Neujahrskonzert - vom Strauß-Walzer bis zum Titanic-Titelsong

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Maria Rosendorfsky bewies beim Neujahrskonzert der Ulmer Philharmoniker im Theater nicht nur gesangliche, sondern auch darstell
(Foto: nuz)

Mit viel Witz und mit temperamentvollem Schwung schickt das Theater Ulm seine Besucher ins neue Jahr. Und wer meint, ein Neujahrskonzert von Philharmonikern bestehe „nur“ aus Opern- und Operettenmelodien, wird heuer im Großen Haus vom Multitalent Maria Rosendorfsky und dem Orchester unter Leitung von Timo Handschuh überrascht: Der Ulmer GMD lässt die Wiener Sopranistin im 150-Minuten-Programm viele Facetten ihres Könnens zeigen und jagt seine Philharmoniker durch die Musikwelt vom Strauß-Walzer bis zum Titel-Song des Filmdramas „Titanic“.

Operndirektor Matthias Kaiser wischt sich manche Träne aus dem Augenwinkel, als er mit einem Zimmer-Ventilator am Bühnenrand sitzt und Wind produziert, damit das Liebespaar Jake und Rose in der legendären „Titanic“-Filmszene romantisch am Bug des Schiffes im Wind stehen können. Nur dass das Film-Liebespaar nicht von Leonardo di Caprio und Kate Winslett gemimt wird, sondern von Timo Handschuh und Maria Rosendorfsky, die für die Szene keine Céline Dion braucht: Sie singt die Titelmelodie des Kino-Kassenschlagers zum Vergnügen des Publikums selbst. Und das nicht nur als liebende Rose auf der Titanic, sondern auch als Faith Hill-Double mit einer eindrucksvollen Interpretation des Titelsongs aus dem Film „Pearl Harbour“.

So sehr Maria Rosendorfsky stimmlich im Neujahrskonzert 2015 zwischen Oper, Operette, Lied und Filmmusik glänzt – ihre schauspielerischen Fähigkeiten machen dieses Konzert zu einem unvergesslichen. Nur wenige kennen die 1916 vollendete absurde Poulenc-Kurzoper „Die Brüste des Tiresias“, in der sich die Hausfrau Thérèse ihrer üppigen Brüste entledigt und zum Mann Tiresias mutiert, weil sie ihrer Weiblichkeit überdrüssig ist. Maria Rosendorfsky agiert zwischen lyrischen Klängen und scharfen Spitzentönen, lässt die rosafarbenen Brüste-Luftballons platzen und scheint dabei so viel Spaß zu haben wie die Zuschauer.

Zum musikalischen Vergnügen passen Matthias Kaisers geistvolle Anmerkungen, wenn er aus Johann Strauss’ „Zigeunerbaron“ zitiert, wie der Elefant in der Schüssel den Salat mit seinem Rüssel mengt. Allzuviel deutungssschwere Kost soll den Jahresbeginn nicht belasten. Dieses Neujahrskonzert will einfach Freude machen, und das auf hohem musikalischen Niveau. Denn nicht zu vergessen – es gibt unter anderem einen Teil von Jean Sibelius’ „Karelia-Suite“ zu hören und das österliche Intermezzo aus Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“. Dass sich Cindy und Bert in den 70er Jahren bei Émile Waldteufel bedienten, ist in dessen „Espana“ unverkennbar – aber auch der Franzose hatte bereits recycelt, indem er ein Vorgängerwerk von Emmanuel Chabrier benutzte.

Ohne ein bisschen „Wiener Blut“ freilich kann ein Neujahrskonzert wohl nicht dem finalen Radetzkymarsch entgegen gehen, und für viel Amüsement sorgt das leibhaftige Steckenpferd in Josef Strauss’ „Jockey-Polka“.

Weitere Aufführungen des Neujahrskonzerts der Ulmer Philharmoniker finden am 6., 8., 17., 18. und 25. Januar statt, teilweise zwei Mal täglich, dazu kommt eine weitere Ausgabe am 8. Februar. Karten unter Tel.0731/161-4444.

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