Salzstadel wechselt den Eigentümer

Lesedauer: 5 Min
 Der denkmalgeschützte Salzstadel mit dem Museum Brot und Kunst wechselt für 2,2 Millionen Euro den Eigentümer.
Der denkmalgeschützte Salzstadel mit dem Museum Brot und Kunst wechselt für 2,2 Millionen Euro den Eigentümer. (Foto: Dagmar Hub)
Schwäbische Zeitung

Es kam überraschend: Das Land hat sich dazu entschlossen, den denkmalgeschützten Ulmer Salzstadel, in dem seit 1991 das Museum der Brotkultur – heute Museum Brot und Kunst – untergebracht ist, zum Jahresende zu verkaufen.

Weil Hermann Eiselen bei der Sanierung des 1592 für die Lagerung von Salz erbauten Gebäudes in den 80er Jahren eine größere Summe einbrachte, sollte das von ihm gegründete und von der Eiselen-Stiftung getragene „Brotmuseum“ das Gebäude noch bis August 2020 mietfrei nutzen können. Ein Mietangebot des Landes Baden-Württemberg an die Stiftung von mehr als einer halben Million Euro jährlich stand im Raum – was für die Stiftung aber nicht tragbar ist. Nun schnappt sich die Stiftung das Haus.

„Das Land ist offenbar gehalten, möglichst Gebäude abzustoßen und zu Geld zu machen, die es selbst nicht benötigt“, sagt Isabel Greschat, Direktorin des Museums Brot und Kunst. Nach intensiven Diskussionen und zwei erstellten Gutachten hat sich die gemeinnützige Vater-und-Sohn-Eiselen-Stiftung im November entschlossen, den Salzstadel zu kaufen. Dafür müssen 2,2 Millionen Euro als Kaufpreis aus dem Kapitalstock der Stiftung entnommen werden und bringen somit keine Erträge mehr. Diese Erträge fehlen der Stiftung, weil ihre Ausschüttung bislang für den Museumsbetrieb zur Verfügung stand.

Mit einer Stimmenthaltung – FDP-Stadtrat Erik Wischmann hätte gerne noch mehr Informationen gehabt – stimmte der Ulmer Kulturausschuss dem Antrag Isabel Greschats als Vorstand der Vater-und-Sohn-Eiselen-Stiftung und Museumsdirektorin zu, den jährlichen Ertragsausfall mit 50 000 Euro – zunächst festgelegt auf drei Jahre – aufzufangen. Einige Stadträte hätten es auch gern gesehen, hätte die Stadt Ulm das Gebäude angekauft.

Man habe den Zuschuss beantragt, erklärt Isabel Greschat, „weil wir auch etwas einbringen in die Kultur- und Bildungslandschaft der Stadt“, zumal das Museum Brot und Kunst ein Museum von nationaler Bedeutung ist. Es wird viel von Schulen besucht, auch überregionales Publikum nutzt die Angebote des Hauses. Der kulturgeschichtlich wichtige und stadtbildprägende Salzstadel, in dem man noch die Bauweise mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Stadelgebäude erkennen kann, soll schließlich öffentlich zugänglich bleiben.

Mit dem Ankauf übernimmt die Vater-und-Sohn-Eiselen-Stiftung die Verantwortung für den Erhalt des historischen Gebäudes, was Kosten generieren wird: Ein Gutachter, der den baulichen Zustand des Hauses überprüfte, war zwar positiv überrascht vom Zustand der Bausubstanz, dennoch werden Kosten in Höhe von 220 000 Euro für Sanierungsarbeiten in den nächsten zehn Jahren fällig, berechnete er. Eine energetische Sanierung allerdings kann bei dem denkmalgeschützten Gebäude nicht verlangt werden. Es seien keine guten Zeiten für Stiftungen, beklagt Isabel Greschat die EZB-Zinspolitik. Trotz sehr sparsamen Wirtschaftens: Der Jahresabschluss 2018 weist erstmals beim indexierten Stiftungsvermögen eine Unterdeckelung auf.

Das Museum Brot und Kunst wurde 1955 von Willy und Hermann Eiselen als „Deutsches Brotmuseum“ gegründet, um die Bedeutung von Brot für den Menschen und die kulturelle Entwicklung der Menschheit deutlich zu machen. Die Aspekte des Museums reichen von der Geschichte der Brotherstellung bis zu politisch-sozialen Auswirkungen des Mangels an Brot und zur Verankerung des Brotes als Sinnbild des Lebens im christlich-jüdischen Verständnis. Durch die konzeptionelle Neuorientierung in jüngster Vergangenheit trägt das Museum auch zur Debatte um das Thema Welternährung bei.

Meist gelesen in der Umgebung
Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen