Polizei ist in Alarmbereitschaft - 1800 Rocker feiern in Ulm

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Die Bandido-Kutte zierte ursprünglich ein bewaffneter Mexikaner. Seit 2017 darf das Symbol nicht mehr von den Rockern gezeigt we
Die Bandido-Kutte zierte ursprünglich ein bewaffneter Mexikaner. Seit 2017 darf das Symbol nicht mehr von den Rockern gezeigt werden. (Foto: Marius Becker / dpa)
Oliver Helmstädter

Wenn der nach den Hells Angels zweitgrößte Motorradclub weltweit feiert, wird geklotzt und nicht gekleckert. An diesem Samstag blickt die Rockerszene nach Ulm: „20 Jahre Bandidos Deutschland“ feiern die Biker im Donautal.

Mit bis zu 1800 Gästen rechnet der Ulmer Ortsverein – Chapter genannt. Und Ulm als Chapter der ersten Stunde wurde als Ausrichter ernannt, wie der „Bandidos MC Ulm“ mitteilt.

Die Polizei ist als Zaungast mit dabei: „Wir sind stark aufgestellt“, sagt Sprecher Wolfgang Jürgens. Im ganzen Donautal werde massiv kontrolliert. Die Teilnehmer der Rockerparty und Gäste der Pizzeria „O Sole Mio“, die gegenüber des Veranstaltungsorts liegt, dürften auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden sein.

Denn ihre Kutten mit dem bewaffneten Mexikaner auf dem Rücken werden sie nicht tragen. Seit über zwei Jahren müssen Rocker in Deutschland auf das Tragen ihrer Abzeichen verzichten. Diese Verschärfung des Vereinsgesetzes wurde damals mit der Eindämmung der organisierten Kriminalität in Reihen großer Rockerclubs begründet.

„Ich will nicht von einer Gefährdung der Sicherheitslage sprechen“, sagt Jürgens. Doch die Polizei ist aus mehreren Gründen alarmiert: Zwischen Bandidos und dem Ableger eines verfeindeten Motorradclub gab es Ärger. Vor vier Jahren wurde ein Fall vor dem Landgericht verhandelt: Bandidos überfielen das Haus des Präsidenten des verhassten Clubs in Wiblingen.

„Ganz alte Geschichten“, kommentiert das „Bandido Andy“, der Pressesprecher der Ulmer Rocker auf Anfrage. Der betreffende Club habe sich längst aufgelöst und der „Unaussprechliche“, wie Andy den damaligen Kontrahenten nennt, befinde sich dauerhaft im Ausland

„Wir feiern entspannt“, sagt Andy. Es gebe keinerlei Schwierigkeiten mit anderen Clubs in der Region. Was nichts daran ändert, dass die Behörden die Bandidos als „Outlaw Motorcycle Gang“ einstufen. Auch der Pressesprecher trägt in seinem Rockernamen „Bandido Andy 1%er“ darauf einen Hinweis. „Ein-Prozenter“ sind laut Verfassungsschutz Biker, die sich als Gesetzlose sehen, das Rechtssystem ablehnen. „Es wird nichts passieren“, beruhigt Andy, der Secretario im National Chapter East Central.

Mit Motorrädern würden die wenigsten anreisen. „Bei den Temperaturen kommen die meisten mit dem Auto oder Bus.“ Aufgrund der Vorhersage sei auch eine Motorrad-Stuntshow abgesagt worden. Was den bis zu 1800 Teilnehmern aus aller Welt bleibt, ist ein „großes Buffet mit schwäbischen Spezialitäten“. Auch Food-Trucks wurden angeheuert. Die Dekorateure der Bandidos hätten bis Samstag noch viel zu tun. Normalerweise werden in der Location Vermählungen gefeiert. „Zu sehr nach Hochzeit soll es nicht aussehen.“

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