Schüler reagieren auf Kritik an „Fridays for Future“-Demos mit Aktionen

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 Mitorganisator Yannick Bier und Teilnehmerin Merle Steiner bei der Aufräumaktion am Donauufer.
Mitorganisator Yannick Bier und Teilnehmerin Merle Steiner bei der Aufräumaktion am Donauufer. (Foto: Andreas Brücken)
Sebastian Mayr

Nur fordern, nichts tun – und dann auch noch die Schule schwänzen. Die Schüler, die bei „Fridays for Future“ gegen den Klimawandel streiken, müssen sich teils harte Kritik anhören.

In Ulm sind sie am Freitag zum Gegenbeweis angetreten: Rund 80 Schüler, Studenten und einige Eltern trafen sich am Marktplatz, um von dort ans Donauufer zu ziehen und Müll zu sammeln – nicht etwa während der Schulzeit, sondern am Nachmittag. Die Stadträte Michael Joukov-Schwelling (Grüne) und Birgit Schäfer-Oelmayer (CDU) begleiteten die Putzete. Während die Aktion lief, stießen weitere junge Helfer dazu.

Die Ulmer Gruppe sei auf Facebook mit der Kritik konfrontiert worden, berichtet Yannick Bier, der zum Team der Organisatoren gehört. „Wir wollen nicht nur schwänzen – und das zeigen wir heute“, sagt der Schüler. „Uns ist klar, dass wir nicht nur etwas fordern können, sondern dass wir auch etwas tun müssen.“

Doch die Antwort auf die Angriffe der Kritiker war nur einer der Gründe für die Aktion am Freitag. Zum Kampf gegen den Klimawandel gehöre auch der Umweltschutz. „Jeder muss für sich nachdenken, was mache ich mit meinem Müll“, sagt der 18-Jährige. Die Schüler, Studenten und Aktivisten aus der Gruppe „Parents for Future“ denken an diesem Freitagnachmittag auch über den Müll der anderen nach – am Nachmittag, nach der Schulzeit.

Die Ulmer Entsorgungsbetriebe EBU haben den Organisatoren 50 große blaue Müllsäcke, 60 Paar Arbeitshandschuhe und 30 Greifarme zur Verfügung gestellt. Auf der Wiese vor dem Metzgerturm fängt die Arbeit an, rund eineinhalb Stunden lang wandern die Müllsammler flussaufwärts Richtung Riech- und Tastgarten. Die vollen Säcke holten anschließend die Ebu ab.

Uns ist klar, dass wir nicht nur etwas fordern können, sondern dass wir auch etwas tun müssen.

Zu den Helfern gehört die 17-jährige Merle. Die Schülerin aus Ulm sagt: „Mich hat das Thema Umwelt schon immer interessiert.“ Durch „Fridays for Future“ habe sie eine Möglichkeit gefunden, sich für ihr Anliegen einzusetzen. „Ich bin so oft wie möglich dabei. Bis jetzt ist viel zu wenig für die Umwelt passiert. Das wollen wir zeigen und ändern“, sagt sie.

Bei der bislang letzten „Fridays-for-Future“-Demonstration vor rund einem Monat waren etwa 2000 junge Leute durch die Stadt gezogen. Obwohl dieses Mal viel weniger Aufräumer anpacken, bezeichnet sich Mitorganisator Yannick Bier als „überglücklich“. Denn: Wegen des Termins direkt vor Ferienbeginn habe nicht jeder Schüler Zeit. Zudem habe man erst am Mittwoch begonnen, auf die Putzete aufmerksam zu machen. Solche Aufräum-Aktionen sollten häufiger stattfinden, meint der Schüler. Doch zunächst soll es weitere Demonstrationen geben – im April und im Mai.

Während Schüler und Studenten in Ulm Müll sammelten, gingen junge Leute in 95 Städten in Deutschland und weltweit an 400 Orten auf die Straße.

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