Nobelpreisträger stützen Ulmer Einstein-Projekt

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Professsor Hanoch Gutfreund, Physiker, ehemaliger Präsident der Hebrew University of Jerusalem und akademischer Direktor des Ein
Professsor Hanoch Gutfreund, Physiker, ehemaliger Präsident der Hebrew University of Jerusalem und akademischer Direktor des Einstein Archivs in Jerusalem, und Nancy Hecker-Denschlag, Erste Vorsitzende des Vereins zum Bau des Einstein-Museums, vor einer Ideenskizze, die einen Entwurf des ,Albert Einstein Discovery Center’ in der Nähe des Bahnhofs zeigt. (Foto: Alexander Kaya)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Das Projekt ist groß angelegt, verfolgt einen ehrgeizigen Plan: „Im Herzen Ulms soll unter dem Titel ,Albert Einstein Discovery Center’ eine öffentliche Einrichtung entstehen, in der in enger Kooperation mit der Universität die Person Albert Einstein sowie seine Wissenschaft einer großen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.“ Am Mittwochabend informierte der „Verein der Freunde eines Albert Einstein Museums“, der heute mehr als 250 Mitglieder hat und 2016 gegründet worden war, erstmals öffentlich im Stadthaus über das Projekt.

In Ulm, der Geburtsstadt des Schöpfers der Relativitätstheorie, soll nach den Vorstellungen des Bürgervereins auf 7000 bis 10 000 Quadratmetern in der Innenstadt eine Einstein-Erlebniswelt entstehen. Das Museum soll eine umfassende populärwissenschaftliche und unterhaltsame Beschäftigung mit seiner Lebensgeschichte sowie mit seinen Entdeckungen ermöglichen.

Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein wurde 1879 in Ulm geboren.

Bert Sakmann, Nobelpreisträger der Medizin, und Wolfgang Ketterle, Nobelpreisträger der Physik, haben die Schirmherrschaft für den Bau übernommen. „Wir freuen uns sehr, dass wir so hochkarätige Wissenschaftler als Schirmherren für das Albert Einstein Discovery Center gewinnen konnten“, sagte Nancy Hecker-Denschlag, Erste Vorsitzende des Vereins. „Damit unterstreichen wir zusätzlich die fundierte Grundlage des Projekts.“

Sakmann sagte im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“: „Ulms Kapital ist Albert Einstein.“ Die Donaustadt habe als ehemalige freie Reichsstadt eine Tradition, „in Umsätzen zu denken.“ Nun gelte es, die „Marke Einstein“ zu entdecken und zu vermarkten.

Per Videobotschaft begrüßte Wolfgang Ketterle, Professor am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA, das Publikum und verkündete seine Schirmherrschaft für das Projekt. Das Discovery Center „kann ein Aktivitätszentrum für Kinder werden, um sie für die Wissenschaft zu begeistern, es kann aber auch die Stadt Ulm als modernen Wissenschafts- und Technologiestandort präsentieren“, betonte Ketterle.

Brücke zwischen Wissenschaft und Alltag

Für Joachim Ankerhold, Physiker und Vizepräsident der Universität, ist das Ganze auch eine Brücke zwischen Wissenschaft und Alltag: „Ich sehe das Projekt als Vorhaben, das Universität und Stadtgesellschaft noch enger zusammenschweißen wird.“ Die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts werde dort zu entdecken sein. Auch deshalb habe er gern den stellvertretenden Vorsitz des Vereins übernommen.

Die Stadt ist von dem Projekt zwar angetan, wie die Bürgermeisterin für Kultur und Bildung, Iris Mann (parteilos), erklärte. Möglichkeiten einer größeren finanziellen Beteiligung gebe es jedoch nicht.

Der Verein schätzt die Baukosten auf 40 bis 50 Millionen Euro für das Gebäude, Baubeginn soll 2024 sein. Nancy Hecker-Denschlag räumte ein, es gebe bisher keinen Businessplan und keine Sponsoren. Ankerhold verglich das ,Albert Einstein Discovery Center’ mit dem Projekt des Wiederaufbaus der Frauenkirche in Dresden: „Das haben auch Bürger gestemmt!“

Der Verein weist darauf hin, dass es in Ulm frühere Projekte der Stadt gegeben habe, die unter großem Bürgerengagement umgesetzt worden seien: der Bau des Ulmer Münsters (1377) und die Gründung der Universität (1967).

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