Spatzen-Trainer Holger Bachthaler kann zufrieden sein.
Spatzen-Trainer Holger Bachthaler kann zufrieden sein. (Foto: Archiv Deines)
Gideon Ötinger

Die Gegentribüne des Dietmar-Hopp-Stadions in Sinsheim ist ein komisches Gebilde. Ein paar Stufen bieten 350 Stehgästen Platz, die immerhin den Vorteil haben, dass sie die schnöde, graue und scheinbar funktionslose Wand hinter sich nicht sehen müssen. Ansonsten hätten sie das gleiche Bild vor Augen wie die Gäste auf der Haupttribüne: einen grauen Bau hinter dem Platz, der den Charme einer Garagenlandschaft in Berlin versprüht.

Dieser Bau wurde Zeuge, wie zwei Spatzen-Spieler, die jeweils eine Hälfte lang vor ihm auf der Linie hin und her rannten, der Partie der TSG 1899 Hoffenheim II gegen den SSV Ulm 1846 Fußball ihren Stempel aufdrückten. Rechtsverteidiger Lennart Stoll bereitete zwei Treffer vor, Linksverteidiger Marcel Schmidts machte ein Tor selbst. Am Ende gewannen die Spatzen mit 4:0 (2:0) und die 200 Zuschauer erlebten einen seltenen Ulmer Torrausch. Die Höhe des Sieges war aber nicht alleine bemerkenswert.

Da wäre auch die Auswärtsbilanz der Ulmer Spatzen, die innerhalb einer Woche einen ordentlichen Schönheitsschub verpasst bekommen hat. Ulms Erfolg gegen Hoffenheim war der zweite Sieg auf fremdem Platz in Folge, nachdem schon der VfB Stuttgart II am Sonntag vor einer Woche mit 2:0 besiegt wurde. Eine solche Serie hatte die Mannschaft von Holger Bachthaler in dieser Saison noch nicht erlebt. Im Übrigen genauso wenig wie drei Siege nacheinander, denn vor dem Erfolg beim VfB hatten die Spatzen den FSV Mainz II geschlagen. Der höchste Saisonsieg war es obendrein. Drei Bundesliga-Reserven, drei Siege – das hört sich ganz schön gut an für die Ulmer. Dass jetzt auch die Tordifferenz mal wieder in positiven Gefilden verweilt, gerät da fast zur Nebensache.

Ohnehin war im Wirbel der vergangenen Woche etwas untergegangen, dass sich Ulm nach dem Durchhänger im Winter wieder etwas gefangen hat. In den vergangenen Tagen beherrschte nämlich einerseits der Weggang von DFB-Präsident Reinhard Grindel die Themenlage, was für die Spatzen bedeutete, dass sie sich für die Eröffnung ihres neuen Funktionsgebäudes am kommenden Freitag einen neuen Gast suchen müssen. Andererseits stand der Mittelfeldspieler Luigi Campagna im Blickpunkt. Unter der Woche war bekannt geworden, dass der Italiener nach der Saison gehen wird. Zu wenig Geld bot ihm der SSV angeblich. Wohin es ihn nun ziehen wird, ist unklar. Die Stuttgarter Kickers gelten als heißer Kandidat. Unklar war ebenfalls, ob er gegen Hoffenheim spielen würde. Bachthaler hatte unter der Woche angedeutet, dass es er anderen den Vorzug geben könnte. So kam es allerdings nicht. Campagna stand von Beginn an auf dem Platz, genau wie Florian Krebs, der wieder in die Abwehr rückte. Vinko Sapina startete ebenfalls, so wie Winter-Neuzugang Felix Higl. Vorne stürmte Vitalij Lux, dem Holger Bachthaler vor dem Spiel eine „aufsteigende Tendenz“ attestierte. Das galt auch für die Mannschaftsleistung über 90 Minuten. Ulm war aktiver und traf in der 21. Minute durch Vinko Sapina zum 1:0. Das 2:0 durch Felix Higl folgte 20 Minuten später, eingeleitet wurde es von Lennart Stoll mit einem schönen Pass von der rechten Seite. Stoll hatte zuletzt ein paar trainingsfreie Tage bekommen, weil sein Trainer den Eindruck gehabt hatte „dass er in einem Tief war“. Es schien, als sei Stoll aus diesem wieder herausgekrochen. Auch das 3:0 durch den eingewechselten Ardian Morina (71.) bereitete der Außenverteidiger vor. Den Schlusspunkt im Ulmer Torreigen setzte Stolls Kollege. Marcel Schmidts traf zum 4:0 (77.). „Das vierte Tor hätte es nicht mehr gebraucht, fiel aber zwangsläufig“, sagte Hoffenheims Trainer Marco Wildersinn. Zu gut war der SSV. Er dürfte mit einem guten Gefühl zum WFV-Pokalspiel am Mittwoch nach Leinfelden-Echterdingen reisen.

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