Schwanger und auf der Flucht: Dieses Risiko nehmen Frauen auf sich

 Regina Konz, Leiterin der Caritas-Familienhilfe in Ulm.
Regina Konz, Leiterin der Caritas-Familienhilfe in Ulm. (Foto: caritas)
Regionalreporter Ulm/Alb-Donau

Frauen, die eine Flucht hinter sich haben, und noch dazu schwanger sind, haben es oft doppelt schwer. In Ulm hilft ihnen bei der Integration unter anderem die Caritas Ulm/Alb-Donau. Regina Konz, Leiterin Familienhilfe, ist hier für Frauentreffs zuständig, die speziell Schwangeren helfen sollen, die geflüchtet sind. Sie hat Redakteur Johannes Rauneker erklärt, warum die Spenden der SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ gebraucht werden.

Frau Konz, welchen Belastungen sind Frauen zusätzlich ausgesetzt, die nach Deutschland geflüchtet sind, und die ein Kind erwarten?

Traumatische Fluchterlebnisse oder Ängste können sich negativ auf eine Schwangerschaft auswirken, auch wenn das Kind erst deutlich später erwartet wird. Leider kommt es daher häufiger zu Risikoschwangerschaften oder Frühgeburten.

Wie viele schwangere Frauen oder Frauen mit kleinen Kindern betreuen Sie von der Caritas bei den Frauentreffs in Ulm?

Seit 2016 dürften es sicher etwa 100 Frauen gewesen sein. In unserem neuesten Treff im Stadtteil Böfingen sind es aktuell rund 20 Frauen, die wir dort betreuen. Das Angebot läuft seit diesem Sommer.

Wie helfen Sie den Frauen konkret und woher kommen die Frauen?

Die Frauen kommen aus Syrien, dem Irak oder aus Afrika. Unsere Ehrenamtlichen bemühen sich in erster Linie, den Frauen bei dem Erwerb der deutschen Sprache zu helfen. Über die Sprachkurse hinaus bieten wir aber auch freizeitpädagogische Angebote an. Zudem sind wir eine Schnittstelle für Frauen aus fremden Kulturen, die bei uns in Deutschland Fuß fassen möchten. Wir stehen im engen Austausch mit der Stadt und der Kirchengemeinde „Guter Hirte“ und stellen zum Beispiel auch den Kontakt zu Schwangerschaftsberatung oder Ähnlichem her.

Welche Rolle spielen die Männer und Väter bei Ihnen?

Keine große, ehrlich gesagt. Die meisten nehmen selbst an Sprachkursen teil oder arbeiten. Die Frauen sind daher auf sich alleine gestellt und oft isoliert.

Wie wirken Sie und das Angebot der Caritas auf die Kinder ein?

Auch den Kindern versuchen wir, Deutsch spielerisch beizubringen. Und man muss sagen: Sie lernen das viel schneller als die Erwachsenen. Wobei die Bandbreite hier groß ist. Es gibt Frauen, die haben in ihrem Herkunftsland studiert, sie lernen oft deutlich schneller als Frauen aus der dortigen Mittelschicht. In der Regel dauert es zwei bis drei Jahre, bis die Frauen gut Deutsch sprechen und verstehen.

Was haben Sie mit dem Geld vor, das Ihnen im Rahmen von „Helfen bringt Freude“ hoffentlich auch in diesem Jahr wieder gespendet wird?

Wir brauchen immer wieder neues Lernmaterial, sowohl für die Kinder als auch für die Frauen. Besonders auch für die inhaltliche Gestaltung der gemeinsamen Treffs oder für Freizeitaktivitäten, die sowohl der Integration dienen als auch die Kultur vermitteln, benötigen wir finanzielle Mittel, um ein bedarfsgerechtes Angebot möglich zu machen. Unsere Eigenmittel sind dafür nicht ausreichend und wir brauchen jeden Cent.

Gibt es Berührungspunkte zwischen den geflüchteten Frauen und deutschen Frauen in Ihrem Treff?

Das ist ein wichtiger Punkt. Viele Frauen wünschen es sich so sehr, noch verstärkter in den Kontakt mit einheimischen Frauen zu kommen. Im Treff selbst sind die Frauen eher unter sich, wir sind aber offen für alle Frauen. Auch freuen wir uns sehr über Frauen, die ehrenamtlich bei uns mitarbeiten möchten. Dieses Engagement hat im Vergleich zu 2015 leider doch sehr nachgelassen. Dabei ist Integration eine Daueraufgabe.

Wie sind denn die Aussichten der Frauen, in Deutschland bleiben zu dürfen?

Die sind gut. Man kann sagen, dass 98 Prozent unserer Frauen anerkannt sind. Nur zwei Prozent haben eine ungewisse Zukunft. Für sie ist die Situation daher mehr als belastend.

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