Spatzen gegen Worms: Fallrückzieher, Polizeieinsatz und eine kaputte Hose

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Die drei Torschützen des Tages (von links): Johannes Reichert, Luigi Campagna und David Braig. Campagna traf per direktem Freis
Die drei Torschützen des Tages (von links): Johannes Reichert, Luigi Campagna und David Braig. Campagna traf per direktem Freistoß und Braig zeigte einen Fallrückzieher in bester Cristiano-Ronaldo-Manier. (Foto: Horst Hörger)
Gideon Ötinger

Wie ein Plan in die Hose gehen kann, hat Steven Jones, Trainer des Fußball-Regionalligisten Wormatia Worms, am Samstag feststellen müssen. „Wir wollten die ersten 15 Minuten gut überstehen“, sagte er nach dem Spiel gegen den SSV Ulm 1846 im Donaustadion. Es lief nicht wie erhofft, denn schon nach etwas über 20 Sekunden lag sein Team mit 0:1 zurück. Am Ende gewann Ulm 3:0.

Es war ein Spiel, das auf und neben dem Platz einiges zu bieten hatte. Die Ulmer zeigten phasenweise starke Kombinationen und zwei herausragend schöne Treffer. Im Blickpunkt außerhalb des Grüns standen die Polizei, die Hose des Ulmer Stürmers Ardian Morina und Spatzen-Verteidiger David Kammerbauer, der mit einer Platzwunde vom Feld musste.

Bevor sich all das den Zuschauern offenbarte, dauerte es 20 Minuten länger als geplant. Die Wormser standen im Stau und kamen später. Nach dem Anstoß schienen sie gedanklich immer noch im Bus zu sitzen und ließen Johannes Reichert gewähren, der nach Doppelpass mit Morina im Strafraum zum Schuss kam und traf (1.). Mit dem Druck der Ulmer hatten die Gäste offenbar nicht gerechnet. Die Heimelf ließ den Ball laufen und kam zu kleineren Gelegenheiten. Bis eine Chance genutzt wurde, dauerte es aber 40 Minuten. Eine Flanke von Steffen Kienle leitete Morina mit der Hacke weiter zu David Braig, der den Ball mit einem Fallrückzieher zum Tor veredelte und damit seine Torflaute beendete.

Mit der Ulmer 2:0-Führung ging es in die Pause und danach ging es spektakulär weiter. Einen Freistoß drosch Luigi Campagna in den Torwinkel (48.). Gästetorwart Steve Kroll blickte so verdutzt drein wie der Rest seine Mannschaft. Campagna schien weniger überrascht. „Wir haben das im Training trainiert“, sagte er. „Aber da gingen die Bälle immer drüber.“

Wenig später herrschte Trubel im Stadion. Rund 20 Polizisten eilten zum Block I, in dem es Rangeleien unter Zuschauern gab. Dramatisch schien es nicht gewesen zu sein, dennoch wurden zwei Zuschauer abgeführt, ein weiterer wurde behandelt. Hitzig war die Stimmung aber nie.

Ulm zog sich nach dem 3:0 in die eigene Hälfte zurück und ließ Worms spielen. Die Belastung der vergangenen Wochen machte sich bemerkbar. Und auf dem Platz standen bis auf Torwart Holger Betz und Kapitän Florian Krebs dieselben Akteure wie im Pokalspiel gegen Aalen am Mittwoch.

Ermüdungserscheinungen machten sich in der 60. Minute auch bei der Hose von Ardian Morina bemerkbar. Nur noch in Fetzen hing sie da, was auf der Ulmer Bank Turbulenzen auslöste, denn Ersatz war zunächst nicht zu finden. Es dauerte zwei Minuten, ehe Morina wieder aufs Feld kam. Doch Ulm hätte wohl auch zu zehnt spielen können, von Worms kam zu wenig. Die letzte nennenswerte Aktion betraf David Kammerbauer, der sich bei einem Kopfballduell eine Platzwunde zuzog und genäht werden musste. Für ihn kam Tino Bradara ins Spiel. Am Ergebnis änderte das nichts mehr.

„Der Sieg war auch in dieser Höhe verdient“, sagte Ulms Trainer Tobias Flitsch. „Aber zur Halbzeit müssen wir höher führen.“ Steven Jonas, Trainer von Worms, war bedient. „Wir wussten, wie schwer es ist, wenn die Ulmer 1:0 führen. Sie waren in allen Belangen überlegen. Unsere Niederlage ist absolut verdient.“

Für Ulm war es ein wichtiger Sieg. Ein möglicher Abstieg ist nun noch ein Stück weiter in die Ferne gerückt. „Es läuft alles gut“, so Flitsch. In den nächsten Tagen will er sich entscheiden, ob er Spatzen-Trainer bleibt.

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