Schüsse und Blockaden bei Hochzeiten – das sagt die Polizei

Lesedauer: 3 Min
Verkehrsgerichtstag - Tempolimit
Spuren verstopfen auf der Autobahn - für manche ist das eine Art Spaß. (Foto: Sebastian Gollnow/Illustration / DPA)
Schwäbische Zeitung

Anfang Februar blockierte eine türkische Hochzeitsgesellschaft alle drei Fahrspuren auf der A8 bei Gruibingen. Einen Monat später, fast auf die Stunde zur gleichen Zeit, feierten drei Männer in Ulm eine Vermählung mit Schüssen aus Schreckschusswaffen. Bürger berichten immer wieder von ausschweifenden Feiern mit Autokonvois in Ulm und Neu-Ulm.

„Da wollen wir keine Spaßverderber sein“, sagt Rainer Finkel, Leiter der Polizeiinspektion Neu-Ulm. „Aber manche Sachen gehen halt einfach nicht.“ Wenn Hochzeitsgäste sich oder andere im Straßenverkehr gefährden – indem sie bei Rot durchfahren, auf dem Dach oder der Motorhaube sitzen oder einen Busfahrer nötigen, wie im Januar an der Meininger Allee in Neu-Ulm – schreitet die Polizei ein.

Wenn die Beamten im Vorfeld von großen Hochzeitsfeiern hören, gehen sie teilweise auch auf die Leute zu und reden mit ihnen. Vorfälle wie auf der A8 seien aber „kein Massenphänomen“. Das bestätigt Ulms Polizeipräsident Christian Nill. Von Autobahn-Blockaden sei die Region kaum betroffen – anders Stuttgart oder Heilbronn.

Die Sicherheit muss gewährleistet bleiben.

Ulms Polizeipräsident Christian Nill

„Wir haben dieses Problem im Blick“, sagt Nill über ausschweifende Konvois – und verweist auf die Bevölkerungsstruktur: „Es leben 138 Nationalitäten in der Stadt.“ Bei manchen werde eben ausgeprägter gefeiert als es bei traditionellen oberschwäbischen Hochzeiten üblich sei. Den Ärger der Bürger könne er nachvollziehen. Das Problem kenne die Polizei von großen Fußballturnieren: „Sie kriegen kein Spiel mehr ohne Autokorso.“

Nill hält es für aussichtslos, Hochzeitskonvois etwa auf der Neuen Straße aufzuhalten oder von Streifenwagen begleiten lassen. Dennoch betont der Polizeipräsident: „Die Sicherheit muss gewährleistet bleiben.“ Vorfälle wie die Schüsse seien inakzeptabel, die Männer seien angezeigt worden. Die Ulmer Polizei geht den gleichen Weg wie die Neu-Ulmer Kollegen: Beamte versuchen, bei großen Feiern präsent zu sein, Gäste anzusprechen und so allzu große Ausschweifungen zu vermeiden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen