Senioren verursachen immer mehr schwere und tödliche Unfälle

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Die Polizei will vermehrt darauf achten, ob Fahrer noch in der Lage sind, ein Fahrzeug zu führen.
Die Polizei will vermehrt darauf achten, ob Fahrer noch in der Lage sind, ein Fahrzeug zu führen. (Foto: Symbol: Felix Kästle)

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm hat im vergangenen Jahr erstmals seit 2014 wieder abgenommen. Doch nur im Bereich der Kleinstunfälle und Sachschaden. Deutlich gestiegen ist die Zahl der Unfälle, bei denen Personen verletzt wurden. Eine Entwicklung, mit der die Polizei höchst unzufrieden ist, wie Polizeipräsident Christian Nill bei der Präsentation der Zahlen am Donnerstag in Ulm betonte. Mit zahlreichen Initiativen will die Polizei nun gegen die Hauptursachen von Unfällen vorgehen.

4072 Personen sind 2018 im Straßenverkehr verletzt worden. Ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und eine Entwicklung, die der Polizei Sorge bereitet. Denn die Bekämpfung der Ursachen schwerer Verkehrsunfälle ist seit Jahren eines der Haupthandlungsfelder der Polizei. Erfolge sind im Bereich der Unfälle zu verzeichnen, die auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind.

Intensiv wurde in den vergangenen Jahren kontrolliert und so wurden insgesamt mehr als 92 000 Fahrer wegen zu schnellem Fahren verwarnt oder angezeigt. Ein Viertel mehr als im Vorjahr. Parallel dazu gingen die Unfälle durch Missachten der Vorfahrt (minus ein Prozent), durch Fehler beim Abbiegen (minus zehn Prozent) oder beim Überholen (minus neun Prozent) zurück.

Wir werden aber keine Jagd auf Senioren machen.

Leiter der Verkehrspolizeidirektion Manfred Burger

Wo liegen also die Gründe für die gestiegene Zahl der Personenschäden? „Betrachtet man die Verkehrsunfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, so stieg die Zahl der Senioren als Verursacher von 376 auf jetzt 454“, führte der Leiter der Verkehrspolizeidirektion Manfred Burger einen der Gründe an.

Polizeipräsident Christian Nill (zweiter von links) stellte gemeinsam mit seinem Kollegen Manfred Burger, der die Verkehrspolize
Polizeipräsident Christian Nill (zweiter von links) stellte gemeinsam mit seinem Kollegen Manfred Burger, der die Verkehrspolizeidirektion leitet, die aktuellen Zahlen vor. Rechts der Sprecher der Polizei Wolfgang Jürgens und links der Herr der Zahlen, Joachim Eggensberger. (Foto: Lockenvitz)

Vermehrt wolle man nun bei Kontrollen darauf achten, ob Fahrer noch in der Lage sind, ein Fahrzeug zu führen. „Wir werden aber keine Jagd auf Senioren machen“, versicherte Burger. Stetig steigt auch die Zahl der Fahrer auf sogenannten Pedelecs. Wieder sind es häufig Senioren, die diese Fahrräder nutzen. Insgesamt 117 Unfälle ereigneten sich. Die Hälfte der Beteiligten waren Senioren, 31 von ihnen waren Schuld am Geschehenen.

41 Tote bei Verkehrsunfällen

Auf Vorjahresniveau bleibt die Zahl der Getöteten. 41 starben im vergangenen Jahr bei Unfällen, stellte Polizeipräsident Nill die blanken Zahlen vor: darunter 14 Zweiradfahrer, sieben Motorradfahrer, eine Sozia und sechs Fahrradfahrer, davon drei ohne Helm. „In den vergangenen Jahren ist die Zahl Verkehrstoten zurückgegangen und es gibt das Ziel, diese Zahl auf Null zu bringen“, gab er das langfristige Ziel vor, ergänzte aber auch, dass dieser Rückgang zum großen Teil auf die verbesserte Sicherheitstechnik der Autos zurückzuführen sei.

Wiederum intensive Kontrollen, so Burger, hätten auch dazu geführt, dass die Zahl der Unfälle zurückgegangen sei, bei denen Alkohol im Spiel war (minus acht Prozent). Im Gegenzug habe die Polizei 1133 Fahrer aus dem Verkehr gezogen, die unter Alkoholeinfluss fuhren, 191 mehr als im Jahr zuvor. Immerhin, so Nill, seien bei 143 Alkoholunfällen Menschen verletzt worden.

Prävention soll Unfälle vermeiden

Den Kampf sagt die Polizei in diesem Jahr den Fahrern unter Drogeneinfluss an. Intensiv werden die Polizisten bald darin geschult, berauschte Fahrer an bestimmten Merkmalen zu erkennen.

Einen weiteren Schwerpunkt wolle man auf die Bereiche Gurt, Helm und Handy legen. „Wir wollen schwere Unfälle vermeiden“, gab Manfred Burger das Ziel für 2019 vor. „Durch verstärkte Kontrollen sollen Verhaltensänderungen herbeigeführt werden. Denn die Unfälle mit Personenschäden treiben uns wirklich um.“

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