Panoramablick auf die Bahnbaustelle

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 Blick aus dem Info-Container der Bahn am Kienlesberg in die Tiefe, wo die Großbaustelle der ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm l
Blick aus dem Info-Container der Bahn am Kienlesberg in die Tiefe, wo die Großbaustelle der ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm l (Foto: Helmstädter)

Das Endergebnis eines vier Jahrzehnte andauernden Diskussionsprozesses befindet sich auf 100 Quadratmetern in einem Container: Am Donnerstag wurde das Infozentrum zum Bahnprojekt Stuttgart - Ulm am Kienlesberg eröffnet. Durch ein Panoramafenster richtet sich der Blick auf eine Großbaustelle, die Geschichte schrieb.

„Eine Art Schlussstrich" sieht in dem provisorischen Bauwerk Wolfgang Dietrich, Sprecher und Vorstandsvorsitzender des Bahnprojektes Stuttgart–Ulm, der sogleich damit seinen letzten öffentlichen Auftritt in dieser Funktion absolvierte, weil er seine Aufgabe als erledigt ansieht. „Hier wurde für Stuttgart 21 gekämpft wie nirgendwo anders", sagte Dietrich über Ulm und die Region. Und das habe sich für die Bevölkerung ausgezahlt: Dass die Schnellbahnstrecke von Paris bis Budapest über Ulm und nicht an Ulm vorbei laufe, sei ein zentraler Wettbewerbsvorteil für die Zukunft.

Der Präsident der Ulmer Industrie- und Handelskammer, Peter Kulitz, lobte das Engagement Dietrichs in den höchsten Tönen. „Ich weiß nicht, wo wir hingekommen wären ohne Dietrich", sagte Kulitz über den Mann, der das Ruder der Kommunikation übernahm, als die Diskussionen um Stuttgart 21 eskalierten und erst durch einen Volksentscheid wieder in friedlichen Bahnen mündeten.

Die „Mehrheit der Nicht-Lautstarken", so Kulitz habe sich damals zum Wohl der Region durchgesetzt. Der Unternehmer malte die Zukunft in den schönsten Farben: Untersuchungen hätten ergeben, dass durch das Bahnprojekt die Produktivität der Region langfristig erhöht werde, was dauerhaft 8000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffe. Ulm sei in Zukunft Teil einer deutschen „Technologie-Achse", die von Karlsruhe bis nach München reiche.

„In Ulm nahm alles seinen Anfang", sagte Oberbürgermeister Ivo Gönner und überreichte dem Projektsprecher eine Miniatur Ulmer Schachtel. Ein Bootstyp, der schon seit Jahrhunderten für eine verkehrliche Verbindung gen Osten stehe. Dass die Stuttgarter Innenstadt, wenn sie von Ulm aus in einer halben Stunde erreichbar ist, zu einer ernsthaften Konkurrenz für den Ulmer Einzelhändler werden könnte, bestritt Gönner in seiner bekannt verschmitzten Art.

Vielmehr würden die Stuttgarter nach Ulm kommen. Und außerdem: „Ich verspreche, dass die Sedelhöfe vor dem Bahnhprojekt fertig sind." Das verschafft Gönner Zeit im stockenden Start des Einkaufsquartiers. Denn erst im Dezember 2021 plant die Bahn die Inbetriebnahme der 60 Kilometer langen Neubaustrecke von Ulm bis Wendlingen. Dann erst rasen die Ulmer in weniger als 30 Minuten zum Flughafen Stuttgart. Oder umgekehrt.

„Baustellen-Gucken“

Die Projekt-Baustellen der Region liegen gut im Zeitplan, wie Manfred Leger, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Bahn Projekts Stuttgart–Ulm, sagte. Der nach Fertigstellung sechs Kilometer lange Albabstiegstunnel sei bereits auf zwei Kilometern gebohrt. Den Baufortschritt in Ulm können Besucher jetzt in 15 Meter Höhe durch ein Panoramafenster beobachten. Auch Gönner freut sich: „Es gibt nichts interessanteres als Baustellen-Gucken.“ Insbesondere als Verdauungsspaziergang an Weihnachten.

Das Informationszentrum der Bahn steht an der Kienlesbergstraße oberhalb des Portalbauwerks des Albabstiegstunnels. Durch ein Panoramafenster besteht Aussicht auf die Baustelle. Die Öffnungszeiten sind donnerstags, 14 Uhr bis 20 Uhr, sowie samstags und sonntags, jeweils 12 Uhr bis 18 Uhr.

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