Spektakuläre Schwerstarbeit: So verlässt ein Stahltransporter mit 132 Tonnen das Donautal

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Der Schwertransporter von oben fotografiert
Im Industriegebiet Donautal in Ulm hat am Pfingstmontag ein Schwertransport für Aufsehen gesorgt. (Foto: Thomas Heckmann)
Thomas Heckmann

Mehrere Sicherheitsdienstmitarbeiter hat die Firma Kamag aus dem Ulmer Donautal für den frühen Pfingstmontag bestellt. Bereits morgens vor 7 Uhr stehen Dutzende Zuschauer auf dem Firmengelände hinter einer Absperrung, um die Abfahrt des riesigen Transports zu beobachten. Das Spezialfahrzeug ist das erste von einem Dutzend Transportern, die zukünftig in einem Stahlwerk eingesetzt werden, um glühende Stahlträger vom Hochofen zur Weiterverarbeitung zu transportieren.

Die Besatzungen mehrerer Streifenwagen werden genauso wie die Fahrer der Absicherungsfahrzeuge in die Feinheiten der Fahrtstrecke eingewiesen, denn das 70 Meter lange Fahrzeug muss sich sehr genau an die vorgegebene Strecke halten, um nirgendwo hängen zu bleiben.

Schwertransport von knapp sechs Meter Höhe

Die 132 Tonnen Gewicht des Stahltransporters sind fast schon das kleinere Problem, denn die Höhe von knapp sechs Metern ist weit mehr als die normale Lkw-Höhe von vier Metern. Ampelausleger sind da genauso im Weg wie Brücken.

Obwohl alle Achsen des Schwertransporters einzeln gelenkt werden können, sind Kurven und Einmündungen kritische Stellen, für die zentimetergenau ausgeholt werden muss. Monate vorher musste die Fahrtstrecke geplant werden und Genehmigungen eingeholt werden.

Für die Fahrt bis nach Heilbronn ist der Transport insgesamt vier Tage unterwegs. Alleine, um aus dem Firmenhof zu kommen, musste der gegenüberliegende Gehweg mit Stahlplatten und Kunststoffmatten geschützt werden, damit der Laster darüber fahren konnte.

Gleich nach dem Abbiegen nach rechts ging es 200 Meter im Rückwärtsgang, damit dann die Boschstraße vorwärts befahren werden konnte. Und plötzlich parkte auf einer Wiese neben der Straße ein Auto. Der Platz war aber notwendig, um den Transport dort ausscheren zu lassen. Die Spedition war zum Glück darauf vorbereitet. Mit speziellen Rollwagen konnte das Auto angehoben werden und mit Muskelkraft weggeschoben werden, bis der Platz reichte.

Stadtmitarbeiter stoppt den Transport

Noch vor der B311 stoppte dann Gerhard Fraidel von der Stadt Ulm den Transport. Der Abteilungsleiter für die Verkehrsinfrastruktur ist Brückenfachmann und hat im Vorbeigehen bemerkt, dass am Transport etwas nicht ganz zur Genehmigung passt.

Das Bauwerk 13, die Brücke über die Bahnlinie Ulm-Ehingen, trägt zwar die Last des Schwertransports, aber nur, wenn nicht zu viele Achsen gleichzeitig auf die Brücke drücken. Die Auflage der Stadt Ulm war ganz klar und die Spedition wollte die auch einhalten. Doch der Transport stand durch das Wenden verkehrt herum vor der Brücke, die Achsenzahl vor und hinter dem Schwanenhals des Transports war von der Gewichtsverteilung nicht passend.

Nun musste die Zugmaschine abgekuppelt werden und hinten ein leer mitfahrender Schub-Lkw angekuppelt wer, damit die Brücke nicht unnötig schwer belastet wird. Unten auf der B311 muss der Transport dann abermals die Richtung wechseln, die Zugmaschine kommt wieder auf die andere Seite.

Erst die fünfte Streckenvariante machte es möglich, unter allen Brücken durchzukommen oder sie zu umfahren. Die erste Unterquerung war die Brücke von der B311 auf die Graf-Arco-Straße am Südende des Ulmer Donautals. Hier reicht der Platz auch nicht aus. Daher musste der Transporter über die Gegenfahrbahn die Abfahrtsrampe hinauf und auf der anderen Seite die Auffahrtsrampe wieder hinunter, um in Richtung Erbach fahren zu können. Der weitere Weg geht dann in weitem Bogen Richtung Münsingen, Heidenheim, Ellwangen, Schwäbisch Hall und Heilbronn.

Im Industriegebiet Donautal in Ulm hat am Pfingstmontag ein Schwertransport für Aufsehen gesorgt. Foto: Thomas Heckmann

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