So steht es um die Genossenschaftsbanken in der Region

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Werden SB-Geräte kaum genutzt, werden sie abgebaut.
Werden SB-Geräte kaum genutzt, werden sie abgebaut. (Foto: Schellhorn)

Um 3,5 Prozent auf jetzt 5,2 Milliarden Euro ist die vereinte Bilanzsumme der acht Volksbanken und Raiffeisenbanken in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis im vergangenen Jahr gestiegen. Auf Spareinlagen im siebenstelligen Bereich legt die Volksbank Ulm-Biberach inzwischen die Negativzinsen um. Doch insgesamt haben es die Genossenschaftsbanken in der Region geschafft, die rückläufigen Zinsüberschüsse mit einem guten Neugeschäft im Kreditbereich und einem guten Provisionsgeschäft nahezu zu kompensieren, wie am Mittwoch bei der Vorstellung der Bilanz bekanntgegeben wurde.

„Geht es der Wirtschaft und den Unternehmen gut, sind auch wir nicht unzufrieden mit unserer Entwicklung“, fasste der Sprecher des Vorstandes der Volksbank Ulm-Biberach, Ralph P. Blankenberg, die aktuelle Situation der genossenschaftlichen Banken in der Region gleich zu Beginn zusammen. Erstmals sei das betreute Kundenvolumen auf mehr als zehn Milliarden Euro gestiegen. Bei Krediten und Einlagen verzeichnen die Volksbanken und Raiffeisenbanken Zuwächse, was dazu führe, dass die Bilanzsumme auf rund 5,2 Milliarden Euro gestiegen ist.

In der Region wird kräftig investiert

Nach wie vor wird in der Region kräftig investiert, was sich auch in der Entwicklung der Kundenforderungen zeige, die gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent auf rund 3,3 Milliarden Euro angewachsen sind. Laut Blankenberg seien diese Investitionen vor allem der schon lange anhaltenden Niedrigzinsphase zu verdanken. Sorge bereitet ihm aber, dass Baupreise und Mieten immer weiter steigen und inzwischen kaum eine Finanzierung ohne Kostenüberschreitungen auskomme. „Die Kosten für die Bauherren werden unkalkulierbar.“ Schon automatisch rechneten die Banken inzwischen bei der Finanzierung 15 bis 20 Prozent Kostensteigerung in den Plan ein.

Ein Plus von 3,2 Prozent verzeichnen die acht Banken auch bei den Kundeneinlagen (3,7 Milliarden Euro). Doch laut Blankenberg ist diese Entwicklung ein „zweischneidiges Schwert“. Denn für jeden Euro, den die Banken bei der Zentralbank „parken“ müssen, werden 0,4 Prozent Minuszins fällig, die zumindest die Volksbank Ulm-Biberach inzwischen auf Spareinlagen im siebenstelligen Bereich umlegt. „Alle weiteren Kosten bleiben an den Kreditinstituten hängen“, so der Sprecher des Vorstandes in seinen Ausführungen. Er ergänzte, dass sich die Zinssituation auf absehbare Zeit nicht ändern werde.

Positiv bewertet er, dass immer mehr Kunden auf ihren Girokonten Gelder bereithalten, die dann kurzfristig verfügbar sind. „Das zeigt die Vorsicht der Kunden.“ Rückläufig ist bei den Genossenschaftsbanken die Zahl der Mitarbeiter. Waren 2017 noch 765 Vollbeschäftigte im Dienst der Banken, waren es 2018 nur noch 754.

Die Kunden kommen trotzdem an Geld. Notfalls bringen wir es nach Hause. 

Ralph P. Blankenberg

Weniger – unter anderem aus Frequenzgründen – werden auch die Filialen, in denen die Kunden ihren Bankgeschäften nachgehen können. Eine haben die Banken vergangenes Jahr geschlossen. Wie schon berichtet, werden im Laufe des Jahres drei weitere auf der Laichinger Alb geschlossen. Auch zwei SB-Geräte haben die Banken stillgelegt, weil sie kaum noch genutzt wurden. „Die Kunden kommen trotzdem an Geld. Notfalls bringen wir es nach Hause“, ergänzte Blankenberg. „Wir haben diejenigen auf dem Schirm, die auf Hilfe angewiesen sind.“

Doch immer mehr Kunden würden ihre Bankgeschäfte ohnehin online erledigen. Insgesamt 83 719 Onlinekonten gibt es derzeit. Doch gerade bei Finanzierungen und Geldanlagen sei persönliche Beratung wichtig und nachgefragt.

Immer wieder, so der Vorstandssprecher der Volksbank Ulm-Biberach, werde er danach gefragt, wie sich der Brexit auf das Geschäft der Banken und die hiesige Wirtschaft auswirken wird. „Ich glaube nicht an einen ungeregelten Brexit und auch nicht an wesentliche Auswirkungen auf die Region.“ Nur mittelbar werde der Austritt der Briten aus der EU Deutschland Geld kosten. „Die deutschen Unternehmen haben sich auf die Situation eingestellt.“

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