So will Neu-Ulm die Unfallzahlen senken

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 Insgesamt 2506 Unfälle haben sich im vergangenen Jahr im Stadtgebiet Neu-Ulm ereignet.
Insgesamt 2506 Unfälle haben sich im vergangenen Jahr im Stadtgebiet Neu-Ulm ereignet. (Foto: Thomas Heckmann)
Ariane Attrodt

Insgesamt 2506 Unfälle haben sich im vergangenen Jahr im Stadtgebiet Neu-Ulm ereignet, bei fast jedem Fünften davon wurde jemand verletzt. Diese Zahlen wurden jetzt im Technischen Ausschuss öffentlicher Lebensraum und Verkehr vorgestellt. An zwei großen Unfallschwerpunkten will die Stadt nun weitergehende Maßnahmen ergreifen. Eine weitere Problemstelle steht derweil noch auf der Warteliste.

Grundsätzlich ist die Zahl der Unfälle im Stadtgebiet im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent zurückgegangen. Das liegt vor allem an kleineren Unfällen, bei denen es beim Blechschaden blieb, auch die Zahl der Unfälle mit Verletzten ist leicht rückläufig.

Gestiegen sind dagegen Unfälle mit Straftatbestand oder solche, die mit Bußgeld geahndet werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss unterwegs ist oder gar keine Fahrerlaubnis hat. Besonders Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, gab es mehr – mit 35 Stück sind es fast 30 Prozent mehr als noch 2017.

Stephan Endres, Leiter der Abteilung Straßen- und Verkehrsrecht bei der Stadt, bilanzierte: „Nach meinem Eindruck verschlechtert sich die Verkehrsmoral kontinuierlich.“ An den Unfällen waren insgesamt 157 Radfahrer beteiligt – 124 davon wurden verletzt. Endres: „Der Appell an Radfahrer einen Helm zu tragen, hat einen traurigen Hintergrund.“

60 Unfälle ereigneten sich am Allgäuer Ring

Am Allgäuer Ring ereigneten sich 60 Unfälle, bei denen es mehr als nur einen kleinen Blechschaden gab. Gekracht hat es besonders zwischen 13 und 19 Uhr. „Die Logik liegt auf der Hand, da gibt es die höchste Verkehrsdichte“, sagte Endres. Allerdings werde dann durchschnittlich auch langsamer gefahren. Deshalb sei die Verwaltung nach wie vor überzeugt, dass Tempo 30 an dieser Stelle wenige Sinn ergebe.

Viele Unfallschwerpunkte werden laut Verwaltung bereits durch den Ausbau der B10 bereinigt. An zwei weiteren will die Stadt nun schnellstmöglich handeln: So soll am Einmündungsbereich Memminger Straße/Boschstraße (vier Unfälle in 2018) ein Pilotversuch gestartet werden: Durch eine bauliche Maßnahme wie die Anhebung des Radweges soll es hier sicherer werden. An der Einmündung Neu-Ulmer Straße/Jedelhauser Straße (zehn Unfälle) soll zudem geprüft werden, ob eine bauliche Umgestaltung hermuss oder besser eine Ampel eingerichtet werden sollte.

Wir haben doch leider viele unaufmerksame Verkehrsteilnehmer – und da zählen alle dazu.

Waldtraud Oßwald (CSU)

Waldtraud Oßwald (CSU) stellte fest: „Wir haben doch leider viele unaufmerksame Verkehrsteilnehmer – und da zählen alle dazu.“ Angesichts der steigenden Unfälle unter Alkoholeinfluss regte sie an, spezielle abendliche Spezialkontrollen durchzuführen wie derzeit in Augsburg. Sie erkundigte sich auch nach dem Zeitplan am Allgäuer Ring. „Wenn wir warten, bis alle Baustellen fertig sind, sehe ich die nächsten Jahre da nichts auf uns zukommen.“ Oberbürgermeister Gerold Norenberg entgegnete, dass mehrere Maßnahmen hintereinander durchgeführt werden müssten. Oberste Priorität habe die Reuttier Straße. „Erst wenn die fertig ist, kommt der Allgäuer Ring.“ 

Auch Andreas Schuler (FWG) sprach das Thema Allgäuer Ring an: „Das Ergebnis ist eindeutig, woran es beim Allgäuer Ring liegt – an den Einfahrten die zweispurig und einfach unübersichtlich sind.“ Er bemängelte, dass man aus Sicht der Verwaltung „wegen der geringen Unfallzahlen und des noch laufenden Verkehrsversuchs“ noch immer keine aussagekräftige Bewertung der Umlaufsperren machen könne: „Irgendwann muss man auch mal zugestehen, dass es nicht funktioniert – und dann muss man die wieder abbauen.“

Endres entgegnete, dass man derzeit nur ganz verschiedene Schlüsse über die Wirksamkeit treffen könne – je nachdem, welche Ein- oder Ausfahrt des Allgäuer Rings man betrachte. So hat es an der westlichen Ausfahrt nur einmal gekracht, an der östlichen Ausfahrt aber achtmal. „Die Zahlen springen zu sehr“, sagte Endres und fügte hinzu: „Ich bleibe dabei: die Intention der Umlaufsperren geht in die richtige Richtung.“ Man solle sich weiterhin die Zeit geben, bis man verlässliche Daten habe.

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