Seeberger – „verdammt teuer“ seit 175 Jahren

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Oliver Helmstädter

Zu Seeberger hat jeder eine Meinung. Manche finden die Produkte „verdammt teuer“, wie der Präsident der Industrie- und Handelskammer Ulm, Stefan Roell, bei einer aufwendigen Feier zum 175. Geburtstag des Unternehmens am Freitag sagte. Ein Satz, so Roell, werde nach der Bewertung der Preispolitik, dann immer hinterhergeschoben: „Aber die Qualität ist es wert.“

Auf die Qualität der Seeberger-Produkte hob auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seiner Festrede ab: Seeberger habe ein Verständnis des Wirtschaftens, auf das das ganze Land stolz sein könne. Die Firma habe in vielerlei Hinsicht Vorbildwirkung. Seeberger sei gut für eine Zeit aufgestellt, in der Umweltverträglichkeit von einem weichen zu einem harten Wirtschaftsfaktor werde.

Autonom fahrende Gabelstapler

Bei einem Rundgang durch die Produktionshallen, in der autonom fahrende Gabelstapler den Weg der Besuchergruppe kreuzten, zeigte sich Kretschmann besonders interessiert an einem Versuch mit nachhaltiger Folienverpackung. Sonnenblumenkerne in einer umweltfreundlichen Verpackung lagern hier über das Haltbarkeitsdatum hinaus, um zu sehen ob die Tüte den Seeberger-Ansprüchen genügt.

 Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann besucht anlässlich des Jubiläums die Seeberger-Produktion.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann besucht anlässlich des Jubiläums die Seeberger-Produktion. (Foto: Oliver Helmstädter)

Seinen Latte Macchiato genoss Kretschmann unter einem Fest-Pavillon. Denn das „High-Tech-Schlaraffenland, so der Ministerpräsident, ist ja noch nicht fertig. Im kommenden Jahr soll direkt neben der Fabrikation wie berichtet die „Seeberger Genusswelt“ eröffnen. 20 Millionen Euro steckt das Ulmer Familienunternehmen in Präsentationsräumlichkeiten, Gastronomie und ein Geschäft. Es sei vorbildlich wie das 1844 gegründete Unternehmen die Gewinne reinvestiere, lobte Wirtschaftskapitän Röll.

Mitarbeiter direkt am Unternehmenserfolg beteiligt

Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch, der auf seinem Schreibtisch immer „Stundenfutter“ stehen habe, hob in seinen Grußworten die tief in der Firma verwurzelten Werte hervor. Seit 35 Jahren sind Seeberger Mitarbeiter etwa direkt am Unternehmenserfolg und Kapital beteiligt. Seniorchef Julius Rohm hatte dies einst als seine beste Idee bezeichnet. Geschäftsführer Clemens Keller interpretiere seine Rolle als „Hüter der Werte“, die er noch von seinem Großvater Julius Rohm senior mit auf den Weg bekommen habe.

Mit dem Tod von Friedrich Seeberger war es nicht mehr möglich, das Unternehmen in der Gründerfamilie fortzuführen. Nach unruhigen Zeiten wird Julius Rohm 1949 persönlich haftender Gesellschafter.

800 Menschen arbeiten für Seeberger

Von da an ging es steil bergauf. Im Zuge der stetigen Suche nach Expansionsmöglichkeiten war Seeberger von 1963 bis 1983 sogar in Neu-Ulm in der Baumgartenstraße beheimatet. Knapp 140 Mitarbeiter zogen aus Neu-Ulm wieder zurück nach Ulm. Heute arbeiten 800 Menschen für Seeberger, davon 600 am Standort in Ulm. 300 Millionen Euro setzte das Unternehmen im vergangenen Jahr um.

Keller sieht das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt. Nicht zuletzt, durch ein Hochregallager mit 23 000 Palettenstellplätzen, das vor sechs Jahr gebaut wurde. Im kommenden Jahr gesellt sich die „Genusswelt“ als begehbare Visitenkarte auf 6500 Quadratmetern hinzu.

Was den Vertrieb der zahlreichen Nüsse, Trockenfrüchte und Snacks angeht, setze Seeberger in Zukunft zunehmen auf Automaten. Das bietet sich an, denn durch einen Kaffeeautomaten-Service ist das Unternehmen ohnehin in vielen Betrieben Teil der Verpflegung.

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