Polizei fasst zwei mutmaßliche Betrüger – weil ein Senior ein Taxi nicht zahlen will

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Beamte und weitere Personen vor einem Gebäudeeingang
Beamte der Polizei warten vor einem Mehrfamilienhaus. Bei Ermittlungen gegen falsche Polizeibeamte wurden in Deutschland und der Türkei Objekte durchsucht und mehrere Personen festgenommen. Symbolfoto. (Foto: dpa / Marcel Kusch)
Schwäbische Zeitung

Zwei Männer aus dem Raum Neu-Ulm sollen in der Region mehrmals als falsche Polizisten aufgetreten sein. Sie stehen im Verdacht, Senioren in Ulm, Dornstadt sowie Ochsenhausen um ihr Vermögen zu wollen oder auch schon gebracht zu haben.

Wie die Polizei erst jetzt mitteilt, wurden vergangenen Donnerstag bei Durchsuchungen der Wohnungen der 22 und 24 Jahre alten Männer Goldbarren, leere Münz- und Goldbarrenverpackungen sowie Bargeld in Höhe von mehr als 20.000 Euro gefunden. Das alles soll mutmaßlich aus den bekannten oder ähnlichen – zum Teil auch noch nicht der Polizei zur Anzeige gebrachten – Taten stammen.

Auf die Schliche kamen die ermittelnden Behörden den beiden Männern durch einen versuchten Betrug in Ulm. Ende Oktober meldeten sich nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft angebliche Kriminalbeamte telefonisch bei einem älteren Mitbürger. Sie machten ihm weiß, dass sein Geld auf seiner Bank nicht mehr sicher sei und er es der Polizei übergeben solle.

Die angeblichen Polizeibeamten verständigten dem älteren Herrn sogar ein Taxi, mit dem er zur Bank und zurück nach Hause fuhr. Dort wollte er das – von der Polizei bestellte Taxi – nicht bezahlen und rief über Notruf die Polizei, um eine Kostenübernahme zu erhalten.

Das rettete ihm sein Vermögen, denn die Beamten am Notruf klärten ihn darüber auf, dass er es zuvor mit Betrügern zu tun hatte.

Frau aus Ochsenhausen soll Gold in eine Tüte packen

Am selben Tag riefen die Unbekannten auch bei einer Seniorin in Ochsenhausen an. Auch sie sollte ihre Wertsachen aus der Bank in Sicherheit bringen. Ihr Gold sollte sie in eine Tüte verpackt in ihren Hof legen, damit es die Polizei abholen könne.

Tatsächlich holte dort jemand das Gold ab, allerdings nicht die Polizei. Die angeblichen Polizisten hatten es mitgenommen. Das erfuhr die Frau allerdings erst am Abend, als sie sich bei der Polizei nach ihren Wertsachen erkundigte.

Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf und stieß dabei auf zwei Männer aus dem Raum Neu-Ulm, die sie mit den Taten in Verbindung brachten. Dieser Tatverdacht erhärtete sich im Rahmen der weiteren Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Ulm beantragte deshalb einen Durchsuchungsbeschluss, den der zuständige Richter sodann erließ.

Für welche weiteren Taten die zwei Männer verantwortlich sein könnten, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ulm ergingen am Freitag Haftbefehle gegen die beiden Männer.

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