Schienen-Nahverkehr: Mindestens ein Zug pro Tag fällt aus

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Ein Zug fährt auf Schienen.
Wer mit der Bahn fährt, der braucht Geduld. Das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Jetzt gibt es dazu auch nähere Zahlen.
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Nur 72 Prozent der Regionalexpress-Züge (RE) auf der Donautalbahn, die von Januar bis November 2018 in Ulm ankamen, waren pünktlich: Das geht aus einer Antwort von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) auf eine Anfrage des Ulmer SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir hervor.

Nach der Definition der Bahn gilt ein Zug noch als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten zu spät ankommt. Im August und September trafen sogar nur 57 und 49 Prozent der RE-Züge innerhalb der Sechs-Minuten-Frist in Ulm ein: Hermann begründet diese Ausreißer mit Baustellen im Donautal und auf der Zollernbahn zwischen Tübingen und Sigmaringen. Im November seien die Werte wieder besser geworden, da die Langsamfahrstellen beseitigt waren.

Der desolate Zustand des Unternehmens hat natürlich seine Auswirkungen auf die Qualität im Nahverkehr.

Winfried Hermann, Verkehrsminister (Grüne)

Günstiger sind die Werte der Regionalbahnen: 91 und 92 Prozent dieser Zuggattung trafen innerhalb der Sechs-Minuten-Frist in Ehingen und Ulm ein.

Nicht nur Verspätungen sind Grund für Ärger: 164 Regionalbahnen (1,7 Prozent) fielen auf der Donautalbahn von Januar bis November 2018 aus, fehlendes Personal und defekte Fahrzeuge waren dafür verantwortlich. Aus den gleichen Gründen wurden im gleichen Zeitraum 173 RE-Züge (1,4 Prozent) auf dem Abschnitt von Ulm nach Sigmaringen gestrichen. Im Juli fiel fast jeden Tag eine RB aus, an 30 Tagen von 31 Tagen traf es die RE-Züge.

Kaputte müssen ersetzt werden

In seiner Antwort, die unserer Zeitung vorliegt, zählt der Minister auch auf, warum die für die Strecke nach Ehingen und Munderkingen eigentlich eingeplanten modernen Züge der Baureihe 644 häufig nicht fahren konnten und nennt „hohe Schadstände“. Dafür seien ältere Triebwagen eingesetzt worden. Auch sei die Bahn mit dem Umbau älterer Neigetechnik-Züge nicht fertig geworden.

Hermann schreibt wörtlich: „Auf die aktuelle kritische Diskussion zum Zustand des Unternehmens Deutsche Bahn wird verwiesen. Der desolate Zustand des Unternehmens hat natürlich seine Auswirkungen auf die Qualität im Nahverkehr.“ Der Eigentümer, also der Bund, müsse den Zustand dringend verbessern.

 Auf der Strecke nach Ehingen und Munderkingen können die eigentlich eingeplanten modernen Züge der Baureihe 644 häufig nicht fa
Auf der Strecke nach Ehingen und Munderkingen können die eigentlich eingeplanten modernen Züge der Baureihe 644 häufig nicht fahren, weil sie kaputt sind. (Foto: Eckard Scheiderer)

Die Bundesregierung hatte im Dezember angesichts der Pannen bei der Deutschen Bahn den Druck auf das Management und fordert einen raschen Umbau des Staatskonzerns. „Wir sind besorgt darüber, wie der DB-Vorstand das System Bahn fährt. Mit der Leistung kann man nicht zufrieden sein“, hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU) kritisiert. Er macht Führungsfehler für die häufigen Probleme des Unternehmens verantwortlich.

Bahn mit Pünktlichkeitsmanager

Bei DB Regio haben nach Angaben des Konzerns seit Anfang 2017 Pünktlichkeitsteams ihre Arbeit aufgenommen, um das Thema intensiver zu treiben: „In den Regionen arbeiten Pünktlichkeitsmanager intensiv daran, Schwachstellen zu analysieren und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten – von Fahrplananpassungen über Reisendenstromlenker bis hin zum Einsatz von mobilen Instandhaltungsteams.“ Stefan Buhl, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“ nannte Personalmangel und jahrzehntelange Vernachlässigung der Infrastruktur der Bahn als Gründe für die schlechte Performance. Die jetzt vorgenommenen Investitionen seien richtig, führten aber zu Baustellen und damit zu schlechteren Werten bei der Pünktlichkeit.


Ein Zug fährt auf Schienen.
Wer mit der Bahn fährt, der braucht Geduld. Das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Jetzt gibt es dazu auch nähere Zahlen.
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