Regio-S-Bahn ist ein Projekt für die nächsten 20 Jahre

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Markus Riethe (Foto: sz)

Alle sind begeistert von der Idee einer Regio-S-Bahn, doch bis zur vollständigen Umsetzung der Pläne ist es noch ein weiter Weg. Das ehrgeizige Schienen-Projekt lässt sich wohl nur schrittweise realisieren – darüber herrschte im Ulmer Gemeinderat am Mittwoch Einigkeit. Alle Fraktionen stimmten dem von Regionalverbands-Direktor Markus Riethe vorgestellten Konzept am Ende vorbehaltlos zu (wir berichteten kurz). Als einer der nächsten Schritte soll ein kommunaler Zweckverband gegründet werden, der die neue S-Bahn dann tatsächlich auf die Gleise setzt.

„Das ist ein Projekt über mindestens 20 Jahre, ich hoffe nur, dass die Begeisterung auch so lange anhält“, dämpfte Ulms OB Ivo Gönner die um sich greifende Euphorie am Ratstisch ein wenig. Weil die Regio-S-Bahn Donau-Iller ein grenzüberschreitendes Vorhaben ist, müssten die beiden Länder Baden-Württemberg und Bayern einverstanden sein. Dann gehe es darum, sämtliche beteiligten Stadt- und Landkreise unter dem Dach eines Zweckverbands zu vereinen, der sich durch eine Umlage finanziert und die neuen S-Bahn-Linien dann ausschreibt. „Das dauert die nächsten acht Jahre“, prophezeite Gönner.

Markus Riethe stellte das vom Regionalverband Donau-Iller seit 2009 entwickelte S-Bahn-Konzept im Endzustand vor. Das Angebot im Schienen-Nahverkehr der Region soll demnach durch kürzere Fahrzeiten, dichtere Takte und zusätzliche Haltepunkte attraktiver werden. So sollen die gefahrenen Zugkilometer um 20 Prozent gesteigert und so 33 Prozent mehr Fahrgäste in die Züge gelockt werden - und zwar auf allen sechs Zubringer-Strecken ins Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm. Im einzelnen sind das:

Die Illertalbahn von Ulm über Illertissen und Memmingen bis Tannheim (einschließlich der reaktivierten Strecke Weißenhorn-Senden.

Die Südbahn von Ulm über Erbach, Laupheim und Biberach bis nach Ummendorf (mit der Verlängerungs-Option bis Aulendorf)

Die bestehende Verbindung Ulm-Günzburg (ergänzt um die Mittelschwabenbahn Mindelheim-Krumbach-Günzburg)

Die Brenzbahn von Aalen über Heidenheim und Langenau nach Ulm.

Die Filstalstrecke von Geislingen nach Ulm.

Die Donaubahn von Ulm über Blaubeuren und Ehingen bis Obermarchtal (mit möglicher Verlängerung bis Riedlingen)

Die grob geschätzten Investitionskosten, etwa für notwendige zweigleisige Abschnitte auf der Brenzbahn, Donaubahn und Illertalbahn, liegen bei 80 Millionen Euro. Selbst bei einem Risiko-Zuschlag von 50 Prozent auf 112 Millionen Euro rechne sich das Projekt noch, sagte Riethe. Denn der volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Faktor liegt derzeit bei 1,7 – ein laut Riethe „exzellent hoher Wert für ein Schienenprojekt“. (obe)

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