So retten Hunde das Leben von Verunglückten

Lesedauer: 5 Min
Rettungshundestaffel der Ulmer Feuerwehr. Schäferhündin Clover (2 1/2 Jahre)
Rettungshundestaffel der Ulmer Feuerwehr. Schäferhündin Clover (2 1/2 Jahre) (Foto: Andreas Brücken)
Andreas Brücken

Die Szene erinnert an die Katastrophe von Genua, die mit dramatischen Bilder seit dem vergangenen Monat um Welt geht: Riesige Betonteile stapeln sich zerborsten übereinander, dazwischen liegen Glasscherben und zahlreiche Metallstangen ragen wie überdimensionale Stachel aus den Trümmern hervor. Feuerwehrleute klettern über den Schutthaufen und suchen mit ihren Hunden nach Personen, die sich in den Hohlräumen der Ruine aufhalten könnten.

Doch das Szenario gehört nicht zu einem tragischen Unglück, es ist eine Übung der Rettungshundestaffel der Feuerwehr in Ulm. Für die Gruppenführerin Amrei Groß ist die Möglichkeit, in den Trümmern eines abgerissenen Hauses zu trainieren, ein echter Glücksfall: „Wir sind immer froh, wenn uns eine Abbruchfirma erlaubt, in den Resten eines Hauses den Ernstfall zu proben.“ Realistischer, als in diesen Trümmern gehe es schließlich nicht.

Im Ernstfall einem Menschen das Leben retten

Ihre zweieinhalbjährige Schäferhündin Clover steht aufgeregt neben ihr. Der Körper des Tieres ist angespannt und die Augen sind auf ihr Frauchen gerichtet. „Mit Freude und Spaß müssen die Hunde ihren Job machen“, erklärt Groß. Ob sie in der Übung ein Gruppenmitglied aufspüren oder im Ernstfall einem Menschen das Leben retten müssen, ist den Tieren dabei egal.

Die Hundeführerin zeigt auf einen Beutel mit rohem Fleisch und einem Spielball, der die Belohnung für Clovers Arbeit sein soll: „Die Bezahlung muss stimmen“, sagt sie und gibt ihrem Vierbeiner das Kommando, mit der Suche zu beginnen.

Zielstrebig steigt gleich darauf die Schäferhündin auf den Trümmerhaufen hoch, die Schnauze immer wieder zum Boden geneigt, um die Fährte der versteckten Person nicht zu verlieren. Hin und wieder blickt sich Clover zu ihrem Frauchen um, als ob sie sich noch einmal eine positive Bestätigung für ihre Suchaktion holen möchte.

Nach wenigen Minuten bleibt die Hündin bellend stehen und zeigt damit an, dass sie fündig geworden sei. Sichtlich erleichtert klettert das Übungsopfer Kerstin, in knalloranger Weste, Helm und Hose aus den Trümmern hervor. Sie hatte sich im noch erhaltenen Erdgeschoss des Abbruchhauses versteckt. „In der Toilette einer Kneipe, die im Gebäude untergebracht war“, erklärt die junge Frau, die sich den Staub von der Kleidung klopft. Drei weitere Personen haben sich unter den Betonplatten versteckt. Auch die vierjährige Jagdterrierin Hella wird im Schalterraum einer ehemaligen Bank fündig.

20 bis 30 Einsätze pro Jahr

Als vierbeiniger Lebensretter eigne sich fast jede Rasse, erklärt Gruppenführerin Groß. Insgesamt 30 Hunde sind derzeit in der Rettungshundestaffel der Ulmer Feuerwehr im Dienst. Zwischen 20 und 30 Einsätze haben die Helfer in einem Jahr.

Jüngster Ernstfall war eine vermisste Person, die vor ein paar Wochen lebend gefunden werden konnte, erzählt Groß. Nicht immer ende eine Suchaktion glücklich. In zwölf Jahren habe sie schon oft miterlebt, dass die gesuchte Person nur noch tot geborgen werden konnte.

Oft seien es alte Menschen oder Kinder, die orientierungslos umherirren und sich damit nicht selten in lebensbedrohliche Situationen bringen, erklärt Groß. Die feine Schnauze der Rettungshunde ist in der Lage, große, dicht bewachsene Wald- und Freiflächen innerhalb kurzer Zeit flächendeckend abzusuchen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen