„Nicht mehr nachvollziehbar“: Ulmer IHK kritisiert Corona-Lockdown

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Max-Martin W. Deinhard, der Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm.
Max-Martin W. Deinhard, der Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm. (Foto: Schneider)
Schwäbische Zeitung

Die Ulmer Industrie- und Handelskammer kritisiert den neuerlichen „Lockdown light“ in deutlichen Worten.

„Wir haben vollstes Verständnis für die sich zuspitzende Lage und müssen uns diesem sensiblen Thema gemeinsam stellen, um die Infektionszahlen nachhaltig einzubremsen.“ Jedoch, so IHK-Präsident Jan Stefan Roell, sei man aufgrund der neuen Corona-Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz „sehr besorgt bezüglich deren Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft.“

Die Beschränkungen träfen ausgerechnet die Branchen, die bereits ein hohes Maß an flexibler Anpassung in der Krise bewiesen hätten. Die Unternehmen der Ulmer Region übernähmen Verantwortung für ihre Betriebe, ihre Kunden und Gäste sowie die Gesellschaft. „Es wurden Hygienekonzepte ausgearbeitet, auch mit der Intention, einem erneuten Betriebsstillstand entgegenzuwirken.“ Nun würden diese Unternehmen aus dem wirtschaftlichen Leben „geradewegs herausgerissen“.

Immerhin: Die IHK Ulm begrüße es, dass die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet bleiben.

Auch Max-Martin W. Deinhard, der Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, kritisiert die Maßnahmen als einen „nicht mehr nachvollziehbaren Wirrwarr, fern von einer einheitlichen Linie“. Er fragt: „Wieso müssen Kosmetikstudios und Massagepraxen schließen, wenn Friseure geöffnet bleiben?“ Deinhard verweist auf das IHK-Positionspapier „Erfolgreiches Wirtschaften trotz Corona – das ist jetzt nötig!“ (Kasten). Was er begrüßt: Dass der Betrieb von Schulen und Kindertagesstätten unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften aufrechterhalten wird.

Die angekündigte finanzielle Hilfe für die Betriebe, die von der Schließung betroffen sind, müsse nun schnell kommen, fordert die IHK Ulm. „Die Bundesregierung hatte genügend Zeit, sich auf den erneuten Lockdown vorzubereiten. Es kann also erwartet werden, dass den betroffenen Unternehmen die finanziellen Mittel nun sehr kurzfristig zur Verfügung gestellt werden“, betont Deinhard. Darüber hinaus sei kritisch zu hinterfragen, ob eine Umsatzentschädigung von 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ausreiche, da die Eigenkapitalsituation in vielen Betrieben deutlich kritischer sei als im Frühjahr.

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