Starbucks-Filiale in Ulm eröffnet - Gegner sorgen sich um ihre Stadt

Lesedauer: 6 Min
Zwei Handvoll Starbucks-Fans warten schon vor der Eröffnung der Filiale am Münsterplatz. Der große Ansturm, den es in anderen St
Zwei Handvoll Starbucks-Fans warten schon vor der Eröffnung der Filiale am Münsterplatz. Der große Ansturm, den es in anderen Städten gab, bleibt in Ulm aber aus. (Foto: Horst Hörger)
Sebastian Mayr

Es ist schon kurz nach 8 Uhr, doch die Glocke am Münster schlägt noch. Ein paar Minuten nach der angekündigten Zeit öffnen sich die Türen. Lange hatte es Gerüchte gegeben, dass sich die Kaffee-Kette Starbucks in Ulm niederlässt. Nun ist es so weit. Während Fans in anderen Städten neue Filialen regelrecht stürmten, üben sich die Ulmer in Zurückhaltung. Zwei Handvoll Gäste warten schon vor der Eröffnung. Am Vormittag ist es im neuen Starbucks-Store, wie das Café in der Sprache des Unternehmens heißt, nie leer. Die Schlange am Bestellschalter fasst beinahe durchgehend ein Dutzend Kunden. Der ganz große Andrang bleibt aber aus.

Die Einrichtung des Cafés erinnert an Starbucks-Filialen in anderen Städten: Brauntöne, ein langer Tisch in der Mitte, bequeme Sitzbänke, gepolsterte Sessel. Innen hat die Filiale 60 Sitzplätze, außen sind es noch einmal 62. Die Wände des Cafés sind holzvertäfelt, die Lampen nehmen den Farbton des Holzes auf. Das sei neu, sagt Shtipe Salja, die als District Managerin für alle Filialen rund um Stuttgart zuständig ist. Dazu gehört auch Ulm. Neu seien auch die Ladestationen am langen Tisch in der Mitte des Cafés: Wer sein Handy laden will, muss es nur auflegen. Ein Kabel ist nicht nötig.

Fans begleiten den Aufbau

Seit etwa einem Jahr plant die Kette, sich in Ulm niederzulassen. Es ist die erste Filiale in der Münsterstadt. Immer wieder, berichtet Shtipe Salja, hätten Starbucks-Fans nach einer Niederlassung in Ulm gefragt. In den vergangenen Tagen seien manche sogar vorbeigekommen und hätten sie beim Aufbauen und Einrichten angesprochen, wann das Café endlich eröffnet werde.

(Foto: Möllers)

Valentin Schierhuber, der Leiter der neuen Filiale ist in Ulm geboren, wohnt in der Stadt und pendelte bisher nach Stuttgart, wo er das obligatorische Training absolviert hat, das Starbucks für seine Mitarbeiter vorsieht. Schierhuber sagt von sich, dass er am liebsten Espresso trinkt. Der 30-Jährige schwärmt von seinem neuen Arbeitsplatz: „Wir haben einen tollen, neuen Store bekommen. Es macht Spaß, ihn mit Leben zu füllen.“

(Foto: Möllers)

Zu den ersten Kunden zählt Katharina Dimt. Die Sendenerin mag vor allem die heiße Schokolade mit Haselnuss-Sirup. Um sie gleich am ersten Tag in Ulm trinken zu können, ist Dimt in die Stadt gefahren. Sie hat sich mit ihrer Schwägerin verabredet, die keine Milch verträgt. „Da gibt’s bei Starbucks einfach am meisten Alternativen“, sagt die Sendenerin.

Protestieren mit einem Kaffee-Picknick

Ein paar Meter weiter haben sich die getroffen, die mit der Kette nicht viel anfangen können. Die Ulmer Moderatorin Dana Hoffmann hat zu einem Kaffee-Picknick auf dem Münsterplatz eingeladen. In einer großen, roten Thermoskanne hat sie Kaffee dabei, den sie zu Hause gekocht hat: „Mit einer Siebträgermaschine. Das habe ich Starbucks voraus.“ Tamas Füzesi, Konzertmeister am Theater Ulm, hat zufällig von der Aktion erfahren. Er geht noch einen Schritt weiter als die Initiatorin: Füzesi hat einen Benzin-Kocher, zwei kleine Espressokocher, einen Topf, einen Milchaufschäumer und fünf Gläser mitgebracht. Er kocht und serviert in seiner Mittagspause Espresso Macchiato auf dem Münsterplatz.

Unter dem Motto „Starwhat? Just Coffee!“ versammelten sich Menschen auf dem Ulmer Münsterplatz.
Unter dem Motto „Starwhat? Just Coffee!“ versammelten sich Menschen auf dem Ulmer Münsterplatz. (Foto: Regio TV)

Auf Decken und ein Klappstühlen haben es sich die Starbucks-Gegner bequem gemacht. Unter ihnen ist Thomas Greulich aus Neu-Ulm. Er sagt: „Wir haben so viele schöne, kleine Cafés hier, wir brauchen diese Ketten nicht.“ Das ist auch die Motivation der Organisatorin. „Es stehen ja noch mehr Eröffnungen von Ketten an. Ich mache mir einfach Sorgen um die Stadt. Ulm ist individuell, das soll nicht verloren gehen“, erklärt Dana Hoffmann.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen