Prozess in der Türkei: Mesale Tolu hofft auf Ende der Ungewissheit

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Mesale Tolu lehnt an einem Brückengeländer
Mesale Tolu lehnt an einem Brückengeländer. (Foto: Stefan Puchner/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Ulmer Journalistin und Autorin Mesale Tolu hofft bei ihrem Prozess wegen Terrorvorwürfen in der Türkei auf ein baldiges „Ende der Ungewissheit“. Der Prozess gegen Tolu sollte am Freitagvormittag in Istanbul fortgesetzt werden.

„Heute vor zwei Jahren, am 11. Oktober 2017, stand ich zum ersten Mal vor dem Richter in Silivri“, sagte sie vor der Verhandlung der Deutschen Presse-Agentur. Sie erwarte bei der Verhandlung keine großen Bewegungen, „aber wir hoffen, dass wir wenigstens einen Schritt weiter kommen“. Ende Mai war der Prozess zuletzt vertagt worden.

Tolu, die in Ulm geboren wurde und im benachbarten Neu-Ulm (Bayern) wohnt, wird nicht anwesend sein. Auch ihr mitangeklagter Ehemann, Suat Corlu, werde diesmal nicht anreisen, sagte Tolu.

 Wie schön es ist, jeden Tag in Freiheit genießen zu dürfen, weiß Mesale Tolu spätestens seit ihrer Inhaftierung in einem Frauen
Wie schön es ist, jeden Tag in Freiheit genießen zu dürfen, weiß Mesale Tolu spätestens seit ihrer Inhaftierung in einem Frauengefängnis in Istanbul. Die deutsch-kurdische Journalistin aus Neu-Ulm hat ihre Erlebnisse in ihrem Buch „Mein Sohn bleibt bei mir“ verarbeitet. Dieses stellt sie am Samstag, 28. September, im Landratsamt vor. (Foto: Stefan Puchner)

Als Corlu für den Verhandlungstermin im Mai nach Istanbul gereist war, war ihm kurzfristig der Pass entzogen und eine Reisesperre verhängt worden. Später durfte er wieder ausreisen.

Grünen-Politikerin will zur Prozessbeobachtung anreisen

Im Mai war die ursprünglich geplante Anhörung eines „geheimen Zeugen“ - unkenntlich gemacht und per Videoschalte - wegen eines „technischen Problems“ auf die nächste Verhandlung verschoben worden. Ob der Zeuge am Freitag gehört werde, sei unklar, sagte Tolu. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp hatte angekündigt, zur Prozessbeobachtung anzureisen.

Im Sommer 2018 hatte Mesale Tolu nach Monaten der U-Haft und Ausreisesperre ausreisen dürfen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr, ihrem Ehemann und einer Gruppe weiterer Angeklagter Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei MLKP vor. Die gilt in der Türkei als Terrororganisation. Dafür könnte das Gericht eine Strafe von bis zu 20 Jahren verhängen.

Die Festnahme zahlreicher deutscher Staatsbürger hatte 2017 zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara geführt. Die prominentesten Inhaftierten waren neben Tolu der „Welt“-Reporter Deniz Yücel und der Menschenrechtler Peter Steudtner. Sie alle durften inzwischen ausreisen. Die Prozesse gehen aber weiter.

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