverzichtbar zu sein.

1994 war Ulla Willick – mit dem Intendanten Ansgar Haag – ans Theater Ulm gekommen, und auch nach ihrem offiziellen Ruhestand, in den sie 2013 ging, trat sie mit Gastverträgen auf: In der diesjährigen Wiederaufnahme des Musicals „My Fair Lady“ hatte sie erneut Mrs. Higgins spielen sollen, und auch für die kommenden Inszenierung von Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ war sie fest eingeplant. Theater und Publikum müssen mit dem Tod der Unverzichtbaren umgehen lernen.

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