So will Neu-Ulm Plastikmüll reduzieren

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 3756 Tonnen Verpackungsmüll wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Neu-Ulm über den Gelben Sack eingesammelt: 24 Kilo pro Kopf
3756 Tonnen Verpackungsmüll wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Neu-Ulm über den Gelben Sack eingesammelt: 24 Kilo pro Kopf. (Foto: dpa / Julian Stratenschulte)
Michael Ruddigkeit

3756 Tonnen Verpackungsmüll wurden voriges Jahr im Landkreis Neu-Ulm über den Gelben Sack eingesammelt. Dazu kommen 390 Tonnen, die an den Recyclinghöfen angeliefert wurden. Macht pro Kopf 24 Kilogramm.

Wie viel Plastikmüll in der Stadt Neu-Ulm anfällt, ist dagegen unbekannt. Das Duale System, der Vertragspartner des Abfallwirtschaftsbetriebs, bricht die Zahlen nicht auf einzelne Kommunen herunter. Für die Neu-Ulmer Stadträte steht dennoch fest: Sie wollen einen Beitrag zur Verringerung des Plastikmülls leisten.

Auf Initiative der FDP-Fraktion wird die Verwaltung auf Beschicker des Neu-Ulmer Wochenmarkts, den Verein „Wir in Neu-Ulm“, die Glacis-Galerie und weitere Einzelhändler zugehen, um mit ihnen über Möglichkeiten der Plastikvermeidung zu sprechen.

Dabei geht es um Verpackungen sowie Kunststofftüten, insbesondere die sogenannten „Hemdchenbeutel“, in die Obst und Gemüse gefüllt werden. Mit den Marktleuten sei bereits über die Einführung von Stofftaschen gesprochen worden, erläuterte Thomas Nägele, der Leiter der Abteilung Sicherheit und Ordnung.

Demnächst sei wieder eine Versammlung, dann solle das Thema angesprochen werden. Gegen den Vorschlag der Verwaltung, ein Informationsblatt zur Kunststoffvermeidung zu erstellen, sprachen sich dagegen alle Fraktionen aus.

Es sei besser, direkt auf Händler und Kunden zuzugehen, so der Tenor. Bis Frühjahr soll die Verwaltung den Stadtrat über das Ergebnis der Gespräche informieren.

Der Kampf gegen Plastikmüll wird in kleinen Schritten angegangen

„Wir können kein kommunales Plastikverbot verhängen“, sagte Johannes Stingl (CSU). „Die Stadt sollte aber einen Beitrag zur Abfallvermeidung leisten.“ Neu-Ulm solle an der europäischen Woche der Abfallvermeidung teilnehmen, beantragte Alfred Schömig (FDP). „Die Stadt hat eine Vorbildfunktion“, sagte er.

Den Antrag wird die Verwaltung nun prüfen. Ebenso, ob die Möglichkeit besteht, bei den Sitzungen des Stadtrats auf Wasserflaschen aus Plastik zu verzichten.

Wir müssen den Druck nach oben verstärken

Hermann Hillmann (CSU)

Fachbereichsleiter Anton Bullinger berichtete, dass schon einiges zur Müllvermeidung getan wird. So befüllen Metzgereien mitgebrachte Behälter, ebenso Bäckereien. Im Landkreis sei das Mehrwegpfandsystem „Recup“ gestartet. Beim Neu-Ulmer Stadtfest sowie bei Dorf- und Vereinsfesten sei das Geschirrmobil im Einsatz. Die Einführung einer städtischen Müll-App werde derzeit noch geprüft.

„Wir müssen den Druck nach oben verstärken“, forderte Hermann Hillmann (CSU). Fraktionen sollten in ihre Parteien hineinwirken, Kommunen in den Gemeinde- und Städtetag. Sein Parteifreund Bernhard Maier regte an, einen Fachmann einzuladen, der in einer Sitzung erklärt, was eine Kommune zur Abfallvermeidung beitragen kann.

„Jeder Bürger ist zuständig“, sagte Stephan Salzmann (PRO). „Das geht durch die gesamte Gesellschaft.“ Für die Stadt forderte er: „Wir sollten ein klares Ziel formulieren, wo wir hinwollen.“

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