OB-Wahl in Neu-Ulm: SPD will Kandidat der Grünen unterstützen

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 SPD und Grüne wollen einen gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Neu-Ulmer Oberbürgermeisters ins Rennen schicken.
SPD und Grüne wollen einen gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Neu-Ulmer Oberbürgermeisters ins Rennen schicken. (Foto: Stefan Puchner)
Ariane Attrodt

Das war dann doch eine Überraschung: SPD und Grüne wollen einen gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Neu-Ulmer Oberbürgermeisters ins Rennen schicken: Die Vorstände des Ortsverbands der Grünen Neu-Ulm und des SPD Stadtverbands haben vereinbart, ihren Mitgliedern die gemeinsame Unterstützung des Grünen-Kandidaten Walter Zerb zu empfehlen. Das teilten die Parteien in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Vor zweieinhalb Monaten – nach der Nominierung Katrin Albsteigers als OB-Kandidatin der CSU – hatte Patrick Steiner-Hirth, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands Neu-Ulm, gegenüber unserer Zeitung noch davon gesprochen, dass ein eigener Kandidat das Ziel der Partei sei. Dafür seien auch mehrere Mitglieder im Gespräch gewesen, aber: „Aus nachvollziehbaren beruflichen oder privaten Gründen haben sie dann schließlich abgesagt“, erklärte Steiner-Hirth gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Bereits vorher sei aber ein gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen im Gespräch gewesen. Die Grünen wären auch bereit gewesen, einen Kandidaten aus der SPD zu unterstützen. „Am wichtigsten war es, dass wir ein Bündnis hinbekommen, damit nicht jede Partei alleine losrennt“, betonte Steiner-Hirth und weiter: „Wenn wir das zusammen machen wollen, müssen auch daran festhalten, wenn nicht wir diejenigen sind, die den Kandidaten stellen.“ Da müsse man auch die „Parteitaktik“ hinter sich lassen.

So heißt es dann auch in der gemeinsamen Mitteilung: Die Unterstützung beider Parteien für den Kandidaten soll Ausdruck einer „integrativen und zusammenführenden Politik sein, die gerade in den Kommunen heute mehr denn je benötigt wird.“ Walter Zerb sei ein „über die Parteigrenzen hinaus angesehener und in beiden Parteien hoch respektierter Rechtsanwalt und grüner Kommunalpolitiker“. Zerb ist 60 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Seit etwa 25 Jahren lebt er inBurlafingen. Er war Mitinitiator und Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Ausbau der B 10 im Pfuhler Ried und wurde 2017 zum Sprecher der Neu-Ulmer Grünen gewählt.

Er freue sich über die Unterstützung der Kandidatur. Dass sich nicht nur seine eigene Partei, sondern auch die SPD hinter ihn stelle, sei „eine schöne Sache“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. „Die SPD steckt da ja auch viel Vertrauen in mich.“ Im Vorfeld habe man sich über die gemeinsamen Punkte abgestimmt. Seine Kandidatur stellt Zerb unter das Motto „Gemeinsam für Neu-Ulm – Klimaschutz, Verkehrswende und Wohnungsbau vorantreiben“. So sei es ein Ziel, dass Neu-Ulm eine klimaneutrale Stadt wird. In der Innenstadt sollten mehr Solarpanels und Dachbegrünung her, zudem die regenerativen Energien gestärkt und „grüne Inseln“ durch kleine Parks geschaffen werden.

Beim Thema Verkehr will sich Zerb dafür einsetzen, ein geschlossenes Fahrradwegenetz zu schaffen, das die Stadtteile und Innenstadt umfasst. Denn in der Innenstadt müssten sich Radfahrer oft noch Schleichwege suchen – und auch „ein bisschen robust“ sein, wenn Autos dicht auf- oder vorbeifahren. Zudem sollten mehr Busspuren in der Innenstadt eingerichtet werden. Diese Maßnahmen könnten laut Zerb „vergleichsweise schnell“ umgesetzt werden, innerhalb von ein bis zwei Jahren. Ein weiteres Projekt, das er gerne umsetzen würde, bedürfe dagegen wesentlich längerer Zeit: Eine Straßenbahn, die von der Innenstadt ins Wiley bis nach Ludwigsfeld fährt.

Beim Wohnungsbau ist es Zerb ein Anliegen, neue Gebiete ausweisen, die dann verdichtet bebaut werden sollen. Sprich: Geschosswohnungen oder höher geschossige Reihenhäuser. Das sei auch „klimapolitisch vernünftig“, im Gegensatz zu zahlreichen Einfamilienhäusern mit einem großen Flächenverbrauch. Bei diesem Punkt sei der Stadtrat zwar bereits dran, dennoch gebe es noch „halb brachliegende“ Grundstücke, die genutzt werden könnten.

Zerb war bereits 2012 einmal Oberbürgermeisterkandidat für die Grünen – allerdings in Biberach, wo er sich geschlagen geben musste. 2013 brachte sich er dann als Grünen-Kandidat für den Posten des Landrats ins Gespräch, zog sich aber vor einer Kampfabstimmung wieder zurück. Der Grund: Er hatte damals aus der Zeitung erfahren, dass sein parteiinterner Konkurrent wegen dessen Erfahrung als Kreisrat in bestimmten Kreisen der Partei favorisiert wurde. Böses Blut gegenüber seinem Konkurrenten gab es aber nicht: Zerb betonte, dass er ihm ohne nennenswerte Probleme den Vortritt lasse und ihn auch unterstützen werde.

Zerb soll am 18. November offiziell von den Grünen als Kandidat nominiert werden. Etwa zwei Wochen vorher will die SPD über die Unterstützung für Zerb beschließen. Damit würde er der dritte Bewerber für den Posten des Neu-Ulmer Rathauschefs sein: Die CSU hatte Anfang August Katrin Albsteiger nominiert. Die Freie Wähler Gemeinschaft Neu-Ulm hat vergangene Woche verkündet, den parteilosen Roland Prießnitz ins Rennen schicken zu wollen. Seine offizielle Nominierung soll ebenfalls im November stattfinden.

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