Rocker-Prozess startet mit großem Polizeiaufgebot

Lesedauer: 5 Min
 Personenkontrollen waren vor dem Rocker-Prozess am Freitag vom Ulmer Landgericht angeordnet worden.
Personenkontrollen waren vor dem Rocker-Prozess am Freitag vom Ulmer Landgericht angeordnet worden. (Foto: Alexander Kaya)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Erst am Donnerstag ist ein Aufsehen erregender Prozess um einen Rockerkrieg in Ulm zu Ende gegangen. Seit Freitag läuft das nächste Verfahren am Ulmer Landgericht, in dem es um Gewalt zwischen zwei verfeindeten Gruppen in der Stadt geht.

Rocker müssen ins Gefängnis
Genau ein Jahr nach dem Prozessauftakt gegen die Mitglieder der kurdischen Rockerbande Bahoz ist am Donnerstag am Ulmer Landgericht das Urteil gefallen. Die Angeklagten bekommen Freiheitsstrafen. Teilweise sind diese zur Bewährung ausgesetzt.

Am 9. Mai 2015, einem Samstag, sollen Mitglieder der Bande „Rockmachine“ auf zwei Männer losgegangen sein, die zu „United Tribuns“ gehören. Ein Mitglied der „United Tribuns“ war an einem Donnerstagmittag im April 2016 bei einer Schießerei mit den „Black Jackets“ in Heidenheim tödlich verletzt worden.

Auslöser des Angriffs, um den es nun im Prozess am Landgericht geht, waren laut Anklage Provokationen der beiden Opfer: Die Männer sollen vor einem Bordell in der Blaubeurer Straße in Ulm mit martialischen Gebärden aufgetreten sein und sich dabei selbst gefilmt haben.

Das Bordell wird von in der Stadt einschlägig bekannten Brüdern betrieben, die zu „Rockmachine“ gehören. Als Reaktion auf die Provokation sollen diese Brüder wenig später gemeinsam mit weiteren Mitgliedern ihrer Bande ins Donautal gefahren sein, wo die beiden Männer der „United Tribuns“ in einem Auto unterwegs waren.

Die Mitglieder von „Rockmachine“ um das Brüderpaar verprügelte die „United Tribuns“. Nun sind die Angreifer wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung angeklagt.

Fall wegen großem Umfang weitergereicht

Der Prozess wird vor dem Landgericht Ulm verhandelt – aber nicht, weil die Tat so schwerwiegend war. Das Amtsgericht hat den Fall wegen seines großen Umfangs weitergereicht. Die Staatsanwaltschaft fordert zumindest bei einem Teil der Angeklagten Haftstrafen ohne Bewährung. Über die geforderte Höhe der Haft machte die Anklagebehörde nach Angaben des Vorsitzenden Richters Wolfgang Tresenreiter am Freitag keine Angaben. Amtsgerichte sind in Strafsachen zuständig, wenn eine Freiheitsstrafe von maximal vier Jahren zu erwarten ist.

Am ersten Prozesstag gab es nach Angaben von Richter Tresenreiter, der die Verhandlung leitet, zunächst nur allgemeine Gespräche. Die Angeklagten hätten aber zumindest teilweise für den nächsten Prozesstag Erklärungen angekündigt. Die Verhandlung wird am Freitag, 19. Oktober, fortgeführt.

Beim ersten Verhandlungstag war das Polizeiaufgebot vor und in dem Gerichtsgebäude in der Olgastraße groß. Nach Informationen unserer Zeitung trug einer der Männer, die zum Prozess kamen, vor dem Justizgebäude ein Emblem der „Hells Angels“ – einer Bande, zu der nach eigenen Angaben weltweit 466 lokale Klubs gehören. Seit Jahrzehnten werden die „Hells Angels in vielen Ländern mit Verbrechen in Verbindung gebracht. Als der Mann das Gerichtsgebäude betrat, hatte er das Emblem abgelegt.

Seit Jahren kommt es in Ulm um im Umland immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Rocker-Gruppen. Dabei kämpften „Bandidos“, „Black Jackets“, „Rockmachine“ und „United Tribuns“ um die Vorherrschaft.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen