Schleckerland macht zu

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Schock für die rund 50 Beschäftigten im Schleckerland in Neu-Ulm: Das Warenhaus an der Leibnitz-Straße wird zum Jahresende geschlossen. Gestern Vormittag sind die Mitarbeiter von der Personalabteilung der Konzernzentrale in Ehingen über diese Entscheidung informiert worden.

Einziger Hoffnungsschimmer für die schwer verunsicherte Belegschaft: Sie sollen zu gleichen Konditionen Arbeitsplätze in den Filialen der zur Schwarz-Gruppe (Lidl) in Neckarsulm gehörenden Kauflandkette bekommen.

Allerdings sei diese Übernahme auf ein Jahr befristet. Das Schicksal der Mieter im etwa 10 000 Quadratmeter großen Schleckerland in Neu-Ulm ist unklar. Betroffen sind Kick, Tedy und der Frisör Klier. Sie werden wohl auch dicht machen müssen, wenn der Kundenmagnet künftig fehlt. Was mit der Immobilie geschehen soll, ist noch völlig unklar

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Es hatte seit einigen Tagen Hinweise gegeben, wonach das Neu-Ulmer Schleckerland ebenso wie die Kaufhäuser in Ehingen, Geislingen, Göppingen und Schwäbisch Gmünd an die Kaufland-Kette verpachtet werden würde. Dies hat sich nun offenbar zerschlagen. Das Neu-Ulmer Schleckerland wird schon in knapp fünf Wochen geschlossen.

Eine Umwandlung in ein Kaufland war offenbar aus Sicht der Verantwortlichen nicht Erfolg versprechend, zumal es in Neu-Ulm schon zwei Kaufland-Märkte gibt, einer davon nur einen Steinwurf weit vom Schleckerland entfernt im Mutschler-Center. Deswegen sei das Interesse der Kaufland Stiftung KG an dem Neu-Ulmer Markt sehr gering gewesen.

Ein weiteres Kriterium war nach vorliegenden Informationen der Zustand des Marktes, dessen bauliche Substanz arg in die Jahre gekommen ist. Zuletzt wurde das gut und gerne 30 Jahre alte Gebäude vor 15 Jahren umgebaut und modernisiert. In eine Modernisierung des maroden Flachdachkomplexes hätten nach Insiderinformationen wohl Millionen investiert werden müssen.

Die Verpachtung der Schlecker-Warenhäuser ist Teil der Neuausrichtung des Konzerns. Demnach zählen diese SB-Märkte nicht mehr zum Kerngeschäft des Unternehmens. Und als Nebengeschäft sieht der Konzern im Wettbewerb auch der Lebensmitteldiscounter für dieses Geschäftsfeld offenbar keine Zukunft mehr.

Der Mitarbeiter aus der Ehinger Konzernzentrale, der gestern Vormittag die Hiobsbotschaft für die Neu-Ulmer Schleckerland-Beschäftigten überbracht hatte, versuchte nach Berichten von Teilnehmern an der Personalversammlung die Schließung des Geschäftes "schönzureden", in dem er die Aufstiegschancen bei Kaufland in den höchsten Tönen angepriesen habe. Die Belegschaft bleibt skeptisch und fragt sich, wie lange das wohl gut gehen kann. Noch weiß niemand aus der gut 50-köpfigen Mannschaft, wo im neuen Jahr sein neuer Arbeitsplatz ist.

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