Schnell wie 15.000 Laptops: Was sich Forscher vom neuen Supercomputer erhoffen

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 Drückten den Startknopf für den neuen Supercomputer (v.l.): Prof. Fedor Jelezko, Yuichi Kojima (NEC), Prof. Andreas Köhn, Uni-P
Drückten den Startknopf für den neuen Supercomputer (v.l.): Prof. Fedor Jelezko, Yuichi Kojima (NEC), Prof. Andreas Köhn, Uni-Präsident Prof. Michael Weber, Ulrich Steinbach (MWK) und Prof. Stefan Wesner (Foto: Eberhardt/Uni Ulm)
Schwäbische Zeitung

Die Universität Ulm hat einen neuen Hochleistungsrechner: Mit einer theoretischen Leistungsfähigkeit von zwei Petaflops setzt der 4,4 Millionen Euro teure Supercomputer „Justus 2“ laut Mitteilung der Uni „neue Maßstäbe“. Am Freitag drückten unter anderem Ministerialdirektor Ulrich Steinbach (Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst) sowie der Ulmer Universitätspräsident Professor Michael Weber den symbolischen Startknopf.

Wie bereits das Vorgängersystem sei „Justus 2“ optimal auf die Forschungsbereiche theoretische Chemie sowie Quanten- und Festkörperphysik ausgerichtet. „Er ermöglicht hochkomplexe Computersimulationen auf molekularer und atomarer Ebene sowie aufwändige Datenanalysen.

Und dies bei einer deutlich höheren Energieeffizienz als sein Vorgänger“, so Ulrich Steinbach. Der neue Rechner werde Forschenden aus ganz Baden-Württemberg zur Verfügung stehen und sei daher – gerade im Hinblick auf die Batterieforschung – eine sehr sinnvolle Investition.

„Justus 2“ zähle zu den 400 leistungsstärksten Supercomputern der Welt (Stand: KW 10). Mit 33 696 CPU-Kernen entspricht das System 15 000 herkömmlichen Laptops. Gegenüber dem Vorgänger sei eine um das Fünffache gesteigerte Performance zu erwarten.

An mindestens 530 wissenschaftlichen Publikationen war der vorherige Supercomputer der Uni Ulm beteiligt. An diese Erfolge werde „Justus 2“ anknüpfen: Bereits über 30 Forschergruppen aus Baden-Württemberg wollen seine Rechen- und Speicherleistung zeitnah einsetzen.

Bei der effizienten Nutzung unterstützt auch weiterhin das HP- Kompetenzzentrum „Computational Chemistry and Quantum Sciences“ der Universität Ulm. In diesem Kompetenzzentrum steht Forschenden ein Team mit Sachverstand im Hochleistungsrechnen und in den Naturwissenschaften zur Seite.

Bei der Inbetriebnahme berichtete der Ulmer Quantenphysiker Professor Fedor Jelezko über Einsatzmöglichkeiten des Supercomputers: „Wir werden den Hochleistungsrechner für quantenchemische Berechnungen einsetzen. Mithilfe des Vorgängersystems haben wir bereits die Wellenfunktion so genannter Stickstofffehlstellenzentren in künstlichen Diamanten berechnet sowie die Kopplung dieser Zentren an Kernspins.“

Gemeinsam mit Forscherkollegen hat Jelezko 2019 einen hochkarätigen ERC Synergy Grant über 9,4 Millionen Euro eingeworben. Außerdem profitiere die mit einem Exzellenzcluster geadelte Ulmer Batterieforschung in besonderem Maße von „Justus 2“.

Über Ulm hinaus zählt Chemie-Professor Andreas Köhn von der Universität Stuttgart zu den wichtigen künftigen Nutzern. Köhn werde mithilfe von „Justus 2“ die von ihm und seinen Mitarbeitenden entwickelten hochgenauen quantenchemischen Methoden auf Berechnungen an Systemen mit komplexer elektronischer Struktur anwenden – ein Beispiel sind Übergangsmetallverbindungen.

Der neue Hochleistungsrechner der Universität Ulm hat rund 4,4 Millionen Euro gekostet. Das nach dem deutschen Chemiker Justus von Liebig benannte System ist von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Land Baden-Württemberg sowie den Universitäten Ulm, Stuttgart und Freiburg finanziert worden.

„Gerade an einer naturwissenschaftlich und technisch ausgerichteten Universität wie Ulm ist Hochleistungsrechnen essentiell notwendig. Daher ist Justus 2 eine bedeutende Investition in die Zukunft unserer strategischen Entwicklungsbereiche und darüber hinaus“, resümierte Informatikprofessor und Universitätspräsident Professor Michael Weber.

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