Sind unsere Wasserrohre noch dicht?

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 Trinkwasser aus der Leitung – eine klare Sache. Zumindest sollte es so sein. Aber in Schwaben sind angeblich zahlreiche Leitung
Trinkwasser aus der Leitung – eine klare Sache. Zumindest sollte es so sein. Aber in Schwaben sind angeblich zahlreiche Leitungen marode. Das Landesamt für Umwelt schlägt Alarm. Wie ist der Zustand im Kreis Neu-Ulm? (Foto: Alexander Kaya)
Christoph Lotter

Einmal kurz am Wasserhahn hantiert, schon sprudelt das kühle Nass aus der Leitung. Für die meisten Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit – doch das sehen nicht alle so. Untersuchungen des Landesamts für Umwelt (LfU) zufolge sind zehn bis 15 Prozent der Rohre in Schwaben bald sanierungsbedürftig. Probleme mit der Hygiene und ein Sanierungsstau drohen. Ganz so selbstverständlich ist das frische Trinkwasser aus dem Hahn also keineswegs.

Bis es dort ankommt, muss es quer durch ein verzweigtes Rohrnetz fließen. Das ist ganz entscheidend, wenn es um die Qualität des Wassers geht. Die wird zwar regelmäßig geprüft und unterliegt strengen Vorschriften, doch die Rohrnetze stammen teilweise aus den 1960er und 1970er Jahren. Trotzdem schütteln manche Verantwortliche im Landkreis in Reaktion auf die Studie nur den Kopf. So ist es um die hiesigen Leitungen bestellt.

Ulm/Neu-Ulm Bernd Jünke, Sprecher der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU), gibt für den Bereich in und um die Kreisstadt Entwarnung: „Die Leitungen sind in einem guten Zustand und werden laufend überwacht. Auffällige Abschnitte werden umgehend erneuert.“ Vorgesehene Arbeiten setzten die SWU in Abstimmung mit anderen Baumaßnahmen um. Jünke zufolge investieren die Stadtwerke rund eine Million Euro jährlich in das knapp 425 Kilometer lange Rohrnetz. Auch das Trinkwasser selbst unterziehen Mitarbeiter der Stadtwerke einer ständigen Qualitätskontrolle: „Es sind bislang keine Hygieneprobleme aufgetreten“, sagt Jünke.

Das Kanalnetz im Neu-Ulmer Untergrund ist insgesamt 278,5 Kilometer lang. Die Arbeiten an den Leitungen werden die Stadt auf Jah
Das Kanalnetz im Neu-Ulmer Untergrund ist insgesamt 278,5 Kilometer lang. Die Arbeiten an den Leitungen werden die Stadt auf Jahre hinaus beschäftigen. (Foto: Grüninger)

Weißenhorn Marode Wasserrohre sucht man in der Fuggerstadt laut Robert Tschamler, Wassermeister des Wasserwerks Weißenhorn, vergeblich: „Weißenhorn ist, was das Rohrnetz angeht, bestens für die Zukunft aufgestellt.“ Die Leitungen erstrecken sich insgesamt über eine Länge von 91 Kilometern. Lediglich vier Kilometer davon sind nach Aussagen von Tschamler über 60 Jahre alt. „Wir haben aber auch vereinzelt Rohre im Netz die über 100 Jahre alt sind, auch die funktionieren noch problemlos“, betont er. Das Wasserwerk müsse nur hin und wieder nachbessern. Probleme mit Rohrbrüchen gebe es meist im Frühjahr, wenn auf den Frost warme Temperaturen folgen: „Dann entstehen in eineinhalb Metern Tiefe Spannungen an den alten Grauguss-Rohren. Dass kann zu Brüchen führen“, sagt Tschamler.

Bei allem über fünf Prozent würden bei mir schon die Alarmglocken läuten.

Bernd Hillemeyer

Illertissen Das rund 135 Kilometer lange Rohrnetz in Illertissen ist nach Angaben von Bernd Hillemeyer „absolut nicht marode“. Der Betriebsleiter des Wasserwerks in Illertissen ist von den Angaben des LfU überrascht: „Wenn man von den zehn bis 15 Prozent maroder Rohe in Bayern und einem Drittel Wasserverlusten list – wenn das bei uns auch der Fall wäre, da könnte ich nachts nicht mehr ruhig schlafen.“ Der Verlust betrage in Illertissen in der Regel zwei bis vier Prozent. „Bei allem über fünf Prozent würden bei mir schon die Alarmglocken läuten“, betont Hillemeyer. Die Rohre seien kaum älter als 40 Jahre. „Wir versuchen, frühzeitig auszubessern und zu optimieren.“

Der generelle Zustand der Wasserleitungen ist befriedigend.

Rainer Löhle vom Bauamt Senden

Senden Mit etwa zehn Prozent zu sanierender Wasserleitungen im Stadtgebiet liege Senden gemäß der LfU-Untersuchung im bayernweiten Trend: „Der generelle Zustand der Wasserleitungen ist befriedigend“, sagt Rainer Löhle vom Bauamt. Das rund 140 Kilometer lange Rohrnetz entwickelte sich in den vergangenen 70 Jahren. Löhle: „In solch einem historisch gewachsenen System sind zwangsläufig immer wieder Rohrleitungen zu reparieren oder auszutauschen.“ Rund 400 000 Euro werden jährlich in das Netz investiert, ein Investitionsstau sei mittelfristig nicht zu erwarten. „Marode Wasserleitungen mit akutem Handlungsbedarf sind nicht vorhanden“, betont Löhle. Auch Hygieneprobleme sind nach seiner Aussage keine vorhanden.

Vöhringen Etwa zehn Prozent sanierungsbedürftiger Wasserleitungen gibt es in Vöhringen – damit liegt die Stadt im Durchschnitt des Freistaats. Bernd Hieber vom Stadtbauamt bezeichnet den generellen Zustand des Netzes als „überwiegend gut und zukunftsfähig“. Auffällige Leitungen gebe es im 94 Kilometer langen Netz nur punktuell. Viele Rohre stammten aus den 1970er und 1980er Jahren. Die Kosten für deren Sanierung belaufen sich auf jährlich knapp 500 000 Euro. Leitungen erneuert die Stadtvor allem bei Straßenausbauarbeiten. Ein Anstieg von Hygieneproblemen sei nicht zu beobachten.

Babenhausen Probleme mit hohen Wasserverlusten gab es zuletzt in Babenhausen: Teils war mehr als ein Drittel des geförderten Wassers aus dem Weg zu den Hähnen verloren gegangen. Das Landratsamt Unterallgäu hatte daraufhin eine Prüfung veranlasst, wobei 18 Rohrbrüche entdeckt worden waren.

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