Stiege und neuer Biergarten: Ulmer Gastro-Szene eröffnet Freiluft-Saison

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Die Stiege am Ulmer Donauufer macht wieder auf. Auch wenn der Weg zum Rosengarten aufgrund von Baufälligkeit der Stadtmauer gera
Die Stiege am Ulmer Donauufer macht wieder auf. Auch wenn der Weg zum Rosengarten aufgrund von Baufälligkeit der Stadtmauer gerade gesperrt ist. (Foto: Helmstädter)
Oliver Helmstädter

Generationen von Ulmern und Neu-Ulmern verbrachten schon ihre Sommer in diesem Biergarten: Seit Jahrzehnten residieren nämlich die Ulmer Kanufahrern an der heutigen Stelle unterhalb der Adenauerbrücke auf Neu-Ulmer Seite. Und war seitdem auch immer ein gastronomischer Fixpunkt.

Der bislang letzte Pächter hatte unter dem Namen „Kiesbänkle“ allerdings kein glückliches Händchen – wie nicht zuletzt die auf bekannten Portalen veröffentlichten Kritiken zeigen. Das soll sich nun ändern: Mit dem Beginn des Monats haben Monika Fauss, Herbert Dreiseidler und Robert Förster als Pächter das Sagen im traditionsreichen Biergarten direkt an der Donau. Der Namen: „Am Fluss.“

„Eines der schönsten Fleckchen von Ulm“, nennt Förster diesen Bereich am Jahnufer. Die Abendsonne beglücke am Abend kaum eine Stelle länger als diesen Bereich des Donauufers. Und so sind sich die Drei zuversichtlich, dass der Biergarten im Grunde eine sichere Bank ist. „Aber nur, wenn‘s gut gemacht wird“, sagt Koch Dreiseidler, der wie alle drei Pächter Erfahrung mitbringt: Als Chef der Bodega und zuletzt des „Bühneneingangs“ in Neu-Ulm. „Das hätte ich heute noch, wenn das Gebäude nicht verkauft worden wäre.“ Förster war mal Wirt des Rosi und der Olgabar, dort wo die dritte im Bunde – Monika Fauss – heute Chefin ist.

Es sieht ja in weiten Teilen so aus, als ob alles die IHK gebaut hätte.

Robert Förster über die Ulmer Bar-Szene

Getreu der Wurzeln von Olgabar und Rosi wollen die Drei auch das „Am Fluss“ betreiben. Nicht geleckt, etwas alternativ. Aber trotzdem bodenständig. Vieles in Ulm und Neu-Ulm ist Förster zu glatt: „Es sieht ja in weiten Teilen so aus, als ob alles die IHK gebaut hätte.“

Einen Platz für ein alternatives Konzept in bester Lage hoffen die Drei nun am Jahnufer gefunden zu haben: Förster plant eine Art „Kulturbiergarten“, wie es ihn unweit einmal in Neu-Ulm mit der Flussmeisterei am Donaucenter gab, bevor ein Bauprojekt den Treffpunkt vertrieb.

Konzert und Lesungen am Fluss sind geplant

Konzerte und Lesungen sollen am Fluss zumindest einmal monatlich stattfinden. Eine erste Buchung für Schwörmontag gibt es schon: Dann treten die Cono Cocks, die die fünf Ulmer Punk-Veteranen am Fluss auf.

Ganzjährig soll die Gaststätte geöffnet sein. Im Sommer als klassischer Biergarten mit entsprechenden Angebot von Wurstsalat bis Schnitzel. Im Winter „wird‘s kuschelig“, so Koch Dreiseidler. Im Stile eines „Winterzauber-Markts“ soll dann Glühwein und Co. serviert werden. Und auch die Speisekarte ändere sich mit den jahreszeiten. Ex-Bodega-Wirt Dreiseidler schweben etwa auch spanische Tapas und schwere Rotweine vor.

„Der Platz ist sehr internationale hier“, sagt Förster. Denn der Verein der Kanufahrer betreibt auf der angrenzenden Wiese einen Campingplatz, der von jungen Sportlern aus der ganzen Welt genutzt werde. Kein Wunder: Zehn Euro pro Erwachsenen (Kanu-Verband-Mitglieder die Hälfte) ist ziemlich konkurrenzlos. Die Wände im Fluss sind frisch gestrichen, die italienische Siebträger-Espressomaschine steht, das Bier aus Schussenried ist bestellt. Nur Stühle fehlen noch. Doch die Fluss-Macher sind sich bis zu Eröffnung am Freitag, 10 Mai, fertig zu sein.

Auch die Stiege eröffnet am Freitag

Genauso wie Petra Schmitt, die ebenso am Freitag ein anderes Lokal an der Donau (wieder-) eröffnet: Die Stiege, jenes Café im Treppenabgang an der Herdbrücke auf Ulmer Seite, der vor Jahrzehnten mal als öffentliche Toilette fungierte.

Seit 2013 wird hier jedes Jahr neben kühlen Getränken auch Kunst serviert: Mal Springbrunnen der mit meterhoher Fontaine aus dem einstigen Kloabgang stieg oder eine Straßenlampe, die direkt aus Athen nach Ulm verpflanzt wurde.

Dieses Jahr kommt die Kunst aus Island: Inspiriert vom speziellen Ort an der Donau versucht Sara Riel aus Reykjavik den Fluss und das Leben zu porträtieren – obwohl Riel noch nie in Ulm war, die Donau weder gesehen, berührt noch gerochen hat. Es sei eine Ode an einen Ort den sie zwar nie kennengelernt, aber in ihrer Imagination aufgesucht hat. Eine Leinwand werde im Sommer an der Stadtmauer angebracht und es ist die Hoffnung der Künstlerin, dass die Kunst das Wetter, die Menschen und die Natur über- und erlebt. So dass ihr Bild im Herbst – wenn die Stiege wieder schließt – die Umgebung absorbiert hat.

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