Stadt will 60 Millionen für Neu-Ulms neue Mitte ausgeben

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Neu-Ulm investiert mehr als geplant
Eigentlich sollten die Investitionen der Stadt auf 25 Millionen Euro jährlich begrenzt werden. 2019 sind trotzdem 42,6 Millionen Euro eingeplant, weil so viele Vorhaben anstehen.
Michael Ruddigkeit

Der Weg ist noch weit, doch die Vorfreude ist schon groß: Das LEW-Areal im Neu-Ulmer Zentrum gegenüber der Glacis-Galerie soll in den nächsten Jahren komplett umgestaltet und mit neuem Leben erfüllt werden – mit Platz für Wohnungen, Büros, Praxen, Gaststätten und verschiedenen öffentlichen Einrichtungen. 60 Millionen Euro will die Stadt in das Großprojekt stecken und das Vorhaben in Eigenregie stemmen. Dazu wird jetzt die Entwicklungsgesellschaft Neu-Ulm GmbH gegründet. Das hat der Neu-Ulmer Stadtrat einstimmig beschlossen.

Mit dieser Vorgehensweise behält die Stadt bei der Planung und Umsetzung des Großprojekts komplett das Heft in der Hand. Alle Stadtratsfraktionen sind im Aufsichtsrat vertreten, sodass die Kommunalpolitik stets den Überblick behält und mit entscheidet.

Stadt trägt Risiko alleine

Ohne Investor, der mit im Boot sitzt, trägt die Stadt allerdings auch das Risiko alleine. Zur Finanzierung des Neubaus will sie die Grundstücke am Heiner-Metzger-Platz sowie an der Maximilianstraße einbringen, eine Bareinlage von fünf Millionen Euro bereitstellen und den Rest – mehr als 50 Millionen Euro – über Fremdkapital decken. Momentan ist ein Investitionsrahmen von insgesamt 60 Millionen Euro vorgesehen, „auch wenn sich noch vieles ändern kann“, wie Kämmerer Berthold Stier einräumte. Für das Darlehen wird die Stadt außerdem eine Kommunalbürgschaft gegenüber den Banken übernehmen müssen.

Das in die Jahre gekommene LEW-Areal am Heiner-Metzger-Platz neben der Glacis-Galerie in Neu-Ulm soll für 60 Millionen Euro komp
Das in die Jahre gekommene LEW-Areal am Heiner-Metzger-Platz neben der Glacis-Galerie in Neu-Ulm soll für 60 Millionen Euro komplett neu gestaltet werden. Um das Großprojekt umzusetzen, gründet die Stadt Neu-Ulm eine eigene Gesellschaft. (Foto: Horst Hörger)

Für das Großprojekt werden sich die Fachleute im Rathaus externe Unterstützung holen. Diese Leistungen werden europaweit ausgeschrieben. Die Feinplanung soll übernächstes Jahr beginnen, dann ist auch ein Wettbewerb vorgesehen. Baubeginn könnte Ende 2021 sein, Fertigstellung Anfang 2024.

Ein vom Büro Albrings & Müller vorgelegter Testentwurf sieht eine Bebauung des 4000-Quadratmeter-Grundstücks mit einem bis zu sieben Stockwerke hohen Gebäude vor. Direkt am Heiner-Metzger-Platz würden die Stadtbibliothek und der Generationentreff unterkommen. Entlang der Bahnhofstraße sollen Wohnungen, Büros, Praxen sowie Flächen für Gastronomie entstehen. Vorgesehen ist des Weiteren eine Tiefgarage mit 216 Parkplätzen.

Hier wird etwas entstehen, das unser Stadtbild prägen wird – ähnlich wie das Donaucenter, nur hoffentlich mit einer besseren Beurteilung. Oberbürgermeister Gerold Noerenberg

Das mehr als 60 Jahre alte ehemalige LEW-Gebäude wird abgerissen. Derzeit ist dort unter anderem die Stadtbücherei untergebracht. Außerdem befinden sich darin Wohnungen und die Ateliergemeinschaft Kunstetagen. Bis vor wenigen Jahren belegte dort auch das Amtsgericht Neu-Ulm mehrere Räume. Im Gebäudetrakt an der Maximilianstraße befindet sich die Neu-Ulmer Geschichtsbibliothek.

„Ich denke, dass dies ein ganz wichtiger Baustein für die Entwicklung unserer Innenstadt sein wird“, sagte Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (CSU). „Hier wird etwas entstehen, das unser Stadtbild prägen wird – ähnlich wie das Donaucenter, nur hoffentlich mit einer besseren Beurteilung.“

Parallel zur Ulmer Entwicklung bauen

Karl-Martin Wöhner (SPD) sieht Parallelen zur Entwicklung Ulms: „Es steht Neu-Ulm gut zu Gesicht, auch eine neue Mitte zu designen“, sagte er. Die Neugestaltung des Areals in Eigenregie sei der richtige Weg, „dass wir bestimmen, wie das auszusehen hat“.

Rudolf Erne (SPD) merkte an, dass das Projekt ein Risiko sei – denn die städtische Gesellschaft muss die nicht-öffentlichen Flächen selbst vermarkten – aber auch eine große Chance. Wichtig sei, dass die Bürgerschaft bei der Umsetzung dabei sei, „dass wir Menschen und Leben in die Räume bringen“.

Antje Esser (Pro Neu-Ulm) sprach von einem „Mammutprojekt“, das nun auf den Weg gebracht werde. Es sei gut, dass ein so zentrales Gebäude in städtischer Hand bleibe. Sie hegte keinen Zweifel daran, dass sich die Wohnungen und Büros an dieser Stelle gut vermarkten lassen.

Dies ist ein Schlüsselgrundstück für die Weiterentwicklung Neu-Ulms. Johannes Stingl, CSU-Stadtrat

Esser und Alfred Schömig (FDP) regten an, dass die neu gegründete Entwicklungsgesellschaft auch für andere Projekte genutzt werden könnte. Schömig betonte zudem, dass die Fraktion der Liberalen gegen die Planung von 100 weiteren Stellplätzen sei.

Christina Richtmann (FWG) schlug vor, für das Vorhaben einen neuen Namen zu suchen, da viele Bürger mit „LEW-Areal“ nichts mehr anfangen könnten.

„Dies ist ein Schlüsselgrundstück für die Weiterentwicklung Neu-Ulms“, sagte Johannes Stingl (CSU). Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Pläne eine große Strahlkraft für die Stadt entfalten könnten. Stingl erinnerte außerdem an einen Antrag der CSU-Stadträte Waltraud Oßwald und Rupert Seibold aus dem Jahr 2014. Sie hatten vorgeschlagen, am Heiner-Metzger-Platz ein Hundertwasser-Haus zu errichten, angelehnt an die durch den österreichischen Künstler entworfene Wohnanlage in Wien. „Vielleicht kommt das Hundertwasser-Haus ja noch zum Tagen“, so Stingl.

Es gibt aber auch andere Pläne. Die Fraktion von Pro Neu-Ulm schlug beispielsweise im August vor, auf dem LEW-Areal ein neues Rathaus zu bauen.

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