„NSU Süd“: Staatsschutz ermittelt nach Nazi-Schmierereien

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 Eine unbekannte Person hat im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen einen Stromverteilerkasten der SWU mit Nazi-Schmierereien bekritz
Eine unbekannte Person hat im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen einen Stromverteilerkasten der SWU mit Nazi-Schmierereien bekritzelt. (Foto: Kroha)
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Eine bislang unbekannte Person hat im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen einen Stromverteilerkasten der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) mit Nazi-Schmierereien bekritzelt. „NSU Süd“ sowie ein Hakenkreuz wurde darauf niedergeschrieben.

Darauf aufmerksam machte am Sonntag ein Twitter-Nutzer in seinem Tweet, der unter anderem an die SWU gerichtet war. Demnach sollen die Nazi-Kritzeleien „schon eine Weile“ dort stehen, schreibt dieser und fragt die SWU: „Hat euch noch niemand dazu Bescheid gegeben?“ Die Stadtwerke antworten am Montagabend: „Danke für den Hinweis!“ – sie würden es den entsprechenden Kollegen weitergegeben.

Ein Sprecher der Neu-Ulmer Polizei wusste am Mittwochvormittag auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ noch nichts von dem Fall. Wie sich später herausstellte, war wohl zeitgleich eine Polizeistreife auf dem Weg zum Verteilerkasten in Burlafingen in der Thalfinger Straße, Ecke Bahnwaldstraße. Am Nachmittag teilt der Sprecher der Neu-Ulmer Polizei mit, dass jetzt die Abteilung Staatsschutz der Kriminalpolizei in die Sache involviert sei. „Jetzt beginnen die normalen Ermittlungen“, so der Sprecher. Ähnliche Fälle seien ihm bislang nicht bekannt. Schmierereien kämen zwar immer mal wieder vor, solche mit Nazi-Schmierereien sind ihm unbekannt.

„Inschrift“ inzwischen beseitigt

Die SWU teilt auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mit, sie habe von den Schmierereien erst am Sonntag über Twitter erfahren und der Hinweis sei am Tag darauf an die Fachabteilung weitergeleitet worden. Inzwischen sei die „Inschrift“ beseitigt, die Rechtsabteilung der SWU aber eingeschaltet worden. Diese werde nun weitere Schritte prüfen.

 Eine unbekannte Person hat im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen einen Stromverteilerkasten der SWU mit Nazi-Schmierereien bekritz
Eine unbekannte Person hat im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen einen Stromverteilerkasten der SWU mit Nazi-Schmierereien bekritzelt. (Foto: Kroha)

Auch der SWU sei laut Pressesprecher Bernd Jünke ein Fall wie der aktuelle bislang nicht bekannt. Werden Verteilerkästen aber doch Ziel von Zerstörungen und Vandalismus – wozu auch Graffiti zählen –, seien die Stadtwerke für entsprechende Meldungen von Bürgern aber dankbar, teilt er mit.

Bis zu 1000 Euro pro Kasten

In den SWU-Netzgebieten gibt es mehr als 4000 solcher Verteilerkästen. Eine regelmäßige Kontrolle wäre mit vertretbarem Aufwand kaum zu bewältigen, so Jünke. Die Kosten für die Beseitigung von Schmierereien wie Graffiti hängen vom Umfang der Zerstörung ab. Die Größenordnung reiche laut dem SWU-Sprecher von etwa 300 bis 1000 Euro pro Verteilerkasten, wenn zum Beispiel Arbeiten wie Abschleifen, Grundieren und Neulackieren hinzukommen. Ein Graffiti könne auch über den Mängelmelder auf der Homepage der Stadt Ulm gemeldet werden, teilt Bernd Jünke mit.

Beim Nationalsozialistischen Untergrund, kurz: NSU, handelte es sich um eine neonazistische terroristische Vereinigung. Sie wurde um 1999 gebildet, um in Deutschland Menschen ausländischer Herkunft aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven zu töten. Die Mitglieder waren unter anderem Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Der NSU ermordete zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin, verübten 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. 

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